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Irak-Krieg: Hunderttausend oder eine Million Todesopfer?

Florian Rötzer 01.02.2008

Nicht nur politisch, sondern auch wissenschaftlich streitet man über die Zahl der Opfer seit der Invasion im Jahr 2003

Wie viele Tote und Verletzte es in einem Krieg gibt, spielt stets eine gewichtige Rolle – vor allem auch politisch. Die Angreifer spielen die Zahlen herunter, die Angegriffenen oder Gegner setzen sie hinauf. Genaue Zahlen kann man nicht erwarten. Das wird auch wieder deutlich am Irak-Konflikt, wo man seit Beginn die Zahl der Opfer diskutiert, während das im Fall von Afghanistan schon sehr viel unwichtiger zu sein scheint.

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Erst kürzlich wurde eine im Auftrag der WHO durchgeführte Studie im New England Journal of Medicine veröffentlicht, die die Zahl der Todesopfer seit der Invasion im Jahr 2003 auf um die 150.000 schätzte ([local] 17fach erhöhtes Risiko durch Gewalt zu sterben). US-Präsident Bush hat sich darüber kaum geäußert, im Dezember 2005 hatte er die Zahl von 30.000 Toten genannt. Andere Studien kamen auf 650.000 Tote ( [local] Krieg kostete 650.000 Menschen im Irak das Leben). [extern] Iraq Body Caount kommt auf mehr als 80.000 Todesopfer.

Eine [extern] Befragung des britischen Opinion Research Business (ORB) kommt nun zu dem Ergebnis, dass seit 2003 mehr als eine Million Zivilisten aufgrund des Konflikts seit 2003 ums Leben gekommen sind. Für die Studie wurden 2.414 Erwachsene in 15 der 18 Provinzen befragt. In den sunnitischen Provinzen Kerbala und Anbar, in denen am meisten Gewalt herrscht, konnte man die Befragung nicht durchführen. Aus anderen Gründen musste man auch Irbil ausklammern.

Nach der Studie gab es bei 20 Prozent der Menschen einen Toten, der im Kontext des Konflikts und nicht an natürlichen Ursachen gestorben ist. Hochgerechnet wurde das Ergebnis der Befragung aufgrund der Zahl der Haushalte, die 1997 bei der letzten Volkszählung erfasst wurden. Zunächst war man von 1,2 Millionen Toten ausgegangen. Nachdem man aber noch einmal vor allem in ländlichen Gebieten nachgeprüft hatte, schätzt man die Zahl der Toten zwischen 946.000 und 1,12 Millionen. Besonders schlimm soll es in Bagdad sein. Hier soll sich in zwei Fünftel der Haushalte ein mit dem Irak-Konflikt verbundener Todesfall ereignet haben.

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Der Streit um die Todeszahlen hat nicht nur eine politische Komponente, wer an welchen Dimensionen interessiert ist. ORB erklärt, man habe keine Interessen, sondern wolle nur so genau wie möglich die Todesopfer abschätzen. Auch im Zeitalter der "Präzisionswaffen" und der "Kollateralschäden" geht es in einem Krieg um die Schonung der eigenen Kräfte und um möglichst große Verluste der Gegner. Keiner der Gegner ist interessiert an genauen Opferzahlen der Zivilbevölkerung, die sich zwischen den Fronten befindet und schon seit langem das Gros der Opfer stellt.

Zweifellos macht es einen Unterschied im Hinblick auf die Legitimation eines Angriffskrieges, ob es 30.000, 100.000 oder eine Million Tote gibt. Der "Body Count" ist wichtig, und weil er von unabhängiger Seite nur abgeschätzt werden kann, stellt sich die Methodenfrage, also beispielsweise wen man befragt, wie man Zahlen hochrechnet und mit welchen Kriterien man Zahlen für realistisch hält. Den Menschen selbst, die im Kriegsgebiet leben und Familienmitglieder und Freunde verloren haben, nützt das freilich wenig. Wissenschaft kümmert sich um das einzelne Schicksal ebenso wenig wiedas Militär oder die Aufständischen.

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Kommentare lesen
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Es gibt ihn also doch, den Sozialdarwinismus (Antidarwinist 16.2.2008 13:38)
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