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Das neue Gesicht des Hungers

Thomas Pany 25.03.2008

World Food Programm: Immer mehr Bedürftige werden über die hohen Preisanstiege von den Nahrungsmittel-Märkten ausgeschlossen

Von einem neuen Gesicht des Hungers [extern] warnen hochrangige Vertreter des Welternährungsprogramms ([extern] World Food Programme (WFP)): Waren bislang Krieg und Hungersnöte die Ursachen für größere Versorgungskrisen, so hat die Not in diesen Tage einen anderen Grund: Die Bedürftigen würden mehr und mehr über die ungewöhnlich hohen Preisansteige von den Nahrungsmittel-Märkten ausgeschlossen.

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Das sei das erste Mal, dass man von einer solch dramatischen Entwicklung am Markt überrascht und getroffen worden sei, [extern] erklärte Josette Sheeran, die Chefin des WFP. Niemals zuvor hätte man sich mit einer solchen Situation konfrontiert gesehen, in der ein aggressiver Anstieg der Nahrungsmittelpreise notwendige Hilfsoperationen so verteuert habe, dass sie außerhalb der Möglichkeiten der Organisation lägen.


We are seeing a new face of hunger – people who suddenly can no longer afford the food they see on store shelves. Prices have soared beyond their reach.
Sheila Sisulu, Vizedirektorin des WFP für "Hunger Solutions"

Es sei auch das erste Mal in der Geschichte der Hilfsorganisation der UN, dass man gezwungen sei, [extern] Regierungen um Hilfe zu bitten, nicht weil etwa ein Krieg oder eine Hungersnot ausgebrochen sei, sondern weil sich die Marktbedingungen verändert hätten. Sollten zusätzliche Mittel nicht bis Anfang Mai eintreffen, sei man gezwungen, Nahrungsmittelrationen zu kürzen.

Schwierigkeiten bereitet dem WFP der Preisanstieg bei Weizen, Reis und Getreide. Nach Schätzungen benötigt die Hilfsorganisation etwa 500 Millionen US Dollar an zusätzlichen Mitteln, um die Versorgung von 73 Millionen Bedürftigen in diesem Jahr zu garantieren.

Seit Mitte letzten Jahres bis Ende Februar 08 sind nach WFP-Angaben die Nahrungsmittelpreise um 55 Prozent gestiegen und in den letzten drei Wochen nochmals um dramatische 20 Prozent. Diese plötzlichen, nicht kalkulierbaren Anstiege haben die Organisation böse überrascht, war man nach den Worten von Sheeran doch daran gewohnt, die Preise für die Grundnahrungsmittel "einmal im Jahr oder alle zwei Jahre" anzupassen. Derzeit würden die Veränderungen aber im Wochentakt, wenn nicht gar täglich, geschehen – und alle nur in eine Richtung.

Der drastische Preisanstieg mit Rekordhöhen vergangener Woche beim Reis ist laut Experten der zum Teil der steigenden Nachfrage auf südostasiatischen Märkten zu verdanken, die prosperieren. Zum anderen der steigenden Nachfrage nach Biosprit. Eine dritte Ursache liegt in der Spekulation mit Lebensmitteln. Ausgelöst durch materiell begründete Anlässe wie die steigende Nachfrage oder den Biosprit-Effekt versuchen Spekulanten den Profit aus den erwartbaren Preissteigerungen abzuschöpfen, was dazu führt, dass sich die Preisspirale immer weiter und immer schneller dreht, solange ihr kein Riegel vorgeschoben wird.

Das Welternährungsprogarmm warnt nun davor, dass man in den nächsten Monaten die Hilfe zurückfahren muss, was einen "dramatischen Effekt" auf die Anzahl derjenigen habe, denen man mit Grundnahrungsmitteln helfen könne.

Schon vor zwei Wochen hatte der UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon in der Washington Post auf [extern] The New Face Of Hunger aufmerksam gemacht. Der außergewöhnliche Preisanstieg bei den Nahrungsmitteln würde dazu führen, dass die "untere Milliarde" der Erdbevölkerung, die nach seinen Worten früher besser geschützt war, weniger Essen kaufen könnte, bzw. schlechteres Essen, weil das Geld nicht mehr reiche:


This is the new face of hunger, increasingly affecting communities that had previously been protected. Inevitably, it is the "bottom billion" who are hit hardest: people living on one dollar a day or less. When people are that poor, and inflation erodes their meager earnings, they generally do one of two things: They buy less food, or they buy cheaper, less nutritious food. The result is the same -- more hunger and less chance of a healthy future.

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Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27581/1.html

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