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Die Zukunft für uns heute ist nur noch Bedrohung

Thomas Pany 10.09.2009

Der Historiker Philipp Blom über die Arbeitserleichterung für Schriftsteller durch Google-Books, Utopien und Einwanderung

Eines der wichtigsten Sachbücher der letzten Jahre war Philipp Bloms [extern] "Der taumelnde Kontinent. Europa 1900-1914". In ihm zeichnet der Autor ein ausgesprochen lebendiges Bild der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, das sich sowohl in den betrachteten Details sowie in der prismatischen Darstellung der Abläufe angenehm von traditionellen Geschichtsbüchern abhebt. Wir fragten [extern] Philipp Blom danach, unter welchen Bedingungen ein solches Buch entstanden ist und welche auch uns heute angehende Fragen darin sichtbar werden.

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Wie lange haben Sie denn an dem Buch gearbeitet?

Philipp Blom: Das ist natürlich eine schwierige Frage, denn die tatsächliche Schreibe- und Arbeitszeit waren knapp drei Jahre, aber es hängen darin natürlich Jahre und Jahrzehnte von Interesse und Aufmerksamkeit.

Haben Ihnen neue Technologien wie etwa das Internet bei der Recherche geholfen?

Philipp Blom: Enorm, natürlich. Ich hab sehr ausgiebige Zeitungsrecherchen gemacht, also Zeitungen aus der Zeit ausgewertet, um nicht zu sagen: komplett nachgelesen. Und davon habe ich einen großen Teil über das Internet gemacht, weil es inzwischen viele Bibliotheken gibt, die ganze Zeitungsjahrgänge eingescannt haben, in denen man dann ganz gezielt von Tag zu Tag suchen kann. Man findet inzwischen auch viele Bücher, gerade solche, deren Copyright abgelaufen ist.

Was halten Sie vom Google Books-Projekt?

Philipp Blom: Für mich persönlich ist das ein Segen. Ich sehe, dass es da potentiell Probleme gibt, und man kollidiert ja auch immer mit dieser einzigartig deutschen Obsession mit dem Datenschutz, aber für mich persönlich ist es ein Segen. Ich würde für mein Buch fünf Jahre brauchen, wenn ich für jede Information, die ich haben will, in eine Bibliothek gehen müsste.

Also eine Arbeitserleichterung?

Philipp Blom: Inzwischen ist es das. Noch vor fünf Jahren hat man wenig Informationen guter Qualität im Internet gefunden. Inzwischen ist es so, dass wichtige Werke von akademischem und anderem Rang, Werke mit hohem Standard, darin eingescannt und durchsuchbar aufzufinden sind. Und natürlich ist das eine riesige Erleichterung, zumal ich auch gerne zu Tageszeiten arbeite, zu denen Bibliotheken nicht offen sind. Mir dann jedes Mal Listen schreiben zu müssen, mit Büchern, in die ich noch reinsehen muss. Dann muss ich diese Bücher bestellen und am nächsten oder übernächsten Tag abholen. Das ist natürlich alles schwierig, ich bin sehr dankbar für diese Entwicklung.

Ist denn auch die Zusammenarbeit mit anderen Kollegen leichter durch so eine Entwicklung?

Philipp Blom: Dafür ist es eigentlich nicht so wichtig. Wichtiger sind da scholarly journals, die man über Datenbanken durchsehen und nach Schlagworten durchsuchen kann. Damit spart man sich natürlich effektiv wahnsinnig viel Zeit, weil man das sonst ja gar nicht finden könnte.

Fulminant in ihrem Buch ist ja die neue Art der Darstellung, ich nenne sie mal prismatisch. Ich habe bei einem amerikanischen Buchwissenschaftler gelesen, dass es mit neuen Technologien möglich sei - gerade in den Geschichtswissenschaften - komplexe Sachverhalte anders darzustellen, indem man über Links eine ganz andere Hierarchie des Stoffes darstellen kann.

Philipp Blom: Ich glaube Jein. Für die Informationsfindung sind Links natürlich sehr wichtig und interessant, auch als Leseprogramm. Aber im Grunde wollen wir uns alle Geschichten erzählen lassen, und wir brauchen den Fluss einer Geschichte und die Autorität eines guten Erzählers. Das bekommt man nicht, indem man Links setzt. Deswegen funktionieren auch Romane mit 15 alternativen Enden, die sich der Leser selbst aussuchen kann, nicht. Wir suchen ja gerade nach dem autoritären Fluss einer Geschichte. Geschichten erzählen ist nicht nur etwas Altmodisches, es ist so alt wie die Menschheit, und deshalb glaube ich nicht, dass das Internet daran etwas ändern wird.

Wir treten Wasser in einer hedonistischen Gegenwart

Stichwort Komplexität: Ich finde es bemerkenswert, dass einem die Welt von 1900 bis 1914, so wie Sie sie schildern, in manchen Dingen sehr nahe steht. Also dass sich die Menschen im Umbruch empfunden haben und es schwierig war, die neuen Erfahrungen in alte Muster einzuordnen. Jetzt ist der Vergleich eigentlich immer da. Was würden Sie denn sagen, was wäre der markanteste Unterschied zu heutzutage?

Philipp Blom: Erstmal darf man dieses Vergleichen, weil es nun zufällig 100 Jahre her ist, nicht übertreiben. Sachen wiederholen sich nicht. Aber es ist wohl tatsächlich so, dass damals schon viel von unserer Zeit angelegt war, dass man eben auch viel darin wiederfindet. Aber für mich gibt es einen ganz wichtigen Vergleich - und das ist auch ein wichtiger Kritikpunkt an unserer eigenen Zeit: Diese Jahre um 1900 waren nicht nur eine Zeit voller Unsicherheit, sondern auch voller Zukunft; eine Zeit voller Utopien, voller Hoffnungen, voller Versuche, die Zukunft zu gestalten. Wir haben inzwischen gesehen, wie die meisten dieser Versuche in der Zwischenzeit tragisch an die Wand gefahren wurden. Aber es bedeutet auch, dass die Zukunft für uns heute nur noch Bedrohung ist.

Zukunft ist Verschlechterung, Zukunft ist Klimaerwärmung, Zukunft ist Zusammenbruch von Gesundheitssystemen, Zukunft ist Überfremdung, Zukunft ist, was auch immer Sie da reinsetzen wollen. Zukunft ist nie etwas Gutes. Es gibt keinen Politiker, der uns sagt: Ich möchte, dass Europa in 50 Jahren so oder so aussieht. Eine Gesellschaft ganz ohne Zukunftshoffnung und ganz ohne Vorstellungen für die Zukunft hat es sehr schwer, voranzugehen. Und deswegen treten wir Wasser in einer hedonistischen Gegenwart. Das ist etwas, worüber wir sehr stark nachdenken müssen. Weg von meinem Buch, aber ich glaube, dass diese für uns sehr wichtige Rolle die Immigranten in Europa übernehmen werden. Die werden uns dazu zwingen, unsere Werte neu zu definieren.


Utopien

Auch heutzutage ist aber immer wieder von Utopien die Rede. Worin sehen Sie einen marakanten Unterschied zu den Utopieentwürfen vor hundert Jahren, waren sie, da sie reichhaltiger vorkamen, auch ausgefeilter, präziser, konkreter formuliert als heute?

Philipp Blom: Überhaupt nicht. Das waren zum Teil ganz wilde Träume. Heute, wenn jemand wagt, Utopist zu sein, dann heißt er Barack Obama, und verbindet das mit einer ausgesprochen pragmatischen Politik. In Europa gibt es keine Utopisten, die ich kenne. Zumindest keine, die nicht ab und zu mal ein Buch schreiben, sondern tatsächlich auch öffentlich wirksam sind. Damals gab es von den "wissenschaftlichen Systemen" wie dem Sozialismus bis hin zu den ganz obskuren - Nudisten, Nusskotelettesser und rassische Mystiker - eigentlich alles, und das waren natürlich ganz wilde Träume. Aber letztlich kann man sich eine Zukunftsvision natürlich nicht ausfeilen bis ins Detail, weil die Welt ist einfach zu komplex, als dass man so ein System dann durchziehen könnte.

Aber Sie glauben, damals war ein besserer Nährboden für Utopien da als heute?

Philipp Blom: Sicher. Es war sicherlich mehr Hoffnung da. Es war klar, dass die Welt sich veränderte. Es gab aber noch die Idee, dass man diese Veränderung sinnvoll gestalten könnte.

Sind die Ängste anders geworden?

Philipp Blom: Ich weiß nicht, ob sie anders geworden sind. Es gibt sicherlich immer noch - wahrscheinlich auch wieder - eine Angst, die damit zu tun hat, dass sich die Welt so schnell verändert; dass man eben nicht genau weiß, wo Dinge hinsteuern, wie die Welt in 50 Jahren aussehen wird. Aber ich glaube, gerade bei den Rollenmodellen und sexuellen Identitäten sind wir inzwischen eher daran gewöhnt, dass die unsicher und fließend sind. Durch das Internet sind sie natürlich noch mal ein Stück unsicherer und fließender geworden, da kann sich jeder die Identität zulegen, die er will. Ich kann mich dort als ausgesprochen attraktive 20-Jährige ausgeben und lange Flirts mit Menschen haben, die nichts ahnen oder vielleicht auch eine andere Identität haben. Aber das darf man nicht überbewerten. Wir sind diese Unsicherheit mehr gewöhnt, aber sie besteht trotzdem noch.

Das Virtuelle

Es ist aber schon ein sehr großer Unterschied zu damals, dass das Virtuelle eine sehr viel größere Rolle spielt.

Philipp Blom: Das fing aber damals schon an. Es gab Kinofilme, die von zehn Millionen Menschen zur gleichen Zeit gesehen wurden. Da sind also Menschen für ein paar Stunden in eine virtuelle Welt eingetaucht, die sie teilten. Das ist ja etwas, was man mit dem Internet insofern vergleichen kann, dass da Distanzen abgebrochen werden; dass man gemeinsam etwas erlebt, was sich irgendwo ganz anders auf der Welt abspielt, aber zur gleichen Zeit. Da wird eine Art Erlebnisgemeinschaft gegründet. Insofern glaube ich schon, dass es angefangen hat. Aber natürlich ist es bei uns stärker geworden.

Körperkult

Wenn jemand aus der Zeit damals heute in ein Freibad gehen, würde der dann andere Körper wahrnehmen als damals?

Philipp Blom: Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich ja, aber aus einem unerwarteten Grund. Vor 100 Jahren hätte er in einem Schwimmbad, je nachdem, in welches Schwimmbad er gegangen wäre, eher Menschen aus der selben Klasse gefunden, und deswegen auch eher eine Typengruppe von Körpern, denn die gibt es ja. Abgesehen von solchen Sachen wie Tätowierungen sind ja auch heute viel mehr sozial schwache als wohlhabende Menschen dick. Das war damals nicht nur so, aber es gab natürlich auch solche Dinge, die das unterschieden haben - das hat mit der Körperpflege zu tun und mit langen Haaren. Es gab wahrscheinlich eine stärkere soziale Trennung bei den Schwimmbädern, die man natürlich so nicht mehr findet. Das wäre wahrscheinlich so, als würde man heute entweder in den Swimming Pool eines relativ teuren Fitnessclubs oder in ein öffentliches Freibad gehen - da würde man vielleicht einen ähnlichen Unterschied finden.

Dann muss man aber natürlich sagen, dass der Körperkult heute noch obsessiver geworden ist, zumal natürlich auch die Werbung einen viel stärkeren Zugriff auf uns hat. Sieht man sich die Werbung der damaligen Zeit an, dann waren die Rollenmodelle, die damals präsentiert wurden, nicht alle erst 20 und durchtrainiert. Gerade Männer waren meistens im mittleren, gesetzten Alter, und es gab durchaus auch reifere Frauen, die als Models vorgestellt wurden. Da haben wir uns natürlich verengt, und zwar auf eine Weise, die das Unglück bei uns einprogrammiert hat. Wenn man jung ist, hat man erstens keine Zeit und zweitens kein Geld, so auszusehen. Und wenn man nicht mehr jung ist, dann ist man eben nicht mehr jung.


Klassenwahrnehmung

Ist es denn so, dass die Menschen damals von anderen Klassen ein besseres Bild und mehr Umgang mit ihnen hatten? Heute kennt man Menschen aus verschiedenen Schichten durch Fußgängerzonen, Supermärkte und Reisen, aber meist aus den Massenmedien. Glauben Sie, dass man damals ein stärkeres Gegenüber hatte als heute?

Philipp Blom: Schwierig zu sagen. Ich glaube eher, dass der Kontakt begrenzter war. Vor allem war er aber noch hierarchischer. Diese Hierarchien begannen zwar bereits, sich aufzulösen, aber Mittelklassefamilien hatten ein Dienstmädchen. Und das war dann auch der einzige Kontakt, den man mit der Arbeiterklasse hatte, wenn man nicht Handwerker im Haus hatte. Aber was damals als sozial angemessen gesehen wurde, da ist unser Verständnis von Gesellschaft ein ganz anderes geworden.

Zur Zukunft Europas

Wie könnte Europas Zukunft aussehen? Der Künstler und Ästhetikprofessor [extern] Bazon Brock spricht[1] davon, dass wir uns musealisieren sollten..

Philipp Blom: Wenn man sich ansieht, mit welchem Fetischismus wir diese Lichter unserer Vergangenheit behandeln, wie sehr wir eben unsere Verzagtheit der Zukunft gegenüber mit einem absoluten Götzendienst an den - natürlich großen - Zeugnissen unserer Vergangenheit verbinden...

Sie können mich jetzt als Konservativen verschreien, aber ich muss mir das natürlich auch selbst an die Tür schreiben. Obwohl wir eine viel dichtere Bevölkerung haben als im vergangenen Jahrhundert haben wir nicht auch zehn Mal mehr Genies, oder zehn Mal mehr Menschen, die uns mit großer Kunst erfreuen. Das liegt natürlich auch daran, dass diese künstlerischen Sprachen sehr ausgereizt sind, aber das ist nicht die ganze Erklärung. Wir haben uns bereits musealisiert, und damit machen wir uns irrelevant. Ich glaube, dass das wirklich verheerend ist.

Stellen Sie sich vor, Frank Gehry würde in seiner Großzügigkeit anbieten, für die Kathedrale von Chartre oder von Notre-Dame oder den Kölner Dom eine neue Fassade aus Stahl und Glas zu spenden - das Alte abzuhauen und da jetzt eine moderne Fassade hinzustellen. Sie lachen, aber das war im Barock ganz normal. Man hat romanische und gothische Kirchen barockisiert und hat die Statuen, die man dabei runtergehauen hat, nicht ins Museum gestellt sondern auf den Müll geworfen. Das ist für uns heute barbarisch, aber ich glaube, das war einfach ein Zeichen dafür, dass diese Objekte und Gebäude als Teil einer lebenden Kultur wahrgenommen wurden. Und eine lebende Kultur entwickelt sich weiter und verändert sich.

Für uns heute ist diese Epoche eigentlich abgeschlossen, und deswegen verändert sie sich nicht mehr, darf sich nicht mehr verändern, sondern sie muss konserviert werden, der letzte Stein muss festbetoniert werden. Ich glaube nicht, dass die Lösung darin liegt, Kathedralen abzureißen und shopping malls stattdessen hinzustellen. Aber ich glaube, man muss sich der Problematik der Tatsache bewusst sein, dass wir die erste Kultur der Welt sind, die alte Dinge verehrt, nur weil sie alt sind. Eine Kultur, für die ein Holzlöffel aus dem 16. Jahrhundert einen Wert hat, weil er aus dem 16. Jahrhundert kommt, nicht weil er ein Holzlöffel ist. Wenn wir uns also tatsächlich musealisieren, dann verlieren wir - außer für Touristen - jegliche Relevanz in der Welt. Ich glaube ganz im Gegenteil, dass wir den gewollten und ungewollten Kontakt mit anderen Kulturen dazu nutzen müssen, in unserer eigenen wieder Relevanz zu entdecken, sei es ethisch oder ästhetisch.


Neue Impulse

Sie hatten vorhin bereits angedeutet, dass Europa vielleicht von den Immigranten neue Impulse bekommt. Wo könnten denn ansonsten neue Impulse herkommen, damit Europa weiter gestaltend relevant bleibt?

Philipp Blom: Dazu zwei Dinge. Erstens: Wir sind ein reicher Kontinent. Und wir haben Gesellschaften, die im internationalen Vergleich ausgesprochen gut funktionieren. Da gibt es enorm viele Probleme, die man angehen muss, aber eigentlich gehören sie zu den bestfunktionierenden Gesellschaften der Welt, deswegen kommen ja so viele hierher. Gleichzeitig bringt der Reichtum aber eine gewisse Selbstzufriedenheit mit sich. Und die Idee, warum soll man überhaupt noch Dinge groß überdenken, es funktioniert ja eh alles. Migranten konfrontieren uns mit völlig anderen Verständnissen von Gesellschaft, von Kunst, von Öffentlichkeit, von Rollenmodellen und so weiter. Wir haben uns als Kontinent noch nicht damit abgefunden, dass wir inzwischen Einwanderungsländer geworden sind.

Das ist wohl ein Prozess, den wir sehr bewusst durchlaufen müssen, weil uns diese Menschen, die hierher kommen, weil sie nicht wohlhabend und nicht sehr gebildet sind, einfach mit anderen Dingen konfrontieren. Wenn wir denen abverlangen wollen, dass sie sich in unsere Gesellschaften integrieren - und anders kann es ja nicht funktionieren - dann müssen wir uns schon sehr genau fragen, wo hinein sie sich eigentlich genau integrieren sollen; wie wir es mit der Religionsfreiheit verstehen, wie das mit der Gleichberechtigung; wie unser Demokratieverständnis wirklich ist. Es ist doch eigentlich seltsam, dass, wenn man über gesteuerte Immigration spricht, man schon als Rechtsaußen gilt. Dabei ist das in ganz friedlichen, demokratischen Ländern wie Neuseeland und Kanada gang und gebe.

Natürlich, das sind Einwanderungsländer, und die wissen, dass sie Menschen aufnehmen möchten, die in ihrer Gesellschaft einen Platz finden werden. Das ist ein völlig legitimes Eigeninteresse, das diese Länder ausüben. Und es kann ja auch nicht anders gehen: Wenn wir proportional sehr viele Menschen aufnehmen, die einfach keine Arbeitsplätze bekommen können - weil es an Bildung, an Ausbildung und Schulbildung fehlt; weil sie das im Wettbewerb um Arbeitsplätze gar nicht aufholen können, auch wenn man ihnen die Möglichkeit geben würde -, dann schafft man natürlich ein soziales Problem. Das hat auch gar nichts mit Kultur zu tun. Schon gar nichts mit dem Islam. Das hat einfach etwas mit Klasse zu tun. Wenn Sie 100.000 der am wenigsten ausgebildeten Deutschen nehmen und in einen anderen Kontinent verpflanzen, dann werden sie da Probleme bekommen. Ganz ähnlich, wie man jetzt hier mit Einwanderern aus Marokko oder Ostanatolien Probleme hat.

Das liegt nicht daran, dass das Moslems sind, sondern daran, dass das Menschen sind, die mit einem anderen Bild von Gesellschaft und einem anderen Verständnis von ihren Chancen in diese Gesellschaft kommen. Solche Menschen können wir natürlich absorbieren, aber nicht unbegrenzt. Wir haben als Gesellschaft ein legitimes Eigeninteresse, eine funktionierende Gesellschaft zu sein. Das sagt übrigens nichts über die Thematik von Asylbewerbern, also Menschen, die humanitäre Hilfe brauchen. Das ist ein ganz eigenes Thema. Aber ich glaube, dass wir uns als Gesellschaft solche Fragen stellen müssen. Wir sind natürlich immer noch unter dem langen Schatten des Holocaust und trauen uns nicht, diese Fragen zu stellen. Aber ich glaube, der Migrationsdruck, der real ist und sich nicht abschalten lässt - wir sind nun einmal reicher, und das zieht andere Menschen an -, wird uns dazu herausfordern, uns selbst neu zu begreifen und neu in der Diskussion zu definieren. Und ich glaube, das ist wichtig und wertvoll, denn sonst wird dieser Kontinent wirklich zum Museum.

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Philipp Blom: Der taumelnde Kontinent. Europa 1900-1914

Bazon Brock: Lustmarsch durchs Theoriegelände. Musealisiert Euch!

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Kommentare lesen (26 Beiträge)
Kurze Quelle dazu (Audrey 2 12.9.2009 19:32)
Re: @Pany: "Asylanten" NPOV (maibaum1 10.9.2009 22:03)
Re: Bullshit (maibaum1 10.9.2009 21:45)
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