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Das Golfkriegs-Syndrom wird teuer

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Das Golfkriegssyndrom als Nebenwirkung

Peter Mühlbauer 21.11.2008

Ein Expertenbericht für den US-Kongress kommt zum Ergebnis, dass die mysteriösen Beschwerden von US-Veteranen wahrscheinlich auf präventiv eingesetzte Medikamente und Pestizide zurückzuführen sind

Ob es das Golfkriegssyndrom gibt und was ihm zugrunde liegt, darüber werden seit 1994 erbitterte Glaubenskämpfe ausgefochten. Erschwert wurde die Fassbarkeit des Problems unter anderem durch die Vielfalt der Beschwerden, die Bewegungs- und Muskelschmerzen, [extern] Seh-, Orientierungs- und Gedächtnisstörungen, Lähmungserscheinungen, Müdigkeits- und Erschöpfungszustände, Niedergeschlagenheit und andere emotionalen Probleme, Schwindelgefühle, Kopfschmerzen, Durchfall und Erbrechen ebenso umfasst wie Haarausfall.

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Ähnlich zahlreich wie die Symptome waren die Erklärungsversuche: Sie reichten von [local] uranhaltiger Munition, dem Flugzeugtreibstoff [extern]  JP-8, [local] brennenden Ölfeldern, [local] angeblichen Spuren von irakischem Giftgas, [extern] überhitztem Cola-Light-Süßstoff und [local] posttraumatischen Belastungsstörungen bis hin zur Unterstellung von Betrug, mit dem US-Soldaten an staatliche Leistungen zu kommen versuchten. Weil sich im Laufe der Zeit ein Viertel der etwa 697.000 Soldaten im Zweiten Golfkrieg eingesetzten US-Soldaten über solche Leiden beschwerte, galt auch eine [local] Massenhysterie lange als probate Erklärung.

In einem vom US-Kongress in Auftrag gegebenen und diese Woche veröffentlichten 452 Seiten umfassenden [extern] Bericht versuchte ein vierzehnköpfiges "Research Advisory Committee on Gulf War Veterans' Illnesses" Ordnung in den Dschungel der bisher erschienenen Studien zu bringen und objektive Kriterien für die Krankheit und ihre Ursachen zu finden.

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Dabei kam das Expertenteam zu dem Ergebnis, dass das Golfkriegs-Syndrom "echt" ist und dass zwei der vielen Erklärungsversuche als die "stärksten und schlüssigsten" erscheinen: Der dauerhafte Einsatz von Pestiziden, die Nervengifte enthielten (und mit denen unter anderem Zelte und Uniformen behandelt wurden), sowie der von [extern] Pyridostigminbromid (PB) enthaltenden Medikamente, die präventiv verabreicht wurden, um vor feindlichen Kampfstoffen zu schützen.

Bei beiden Stoffen stellten die Autoren signifikante Zusammenhänge zwischen dem Aussetzungsgrad und dem Auftreten von Symptomen fest. Hinsichtlich psychischer Belastungen ließen sich solche Verbindungen dagegen nicht herstellen. Sowohl PB-Pillen als auch die damals verwendeten Pestizide werden bei den US-Streitkräften angeblich seit längerem nicht mehr eingesetzt – was erklären würde, dass es dieses Phänomen bei Veteranen der Kriege in Afghanistan und im Irak nicht gibt.

Ein weiteres Ergebnis des Berichts ist, dass bisher kein wirksames Mittel gegen die Vergiftungserscheinungen bekannt ist. Die Experten raten deshalb dringend dazu, die seit 2001 stark gekürzten Forschungsaufwendungen zum Golfkriegssyndrom um mindestens 60 Millionen Dollar zu erhöhen, damit neue Therapiemöglichkeiten gefunden werden können.

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Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29191/1.html

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