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Studie: Antidepressiva wie Prozac so gut wie Placebos

Florian Rötzer 26.02.2008

Nach einer Auswertung klinischer Daten kommt eine Studie zu dem Schluss, dass SSRIs, die neuen Antidepressiva der dritten Generation, so gut wie wirkungslos sind

Millionen von Menschen werden mit Antidepressiva behandelt. Neue Medikamente sollen besser wirken, weil sie neu sind und dem fortgeschrittenen Stand der Forschung enstpringen. Eine Studie hat sich die Wirkung der neuen Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI), die auch meisten verschrieben werden, einmal näher mittels einer statistischen Auswertung vieler Studien angeschaut und kam zu dem Ergebnis, dass sie kaum besser als Placebos sind. Die Untersuchung und deren Veröffentlichung ist mutig, denn sie offenbart nicht nur eine Hilflosigkeit der modernen Medizin gegenüber der häufigsten psychischen Erkrankung, sondern könnte auch einen Markt untergraben, der den Herstellern viele Milliarden Euro eingebracht hat.

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Das amerikanische, britische und amerikanische Wissenschaftlerteam verwendete zu seiner Studie Daten aus den klinischen Versuchen zur Zulassung der Wirkstoffe Fluoxetin (Prozac), Venlafaxin (Trevilor), Nefazodonbei (Nefadar, bereits wieder vom Markt genommen) und Paroxetin (Seroxat) bei der US-Behörde FDA ausgewertet. An die unveröffentlichten Daten kamen sie nach der Eingabe von Gesuchen nach dem Informationsfreiheitsgesetz (FOIA). Mit meta-analytischen Techniken wurde dann, wie die Wissenschaftler in ihrem [extern] Artikel erklären, der in der aktuellen Ausgabe der Open Access Zeitschrift [extern] PLoS Medicine erschienen ist, untersucht, welche Erfolge die Medikamente erzielten.

Daraus ergab sich, dass die Wirkung dieser neuen, dritten Generation der Antidepressiva "unter den für klinische Bedeutung empfohlenen Maßstäben" lagen. Bei schwachen Depressionen habe es praktisch keine Unterschiede zur Verabreichung von Placebos gegeben, bei Patienten mit schweren Depressionen nur einen "kleinen klinischen unbedeutsamen" Unterschied. Nur bei schwersten Depressiven ergab sich zwischen Placebos und den SSRIs ein klinisch signifikanter Unterscheid. Diese Wirksamkeit wird aber von den Wissenschaftlern gleich wieder gedämpft, da sie vor allem darauf zurückzuführen sei, dass Menschen mit schweren Depressionen kaum auf Placebos ansprechen, weswegen die Wirkung nicht durch die Antidepressiva verursacht werde.

Besonders neue Medikamente, die mit entsprechendem Brimborium in den Markt eingeführt werden, versprechen Besserung und Heilung, die Ärzte erzeugen für sich und andere den Eindruck, sie wüssten, was sie machen, wenn sie die vermeintlichen Wirkstoffe verschreiben, die Patienten setzen darauf, dass Wirkstoffe das bewerkstelligen, was sie machen sollen und ihnen von Herstellern und Experten versprochen wird, und die Pharmaindustrie verdient. Immer besteht eine Wahrscheinlichkeit zwischen 5 und 15 Prozent, an einer (vorübergehenden) Depression zu erkranken. Allein in Deutschland sollen vier Millionen Menschen unter Depressionen leiden. Antidepressiva werden aber nicht nur genommen, um schwere psychische Probleme zu behandeln, sondern wie Prozac auch zur Leistungssteigerung und Stimmungsverbesserung oder auch einfach nur, wenn man mal schlecht drauf ist.

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Mindestens so wirksam bei Depressionen könnte nach der Studie über die SSRIs, die auch deswegen lieber verschrieben werden, weil sie weniger Nebenwirkungen haben sollen, die kostengünstige Verschreibung von Placebos sein, anstatt der Pillen aus den wissenschaftlichen Labors ließe sich auch an andere therapeutische Maßnahmen denken, zumal es wenig erheblich ist, ob scheinwissenschaftliches oder anderes Brimborium eingesetzt wird, um die Teufel der Depression auszutreiben. Schließlich ist die Wirkung von Placebos bei psychischen Erkrankungen sowieso höher als in anderen Fällen. Die Wissenschaftler schreiben, es gebe keinen Grund, diese Medikamente – mitsamt der Modedroge Proxac – zu verschreiben, nur bei Menschen, die unter sehr schweren Depressionen leiden, könne man daran denken, wenn andere Behandlungen sich als unwirksam erwiesen haben. Professor Irving Kirsch von der University of Hull und einer der Autoren sagt: "Im besten Interesse der Patienten ist es Zeit, den Schwerpunkt auf nichtmedikamentöse Behandlungen zu legen und diese Medikamente für sehr schwer depressive Patienten zu reservieren."

GlaxoSmithKline, Hersteller von Seroxat, [extern] sagt, die Studie haben nur eine sehr kleine Menge aller verfügbaren Daten ausgewertet. Zulassungsbehörden auf der ganzen Welt hätten ausführliche Untersuchungen mit allen Daten gemacht: "Diese eine Studie sollte nicht dazu dienen, unnötigen Alarm für Patienten zu verursachen." Ähnlich gibt man sich beim Pahrmakonzern Eli Lilly, der Prozac vertreibt: "Umfangreiche wissenschaftliche und medizinische Erfahrungen haben gezeigt, dass Fluoxetin ein wirksames Antidepressivum ist.".

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Kommentare lesen
Re: L-Tryptophan-Empfehlung (schnecki 29.2.2008 5:46)
Danke für die Polemik... (DocMcCoy 29.2.2008 3:18)
lebensrettende impfungen ????? (widarge burt 29.2.2008 3:00)
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