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Mitarbeiter von Atomanlagen haben erhöhtes Infarktrisiko

Florian Rötzer 05.03.2008

Nach einer umfassenden Studie über Angestellte von britischen Atomanlagen gibt es einen Zusammenhang zwischen erhöhter Strahlenbelastung und Mortalität durch Kreislauferkrankungen

Wenn man an die gesundheitlichen Folgen von erhöhter Strahlenbelastung denkt, wird man vermutlich erst einmal auf [extern] Krebs kommen. Bei einer Auswertung der Daten von Zehntausenden Angestellten, die in britischen Atomkraftwerken gearbeitet haben, wurden allerdings keine erhöhten Krebsraten festgestellt, sondern eine erhöhte Mortalität durch Herzerkrankungen.

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Grundlage der [extern] Studie, die als Online-Vorabveröffentlichug in dem International Journal of Epidemiology erschienen ist, waren Forschungsergebnisse, die über die Langzeitwirkungen von Menschen gemacht wurden, die die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki überlebt haben und einer erhöhten Strahlenbelastung ausgesetzt waren. Dabei hatte sich gezeigt, dass die Menschen mit zunehmender Strahlenbelastung vermehrt an nicht malignen Krankheiten, vorwiegend an Kreislauferkrankungen, sterben. Mit der Untersuchung der medizinischen Daten von Angestellten von britischen Atomkraftwerken wollten die Wissenschaftler prüfen, ob sich dieser Trend auch hier bestätigt.

Herangezogen wurden für diem ursprünglich von der British Nuclear Fuels (BNFL) inAuftrag gegebene Studie, die Daten von 65.000 Personen, die zwischen 1946 und 2002 in britischen Atomanlagen gearbeitet haben. 42.500 Angestellte wurden aufgrund der genau gemessenen Strahlenbelastung mit Dosimetern als "radiation worker" eingestuft (die Hälfte hat in Sellafield gearbeitet). Von diesen waren nur 7,6 Prozent Frauen, die auch in diesen Bereichen nur kurz gearbeitet haben, weswegen die Ergebnisse der Studie sich weitgehend auf Männer beschränken. Bis 2005 wurden die Gesundheitsdaten der Angestellten weiter verfolgt. Mit 1.894.225 Personenjahren, bei denen die Mortalität überprüft wurde, sei dies die Studie über Mitarbeiter in Atomanlagen mit der umfangreichsten empirischen Datenbasis.

Die Studie bestätigt statistisch, dass die Mitarbeiter, die am längsten höherer Strahlung ausgesetzt waren, mit erhöhter Wahrscheinlichkeit an Herzerkrankungen und Atemwegserkrankungen gestorben sind. Das überdurchschnittliche Mortalitätsrisiko für Kreislauferkrankungen lag bei 0,65 (von 5319 Todesfällen), für ischämische Herzinfarkte bei 0,70 (von 3.567 Todesfällen) und allgemein für alle Krankheiten außer Krebs bei 0,52 (von 7345 Todesfällen). Bei Herzerkrankungen besteht ein klarer Zusammenhang, bei den Atemwegserkrankungen zeigt sich, verglichen mit der Gesamtbevölkerung, eher der "healthy worker"-Effekt, nämlich dass das Rauchverbot während der Arbeitszeit für die "radiation worker" merkbare Folgen hat. Allerdings sagen die Wissenschaftler, dass die sozioökonomischen Lebensbedingungen insgesamt auf die Gesundheit der Personen einen größeren Einfluss haben als die Strahlungsbelastung.

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Ob es einen wirklichen kausalen Zusammenhang zwischen erhöhter Strahlenbelastung und erhöhter Sterblichkeit an Herzerkrankungen gibt, kann die Studie aufgrund der vorliegenden Daten nicht wirklich belegen, zumal auch die biologischen Mechanismen, die bei geringer und anhaltender Strahlenbelastung solche Folgen verursachen, weitgehend unbekannt sind. Möglicherweise könnten auch Schichtarbeit und Stress am Arbeitsplatz eine gewisse Rolle spielen. Es bleibt allerdings der statistische Zusammenhang zwischen Strahlenbelastung und erhöhtem Sterberisiko durch Herzerkrankungen, der bei den Personen geringer ist, die nach 1980 in Atomanlagen gearbeitet haben, weil damals neue Schutzmaßnahmen eingeführt wurden.

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