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Zweifel am Ausmaß des "Global Downturn"

Rainer Sommer 10.07.2009

Der anhaltende Anstieg der in Mauna Loa gemessenen CO2-Werte widerspricht den ökonomischen Konjunkturstatistiken

Inzwischen herrscht weitgehende Einigkeit, dass es sich bei der aktuellen Wirtschaftskrise um den stärksten Einbruch seit der "Großen Depression" der 1930er Jahre handelt. So stellten die US-Ökonomen Barry Eichengreen und Kevin H. O'Rourke (im Folgenden kurz "ER" genannt) am 6. Juni einen umfangreichen [extern] globalen Vergleich makroökonomischer Daten ins Netz, demzufolge der aktuelle Einbruch der globalen Industrieproduktion bislang ebenso stark ausgefallen sein dürfte, wie in der ersten Phase der "Great Depression".

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Grafik: Eichengreen/O'Rourke 2009

Noch stärker als damals scheint der Welthandel zurückgegangen zu sein, während in praktisch allen von ER untersuchten weiteren Kategorien und Ländern die entsprechenden Rückgänge mindestens ebenso stark ausfielen wie in den 1930er Jahren, etwa die Industrieproduktion in den USA und Deutschland. In einigen Industrieländern wie Italien, Frankreich oder Japan dürfte die industrielle Produktion zuletzt aber sogar noch schwerer eingebrochen sein als während der "Großen Depression".

Grafik: Eichengreen/O'Rourke 2009

Inzwischen haben sich die Aktienkurse von ihren Tiefstständen zwar wieder ein wenig erholt, und auch Welthandel und Güterproduktion dürften sich den Statistiken zufolge auf niedrigem Niveau stabilisiert haben. Allerdings sei dies laut ER bisher in weit geringerem Ausmaß erfolgt, als in den ersten Phasen der "Großen Depression.

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Während die Ökonomen nun weltweit also darüber rätseln, wie stark das globale Sozialprodukt nun tatsächlich eingebrochen ist und wie es nun weitergehen könne, herrscht keinerlei Zweifel daran, dass dieser Einbruch weltweit fast gleichzeitig und jedenfalls weit stärker ausgefallen sei, als in allen Wirtschaftskrisen seit dem 2. Weltkrieg. So erwartet die OECD für 2009 nun einen Rückgang der globalen Wirtschaftsleistung von 2,2 Prozent, während im März noch von einem Minus von 2,75 Prozent die Rede war. Aber schon im kommenden Jahr sollte vor allem dank der weltweit aufgelegten Konjunkturprogramme bereits wieder eine positive Wachstumsrate von 2,3 Prozent erreicht werden, wie die OECD-Experten meinen.

So drastisch der Rückgang der Weltproduktion nun aber auch ausgefallen sein mag, ein durchaus verlässlicher Indikator für die globale Konjunktur, zeigt bislang dennoch keine Reaktion: Die in [extern] Mauna Loa, Hawaii, gemessene atmosphärische Kohlendioxidkonzentration. Wie die saisonal bereinigten Daten zeigen, reagiert dieser Wert sehr unmittelbar auf die industrielle Konjunktur, so dass sich alle Wirtschaftskrisen, die aufgetreten sind seit dieser Wert erhoben wird, sehr direkt und fast unmittelbar in der gemessenen Kohlendioxidkonzentration niederschlagen haben.

Grafik: NOAA (Bild vergrößern)

Immerhin hatten sowohl die Asienkrise von 1997 als auch der Konjunktureinbruch nach dem New-Economy-Boom am Anfang dieses Jahrzehnts in dieser Statistik sofort deutliche Spuren hinterlassen. Dieser Indikator hat zudem den Vorteil, nicht auf die aggregierten Datensätze der lokalen Statistikbehörden aufzubauen, sondern die offiziell gemessene globale Produktion anscheinend mit überraschend kurzer Verzögerung abzubilden.

Freilich sorgen die atmosphärischen Verhältnisse und der sich durchaus ändernde Energiebedarf je statistischer Outputeinheit der Weltproduktion zwangsläufig für Unschärfen, doch müssten derartige oft gegensätzlichen Abweichungen alle in die selbe Richtung gegangen sein und die bisher beobachteten Wirkungszusammenhänge bei weitem übertreffen um die jeweiligen Ergebnissein Einklang zu bringen.

Grafik: NOAA (Bild vergrößern)

Jedenfalls zeigt der Chart von Mauna Loa bei jedem Konjunktureinbruch der letzten 50 Jahre schon mit freiem Auge auch ein Abflachen der C02-Dynamik, was diesmal offenbar nicht der Fall ist.

Dafür mangelt es derzeit zwar noch an schlüssigen Erklärungen, vermuten lässt sich indes, dass dies mit einer real nach wie vor steigender Produktion in großen Schwellenländern wie China, Brasilien und Indien zusammenhängen könnte, wo einerseits besonders C02-intensive Produktionen beheimatet sind, der Einbruch aber vielleicht auch weniger stark ausgefallen sein könnte, als gemeinhin angenommen.

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