Lasten, Chancen oder beides durch Klimaschutz?
Gerhard Timm 13.12.2007
Armutsbekämpfung und Klimaschutz müssen verbunden werden
Auftritt Sigmar Gabriel in Bali: Internationale Pressekonferenz, deutsche Pressekonferenz, Rede im Plenum, Side-Event mit Schellnhuber und Lord Stern. Das ist ganz schön anstrengend bei 34 Grad und Jetlag. Die Botschaft ist – natürlich – immer die gleiche, und sie kommt überwiegend sehr gut an: Armutsbekämpfung und Klimaschutz müssen zusammen gedacht werden, es lässt sich nur beides gleichzeitig bekämpfen.
Kein Entwicklungs- oder Schwellenland würde sich ernsthaft am Kampf gegen den Klimawandel beteiligen, wenn es dadurch in seiner Entwicklung behindert wird. Deshalb muss beides verbunden werden. Die Industrieländer haben eine besondere Verantwortung, deshalb sind sie auch besonders gefordert. Er bringe deswegen auch weitere 120 Millionen Euro in die Verhandlungen ein. So weit, so gut.
Anhaltenden Applaus am Ende seiner Plenumsrede löst aber wohl vor allem die Feststellung aus, dass es nicht vor allem um Lastenverteilung gehe, sondern um die Wahrnehmung von Chancen. Beides gehe zusammen und sei zwingend miteinander verbunden – Klimaschutz und Wohlstandsmehrung. Eine Art perpetuum mobile: Klimaschutz als Wachstumsmotor. Gabriel verspricht, den Pelz zu waschen, ohne ihn nass zu machen, dass dies gehen soll, freut die Menschen zu hören. Es wirkt offensichtlich motivierend und befreiend.
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Dazu sind wohl mindestens zwei Dinge zu sagen:
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Es wird keinen erfolgreichen Klimaschutz ohne eine massive Änderung im westlichen Lebensstil geben. Dieser Lebensstil ist derzeit wegen seines viel zu hohen Ressourcenverbrauchs schlicht nicht zukunftsfähig oder nachhaltig. |
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Es wird einige Länder geben, und Deutschland könnte darunter sein, die tatsächlich sogar in der kurzfristigen Perspektive von der Bekämpfung des Klimawandels ökonomisch profitieren werden. |
Diese Erkenntnis dämmert inzwischen auch Teilen der deutschen Industrie, nachdem sie jahrzehntelang zum Jagen getragen werden musste. Für die meisten Länder dieser Welt gilt dies aber nicht. Die Entwicklungs- und Schwellenländer fordern genau deswegen Geld von den reichen Ländern, um es u. a. für Klimaschutztechnologien „Made in Germany“ wieder auszugeben. Diese Gelder sind Steuergelder, die in allen Industrieländern aufgebracht werden müssen. Diese Zusammenhänge sind im ersten Moment vielleicht nicht sofort durchschaubar und deshalb bekommt Gabriel dafür im Plenum der Verhandlungen einen Extra-Applaus. Großzügig wird über seine kleine sprachliche Ungenauigkeit hinweggesehen, als er das Wort „poorness“ statt „poverty“ verwendete.