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Der zwitschernde Tyrann

David Sowka 11.06.2009

Als ich für einige Tage das Sprachrohr der nordkoreanischen Propaganda Agentur KCNA wurde

Aus Jux und Tollerei habe ich mir einen [extern] Twitter-Account mit dem Namen der einzigen nordkoreanischen Presseagentur ([extern] KCNA) zugelegt. Zusätzlich ließ ich mit den Online-Diensten [extern] Tweetbots bzw. [extern] Twitterfeed und [extern] Feedity aktuelle Nachrichten von der offiziellen [extern] nordkoreanischen Agenturseite einfließen. Ohne mein Zutun haben die Services den Twitter-Account mit frischer Propaganda aus Pjöngjang gefüttert.

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Die Follower-Anzahl war anfangs überschaubar, doch als die Nordkoreaner Ende Mai 2009 begannen, Atombomben und Raketen zu testen, erfuhr mein Account plötzlich regen Zulauf. Ohne viel nachzudenken, hat der Asien-Korrespondent der überregionalen kanadischen Zeitung The Globe and Mail, [extern] Mark MacKinnon, einen Artikel über die neue Twitter-Seite von KCNA geschrieben. Unter dem Titel [extern] "The tyrant who tweets: following the hermit king" veröffentlichte der Journalist einen spöttischen Text und kommt zum Resümee: "New medium, old messages."

Im asiatischen Raum fand die Twitter-Revolution in Nordkorea größeren Anklang. So berichteten [extern] "The Daily NK", ein online-Informationsportal über Nordkorea, welches sich für Menschenrechte und Demokratie einsetzt, und die chinesischen News-Seiten [extern] Sina.com, [extern] stnn.cc und [extern] cnii.com.cn sowie das russische Portal [extern] iToday über meinen Account. Die chinesische Wikipedia verlinkt bei der Erläuterung der nordkoreanischen Nachrichtenagentur u.a. auch auf die [extern] Twitter-Seite.

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Der Hype um den angeblich offiziellen Twitter-Account wurde zusätzlich durch eine Meldung in den nordkoreanischen Medien angeheizt. Am 21. Mai 2009 kündigten die staatlich kontrollierten Zeitungen an, dass eine für Handys optimierte Webseite [extern] erstellt wurde.

Anstatt den originalen Artikel zu lesen, welcher die URL der besagten Seite bekannt gab, verließen sich einige Redakteure anscheinend auf eine AFP-Agenturmeldung, die zwar von der Homepage berichtete, aber keine Web-Adresse [extern] nannte. Dadurch entstand ein Artikel auf dem Portal [extern] "Telecoms Korea", welcher den Leser vermuten lässt, dass die Nordkoreaner meinen Twitter-Account meinten:


Uriminzokkiri, an official Web site run by North Korea, said that "Ryomyong," [...] has launched a "Web page for mobile phones." The mobile site carries major news from the Korea Central News Agency (KCNA) and other content concerning major developments in the country, it said, without disclosing the Web address or whether it was accessible domestically or abroad....

In light of the announcement, some experts in the South speculate that the Web page in question may in fact be a recently opened Twitter account page found at http:/ twitter.com/kcna_dprk.

The micro-blogging site [...] is a widely used platform by media outlets such as CNN to send out real-time news. It can be accessed by smartphones ...

"I think it is highly likely as it is very easy to open up a so-called 'Web version' of any site rather than build up a separate one from scratch which often costs money," an industry insider in Seoul said.

An official at the Unification Ministry confirmed that Web page links posted on the Twitter account connected users to the corresponding story in KCNA's Web page. All North Korean-run Web sites are blocked in the South and can only be accessed through special government authorization.

Natürlich berichteten danach auch etliche Blogs über die nordkoreanische Twitter-Revolution, unter anderem auch der Reporter [extern] Peter Walker von der britischen Tageszeitung The Guardian.

Grund genug mich wieder einmal in den Twitter-Account einzuloggen und mal schauen, ob mir jemand eine direkte Nachricht geschrieben hat.

In meinem Postfach waren 24 Nachrichten. Ein Großteil davon war Spam, aber ab und zu schlichen sich auch interessante Messages ein. So wollte der kanadische Journalist Mark MacKinnon wissen, wie die Stimmung bei uns in Pjöngjang ist (very good), und die unabhängige Nachrichtenagentur "Mathaba" aus Kanada schickte mir "revolutionäre Grüße".

Nur ein Journalist des Forbes Magazin kam auf die glorreiche Idee, die "Korean Central News Agency of Democratic People's Republic of Korea" zu [extern] kontaktieren und nachzufragen, ob sie hinter dem Twitter-Account stecken...

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Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30517/1.html

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Kommentare lesen (13 Beiträge)
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