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Digitale Infantilisierung greift den präfrontalen Cortex an

Florian Rötzer 25.05.2009

Medien und Web 2.0-Seiten verformen unsere Gehirne, sagt eine anerkannte britische Neurowissenschaftlerin, Belege dafür hat sie nicht

[extern] Baroness Susan Greenfield, Professorin für Physiologie, Neurowissenschaftlerin und Direktorin der [extern] Royal Institution, eine wichtige Organisation, die wissenschaftliche Ausbildung und Forschung fördert, hatte wieder einmal Interessantes darüber zu berichten, wie Computer die Hirne der Menschen verformen. Eigentlich ein interessantes Thema, das aber gerne auch von kaum neurowissenschaftlich belegbaren Spekulationen irgendwie medienkritischer Experten diskreditiert wird.

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Greenfield, geb. 1950, gilt als eine der angesehensten Wissenschaftlerinnen Großbritanniens. Aber sie hat wohl ein wenig überzogene Vorstellungen, wie Medien die Menschen beeinflussen. So [extern] warnte sie vor kurzem, dass Web 2.0-Seiten wie Facebook oder Twitter die Menschen infantilisieren. Sie würden die Aufmerksamkeit verkürzen, Identitätsbildung gefährden, Empathie verhindern und die Ausrichtung auf das Sensationelle fördern.

Die wachsende Zahl der Kinder, die unter Aufmerksamkeitsstörungen leiden, führt sie auf das "fast totale Eintauchen unserer Kultur in Bildschirmtechnologien" zurück. Und weil man jedes Computerspiel immer wieder spielen könne, es hier keine Irreversibilität gebe, verlieren sich die Menschen im Augenblicklichen, während die Wahrnehmung der Folgen von Handlungen verkümmert. Da sich die Kinder und Jugendlichen ständig in virtuellen Welten aufhalten, werde sich auch deren Gehirn verändern und den neuen Erfordernissen anpassen. Belege dafür hat sie aber keine, wie sie selbst [extern] einräumt. Macht aber nichts.

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Ihre Thesen von der Infantilisierung durch die Bildschirmkultur hat sie nun erneut dem Wissenschaftsausschuss des House of Lords vorgetragen, wie die Daily Mail [extern] berichtete. Dieses Mal ging es darum, warum Computer, das Internet und Soziale Netzwerk-Websiten die Fettleibigkeit fördern.

Zur Illustration der Unterschiedes zwischen dem Handeln in der realen und der virtuellen Welt erklärte sie so, dass ein Kind, dass in der realen Welt beim Klettern von einem Baum fällt, schnell lernt, denselben Fehler nicht erneut zu machen, während ein Kind, das einen Fehler in einem Computerspiel macht, einfach weiter spielt, weil die Folgen von Risiken hier keine Rolle spielen. Nun ja, man könnte auch sagen, dass das Kind, das nach einem Fehler nicht noch einmal versucht, auf den Baum zu klettern oder das Spiel zu bewältigen, frustrationsintolerant sei und nur ein neues Scheitern durch Vermeiden umgehe. Für Greenfield ist der Vergleich ein Beleg dafür, warum die Menschen jetzt so viel und zu viel Falsches essen und deswegen fettleibig werden.

Die digitale Infantilisierung bedrohe vor allem den präfrontalen Kortex, in dem Empathie, Fantasie und Aufmerksamkeit ihren Sitz haben. Würden die entsprechenden Gehirnareale nicht ausreichend aktiviert, bilden sich auch die Fähigkeit nicht richtig aus: "You use it or you lose it." Wenn der präfrontale Kortex weniger aktiv sei, würden die Menschen mehr Risiken eingehen und rücksichtsloser werden. Das hätten Untersuchungen gezeigt. Und da bei Menschen mit wachsender Fettleibigkeit der präfrontale Kortex immer weniger aktiv sei, könne, so stellt die Neurowissenschaftlerin ziemlich spekulativ den Zusammenhang her, die Bildschirmkultur die Unterforderung dieses Gehirnteils fördern.

Das sei allerdings nur eine Vermutung, beteuert sie gleich wieder. Allerdings würde sie keine Beschränkung der Computernutzung befürworten. Ein Verbot mache die Sache nur interessant. Man müsse aber besser erforschen, warum der Computer so süchtig mache. Im Alter von 10 und 11 Jahren würden die Kinder in Großbritannien 900 Stunden im Jahr in der Schule verbringen, 1300 Stunden mit ihrer Familie und 2000 Stunden vor dem Bildschirm. Das sei auf jeden Fall besorgniserregend.

Tatsächlich rutscht damit das Leben in der Nahumgebung, in der man sich mit seinem Körper befindet, in den Hintergrund, die Menschen sind hier und dort zugleich. Man könnte das möglicherweise weniger apokalyptisch auch mit dem Schritt vergleichen, mit dem die Menschen aus den Dörfern und vom Land in die künstlichen Wirklichkeiten der Städte gezogen sind und weiter ziehen. Auch die Stadtkultur, die ähnlich beschrieben wurde wie jetzt die virtuellen Welten und die Bildschirmkultur, hat die Gehirne und das Leben verändert.

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