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Der französische Berlusconi?

Nathalie Roller 04.11.2008

Sarkozy war nicht nur der Anwalt von Berlusconi, auch sonst haben die beiden Regierungschefs einiges gemeinsam

Knapp nach der Wahl Sarkozys im Mai 2007 erklärte Silvio Berlusconi in einem [extern] Interview, er habe gehört, dass manche Wähler sich nach einem italienischen Sarkozy sehnten, doch diese hätten ganz einfach nicht verstanden, dass Sarkozy, der französische Berlusconi, sei. Und dann bringt der um 20 Jahre ältere Italiener die Sache auf seinen Punkt: "Er (Sarkozy) ist auch mein Anwalt gewesen."

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Das war zu Zeiten des [extern] ersten kostenlosen französischen Privatsenders La Cinq, den Mitterand 1985 als Gegengewicht zum Staatsfernsehen ins Leben gerufen hatte. Dafür hatte der ehemalige sozialistische Staatspräsident den Medienzampano Berlusconi zur Hilfe geholt, der dann von 1985 bis 1992, dem Jahr der Liquidierung des Senders, dessen Vizegeneraldirektor war.

Nun ist der eine Staatspräsident, der andere italienischer Premier. Der gelernte französische Anwalt hat augenscheinlich Karriere gemacht. Beide Männer verstehen sich jedenfalls meisterhaft darauf, die Medienorgel zu ihren Gunsten zu bedienen. Mit dem kleinen Unterschied, dass der eine sie praktischerweise auch noch besitzt. Sarkozy, mag wohl der französische Berlusconi, sein, nur eben ohne die Milliarden, wie manche anmerken. Die Ähnlichkeiten im Führungsstil der beiden Männer, sind jedenfalls so auffallend, dass der französische Kommunikationswissenschafter Pierre Musso, es den "Sarkoberlusconismus", getauft hat. Das [extern] Buch mit dem gleichnamigen griffigen Titel ist letzten März erschienen. Laut Musso sei beiden Herren ein Hang zum "Bling-Bling", wie die französische Presse es nennt, gemein. Ein Hang zum Glitzern und Protzen, so wie z.B. die Cover taugliche Hochzeit mit dem singenden Ex-Topmodell Carla Bruni oder die reichlich medial exponierten [extern] Siegesfeiern mit den reichen Freunden in Pariser Nobelrestaurants.

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In Frankreich wurde dieses neureiche Gebaren, vor allem in Zeiten sinkender Kaufkraft, nicht lange hingenommen. Bereits ein Jahr nach seiner Wahl war Sarkozys Popularität laut Meinungsumfragen im Sturzflug. Offenbar hat "Sarko", aber daraus gelernt. Man bekommt jetzt nur noch den Staatsmann zu sehen, EU-Vorsitz und Finanzkrise kommen gerade recht. Carla und das turbulente Privatleben verschwinden zunehmend aus den Schlagzeilen. Die Meinungsumfragen deuten nun wieder auf eine günstigere Stimmungslage hin.

"Sarko", und "Berlu" seien, so Musso, vor allem bestimmte politische Tendenzen gemein: So ein um das Mittelmeer basiertes europäisches liberales Modell, das einen "Bruch" mit dem alten politischen System ansagt. Beide versuchten den Staat, quasi im Alleingang, wie ein Unternehmen zu führen. Sarkozy, hatte seine Präsidentschaftskampagne auf diesen "Bruch" (rupture) aufgebaut. Diese Versprechungen zu einem Neuaufbruch scheinen in Italien letzten April ebenfalls gefruchtet zu haben. Nur seltsam, dass beide Männer ja bereits die Gelegenheit dazu hatten: Sarkozy, als Wirtschafts- und Innenminister, Berlusconi als mehrmaliger Ministerpräsident.

Eine weitere Gemeinsamkeit der beiden sei, dass der Wert der "Arbeit" besonders hervorgehoben würde. Bei Sarkozy heißt es dann gebetsmühlenartig "Mehr Arbeiten, um mehr zu verdienen" (travailler plus pour gagner plus). Des weiteren vertreten die beiden Politiker, laut dem Kommunikationswissenschaftler, einen stark von Protektionismus geprägten Liberalismus, der sich auf katholische Werte berufe. In letzter Zeit hat Sarkozy, ja schon des öfter verkündet, dass es in Zeiten der Finanzkrise gelte, die Märkte zu "moralisieren".

Wie soll es nun mit dem "Sarkoberlusconismus" weitergehen? Sarkozy, strebt ein zweites Präsidentschaftsmandat an. Berlusconi, will 2013 Staatspräsident werden. Letzten Samstag http://www.liberation.fr/monde/0101164888-mobilisation-massive-a-rome-contre-berlusconi haben allerdings in Rom 2,5 Millionen Italiener gegen die Politik der Regierung Berlusconi, demonstriert. Und wie man weiß, hat das französische Volk noch nie davor gescheut, seinem Unmut freien Lauf zu lassen. Ist es also nur eine Frage der Zeit?

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