Bush auf einer Stufe mit Ahmadinedschad und Musharref
Florian Rötzer 20.06.2008
Nach einer internationalen Studie haben die Menschen weltweit kein Vertrauen in Bush, aber auch nicht wirklich in eine andere politische Führungspersönlichkeit
Nach einer
Umfrage von WorldPublicOpinion.org in 20 Ländern stellen die Menschen, was das Vertrauen betrifft, US-Präsident Bush ein schlechtes Zeugnis aus. Während dem iranischen Präsidenten Ahmadenidschad "nur" 52 Prozent oder dem pakistanischen Präsidenten Musharraf 54 Prozent kein Vertrauen bescheinigten, bildet Bush das Schlusslicht. Weltweit misstrauen ihm 67 Prozent aller Befragten. Nur in Indien und Nigeria erhielt er positive Bewertungen. In 16 der 20 Länder sagten die Menschen, sie hätten kein Vertrauen in Bush, nur Musharraf liegt da noch schlechter im Trend. In der Liste von 10 Politiker schneiden Putin oder Hu Jintao viel besser ab als Bush, dass UN-Generalsekretär Ban Ki-moon am meisten Vertrauen genießt, überrascht nicht, vielleicht aber insofern, als ihm die Menschen in 8 Ländern kein Vertrauen aussprechen.
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Für die Umfrage wurden 19.751 Menschen in 20 Ländern befragt, in denen 60 Prozent der Weltbevölkerung leben: China, Indien, USA, Indonesien, Nigeria, Russland, Mexico, Argentinien, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Aserbeidschan, Ukraine, Ägypten, Jordanien, Iran, Türkei, die palästinischen Gebiete, Südkorea und Thailand.
Allerdings unterscheiden sich die einzelnen Länder erheblich in den Bewertungen der Politiker. In den USA rangiert zwar der britische Premier Brown ganz oben, höher als selbst in Großbritannien, aber Bush sprechen doch auch an zweiter Stelle 42 Prozent das Vertrauen aus, vor Sarkozy oder Ban Ki-moon. Der persische Präsident ist hier mit 8 Prozent noch hinter Musharref abgeschlagen, ähnlich schlechte Werte hat er in Europa. Erstaunlicherweise schätzen die Nigerianer aber nicht nur Bush, sondern fast ebenso Ahmadenidschad.
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| Grafik: WorldPublicOpinion.org |
Im Iran ist das umgekehrt. Trotz aller Kritik vertrauen hier 76 Prozent ihrem Präsidenten, aber auch 72 Prozent dem Hisbollah-Chef Nasrallah, dann folgen der chinesische und der russische Präsident. In Jordanien liegt bei den Weltregierungschefs der iranische Präsident an erster Stelle mit 24 Prozent, Bush mit 6 Prozent an letzter Stelle. In Aserbeidschan kommt Bush nach Nigeria und Indien am besten an, sonst ist sein Ansehen im Mittleren Osten ganz unten, nur ein wenig besser steht es in Europa. Die asiatischen Länder sind gemäßigte Bush-Zweifler. In Argentinien trauen ihm nur 8 Prozent, in Mexiko immerhin 15 Prozent.
Der chinesische Präsident Hu Jintao genießt nicht nur mit erstaunlichen 92 Prozent in seinem Land ein hohes Vertrauen, auch in Südkorea, Iran, Aserbeidschan, Mexiko oder Ägypten ist er hoch angesehen. Auch Putin schneidet mit 80 Prozent in Russland erstaunlich gut ab, die Chinesen stehen da kaum nach. Auch in Iran, Südkorea, in der Ukraine oder Ägypten ist der frühere russische Präsident und jetzige Regierungsführer angesehen.
Der britische Regierungschef Sarkozy und der britische Premier sind weltweit einigermaßem angesehen, sie erzielen aber auch nur ein Vertrauen bei durchschnittlich 26 bzw. 30 Prozent. Bundeskanzlerin Merkel gilt nicht als global player und taucht nur bei den regionalen Regierungschefs in den europäischen Ländern auf. Die Franzosen schätzen sie offenbar über alles. 80 Prozent sprechen ihr das Vertrauen aus. Damit liegt sie vor Zapatero, Barroso, Ban Ki-moon und Sarkozy (44 Prozent). Bush liegt hier bei 8 Prozent. Auch die Briten schätzen Merkel, die an der Spitze mit 61 Prozent liegt, gefolgt von Ban Ki-moon, Brown, Barroso, Zapatero und Sarkozy. Bush liegt hier wie in Frankreich knapp vor dem iranischen Präsidenten auf dem vorletzten Platz. In Russland kommt Merkel immerhin nach Putin an zweiter Stelle. Auch in Spanien findet sich Merkel an erster Stelle, aber die Spanier sind insgesamt vorsichtig. Nur 45 Prozent äußern Vertrauen in sie. Bush liegt bei den Spaniern gleichauf mit Barroso mit 30 Prozent an dritter Stelle hinter dem UN-Generalsekretär.
Alles schön und gut. Die Menschen konnten jeweils nur aus einer vorgelegten Liste wählen. Möglicherweise gebe es ja Regierungschefs, die weltweit größeres Vertrauen als die ausgewählten genießen. Für Steven Krull, den Direktor von WorldPublicOpinion.org, hat das globale Misstrauen in Bush "ein Vakuum an einer globalen Führung" entstehen lassen, das kein anderer Regierungschef auffüllen konnte. Zwar seien Putin und Hu Jintao in manchen Ländern angesehen, aber diese seien zerstreut, es gebe kein "Potenzial für einen bedeutungsvollen Block". Die Zeit könnte aber auch vorbei sein, nach dem Kalten Krieg und dem kurzen "amerikanischen Zeitalter" haben wir wieder eine facettenreiche, dezentrale oder multizentrale Bühne betreten, die politisches Handeln sicherlich schwieriger macht, weil der Feind fehlt, zu dem nur vorübergehend und die Wirklichkeit verdeckend der islamistische Terrorismus gemacht werden konnte. Interessant wäre ja auch gewesen, nach dem Vertrauen in Bin Laden zu fragen, immerhin erzielte Nasrallah ja regional hohe Werte.
Als Außenseiter wurde nur der UN-Generalsekretär aufgenommen, der wohl weniger wegen seiner Politik und seiner Person als durch sein Amt ein etwas höheres Ansehen genießt. In der fragmentierten, aus labilen Koalitionen und Zuneigungen gestrickten Besetzung der Weltbühne ist freilich auch so etwas wie eine Weltregierung weit weg, aber wohl doch der Wunsch nach unabhängigen Instanzen groß, wenn auch gebrochen durch die jeweiligen nationalen Interessen. Und diese werden wieder einmal ein großes Gewicht spielen, zumal bei den neu-alten Weltmächten China und Russland, in denen die Menschen nationalistischer zu sein scheinen als in den westlichen Staaten.