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"Wachstum ohne Einkommenszuwachs"

Florian Rötzer 04.03.2008

Nach einer Studie der Böckler-Stiftung profitieren vom Aufschwung nur Unternehmen und Vermögende, die realen Nettolöhne der Beschäftigten sind hingegen um 3,5 Prozent gesunken

Der Aufschwung ist angekommen, verkündete die Bundeskanzlerin Ende des letzten Jahres die "gute Botschaft" ([local] Kommt der Aufschwung bei den Menschen nicht an?). Eine [extern] Studie der gewerkschaftsnahen [extern] Hans-Böckler-Stiftung, die heute veröffentlicht wurde, kann dem allerdings nicht zustimmen. Die Ergebnisse werden die bereits laute Diskussion im Lande um eine linke Politik weiter verstärken.

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Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung hat sich die Daten zu Einkommen und Konsum der letzten drei Jahre (2004-2007) angeschaut. Danach profitieren vom Aufschwung wenig überraschend überwiegend die Bezieher von Gewinn- und Vermögenseinkommen. Die realen Nettolöhne der Beschäftigten sind jedoch nicht gestiegen, sondern sogar um 3,5 Prozent gesunken.

Während des letzten wirtschaftlichen Aufschwungs von 1998 und 2001, der wie bei diesem ein Wachstum des BIP von 7 Prozent aufwies, ist dies nach dem Bericht noch anders gewesen:


Die realen Nettolohneinkommen aller Beschäftigten, gemessen in der Nettolohn- und Gehaltssumme, sanken um 1,5 Prozent - nach einem Zuwachs von real gut acht Prozent im Aufschwung zuvor. Die realen Nettolöhne je Arbeitnehmer gingen in diesem Aufschwung sogar um 3,5 Prozent zurück. Im Vergleichszyklus waren sie noch um vier Prozent gestiegen. Die Bruttolohnquote, die im letzten Aufschwung nach elf Quartalen bei rund 71 Prozent stagnierte, ist in diesem Zyklus von rund 68 auf etwa 64 Prozent gefallen.

Nach dieser Analyse der Böckler-Stiftung investieren Unternehmer weniger in Arbeitsplätze

Wie das Institut feststellt, geht nicht nur der wirtschaftliche Aufschwung an den meisten Menschen vorbei, auch die staatlichen Zahlungen, beispielsweise Renten, an die Privathaushalte seien zurückgegangen. Wirtschaftlicher Aufschwung heiße für den Großteil der Menschen nun, so Gustav Horn, Wissenschaftliche Direktor des IMK: "Wachstum ohne Einkommenszuwachs". Daher gebe es auch wenig Aussichten, dass die Menschen mehr Geld für den Konsum ausgeben. Die Löhne bleiben hinter dem Wachstum von Produktivität und Inflation zurück, was auch heißt, es wird mehr für dasselbe Geld gearbeitet und man hat weniger, das man ausgeben kann. Während der letzten Konjunktur war der private Konsum noch um 7 Prozent gewachsen, dieses Mal hat er nur um real ein Prozent zugelegt, da der Aufschwung fast ausschließlich dem Export zu verdanken ist.

Das ist auch der Grund, warum die Gewinne der Unternehmen "geradezu explodiert" seien, was zu einer "massiven Umverteilung" zugunsten von diesen und allen Vermögensbesitzern geführt habe.


Die nominalen Bruttogewinne der Unternehmen wuchsen in diesem Aufschwung um 25 Prozent - nach fünf Prozent im vorigen Zyklus. Der Anteil der Bruttogewinnquote am Volkseinkommen stieg von 32 auf knapp 36 Prozent.

Auch die Versuche der Regierung, wenigstens mit den Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt zu punkten, wenn man sich schon mit den schwachen Lohnentwicklungen nicht brüsten kann, greifen nach Ansicht des IMK nicht wirklich. Zwar sei die Zahl der Arbeitslosen um 700.000 Personen gesunken, aber die Beschäftigung habe sich mit einer Zunahme um 2 Prozent während des Aufschwungs "nicht außergewöhnlich stark entwickelt". Die Arbeitsmarktreformen hätten "allenfalls leicht positive Effekte" gezeigt.

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