Bond-Investoren haben Vertrauen in die US-Notenbank verloren
Rainer Sommer 12.03.2008
Von einem Abflauen der Finanzmarktturbulenzen ist nichts zu bemerken
Das Vertrauen der Bondmärkte in die amerikanische Notenbank war noch nie so niedrig wie heute,
berichtet Bloomberg. Das gesunkene Vertrauen zeigen die inflations-indexierte US-Schatzscheine, deren Verzinsung vergangene Woche erstmals seit ihrer Einführung im Jahr 1997 negativ geworden ist.
Diese so genannten TIPs (Treasury Inflation-Protected Securities) sind US-Staatsanleihen, deren Kapital mit dem Preisindex mit steigt. Der Tilgungsbetrag am Ende der Laufzeit erhöht sich im Ausmaß der ausgewiesenen Inflationsrate, und auch die halbjährlichen Zinszahlungen werden auf Basis des angepassten Kapitals bezahlt. Die Verzinsung normaler Treasuries besteht theoretisch aus drei Komponenten: der von den Investoren verlangten Realverzinsung, der erwarteten Inflationsrate über die Laufzeit des Bonds und einer Risikoprämie wegen der Unsicherheit bezüglich dieser Erwartung, wobei letztere an den Finanzmärkten zur so genannten "Breakeven Inflationsrate" zusammengefasst werden. Weil die Verzinsung der TIPs als Realverzinsung betrachtet wird, lässt sich aus der Zinsdifferenz zwischen TIPs und normalen Treasuries mit gleicher Laufzeit die Breakeven Inflationsrate ableiten.
Obwohl die Rendite der TIPs am Sekundärmarkt am 29. Februar erstmals mit 0,16 Prozent ins Minus gerutscht ist, bezeichnen Analysten der Deutschen Bank diese Papiere als Okkasion. Sollten sich die Stimmung der Investoren bis zur nächsten Versteigerung am 24. April nicht verbessern, dürfte somit erstmals TIPs mit einem Null-Coupon emittiert werden, so dass die Investoren das US-Schatzamt also fast schon dafür bezahlen, der US-Regierung Geld leihen zu dürfen – wozu sie inflationsbereinigt aber offenbar ohnehin schon länger bereit sind, bei zuletzt mehr als vier Prozent Inflationsrate und Anleihezinsen die für 5jährige Staatsanleihen derzeit bei 2,4 Prozent liegen.
Das ist nicht unbedingt verwunderlich, denn erst am 6. März hatte Timothy F Geithner, Präsident und CEO der Federal Reserve Bank of New York, bei einer
Rede auf der Council on Foreign Relations Corporate Conference 2008 eindeutig klar gemacht, dass die Fed ihre lockere Geldpolitik beibehalten werde, "so lange die Verhältnisse an den Finanzmärkten turbulent bleiben und daraus Wachstumsrisiken erwachsen".
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Headline and core inflation have come in higher than anticipated, and inflation expectations have also moved up. (…) if the medium term outlook for inflation deteriorates significantly, the FOMC will move with appropriate speed and force to address this risk. (…) if turbulent financial conditions and the associated downside risks to growth persist, monetary policy may have to remain accommodative for some time.
Timothy F Geithner, President und CEO der Federal Reserve Bank of New York
Von einem Abflauen der Finanzmarktturbulenzen ist derzeit allerdings nichts zu bemerken. In den letzten Wochen haben die großen Investmentbanken offenbar allesamt ihre Kreditvergabestandards an Hedge Fonds massiv verschärft, was bereits mehrere bislang florierende Fonds in die Liquidation gezwungen hat. Betroffen sind vor allem Fonds, die sich von den Banken Anleiheportfolios finanzieren lassen. Dies geschieht üblicherweise über so genannte Repos (Rückkaufvereinbarungen), bei denen die finanzierten Wertpapiere an die Bank verkauft werden, gleichzeitig ein fixer Termin für einen Rückkauf vereinbart wird und die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis die Verzinsung ergibt. Dabei wird aber nicht der volle Nenn- oder Börsenwert des Wertpapiers kreditiert, sondern ein Sicherheitsabschlag ("Haircut") vereinbart, der vom Risiko des Wertpapiers abhängt.
So habe der inzwischen liquidierte Hedge Fonds Tequesta Capital Advisors Bloomberg zufolge Anfang 2007 für AAA-geratete Jumbo Loans (Hypotheken über mehr als 417.000 USD) bester Bonität 95 USD Kredit für 100 USD an Hypotheken bekommen, was einem Haircut von 5 Prozent entspricht. Nun hätten die Kreditgeber den Aufschlag auf 30 Prozent angehoben, was Tequestra nicht aufbringen konnte. Im Schnitt hätte sich der Haircut für AAA geratete Asset-Backed Securities seit letztem Sommer von drei auf nunmehr 15 Prozent und bei Top-gerateten Unternehmensanleihen von fünf auf zehn Prozent erhöht, allerdings habe laut Bloomberg mindestens eine Großbank auch damit begonnen, den Risikoabschlag sogar auf US-Staatsanleihen deutlich zu erhöhen.
Das Vertrauen der Banken untereinander ist zuletzt ebenfalls wieder stark zurückgegangen. Dieses lässt sich am so genannte TED-Spread ablesen, der Zinsdifferenz zwischen Interbankenkrediten (gemessen am 3-Monats LIBOR, der London Interbank Offered Rate) und US-Schatzscheinen mit gleicher Laufzeit, die Mitte Februar auf 0,78 Prozent zurückgefallen war, bis vergangenen Donnerstag aber wieder auf 1,65 Prozent angestiegen ist. Nachdem die Fed daraufhin am nächsten Tag weitere massive Liquiditätseinschüsse in den Interbankenmarkt
angekündigt hatte, ging der TED-Spread zwar wieder auf 1,46 Prozent zurück, aber auch das ist nicht weit von den Rekordwerten im letztem August von zwei Prozent entfernt und nach wie vor extrem weit über den vor der Krise üblichen Niveaus von selten mehr als 0,2 Prozent.