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Sarkozys Meritokratie auf französisch

Thomas Pany 15.10.2009

Sein Sohn soll einen renommierten politischen Posten bekommen

"Fils à Papa" nannte man [extern] früher, als Society-Phänomene noch französisch glorifiziert wurden, die verwöhnten Sprößlinge aus den wohlhabenden und einflussreichen Kreisen; "Jeunesse dorée" war der Sammelbegriff für die Goldkinder aus reichem Haus. Jean Sarkozy, der Sohn des französischen Präsidenten, ist das 2009er Update des "Fils à Papa". Ein hübscher Jüngling, wie von Lagerfeld entworfen, mit lockenumflorten Haupt und großen Aspirationen, Pariser Chic auf der Höhe der Zeit, ein Genpoolgewinner, jung, reich, talentiert und gebildet. Ob Jean Sarkozys Sorbonne-Bildung ausreicht und ob der 23Jährige überhaupt die nötigen Erfahrungen und Qualifikationen für die Leitung der Verwaltung eines der größten Geschäftsviertel Europas mitbringt, ob er irgendeine Chance auf den prestigeträchtigen Posten des [extern] Epad- Chefs hätte, wenn er nicht der Sohn des Präsidenten wäre, ist die Frage, die in Frankreich für eine weitere größere Debatte sorgt und im Internet für das Aufblühen von Witzeleien.

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Der Sarkozy-Sohn hat sich, ganz wie der Papa, die politische Laufbahn als Beruf ausgewählt und steht dem Vater, was Dynamik und Ehrgeiz anbelangt, in Nichts nach. Der CV des 23jährigen kann sich sehen lassen. Mit 21 Jahren wurde er im März 2008 zum [extern] Conseiller général in den Rat des Départments Hauts-de-Seine gewählt. Er vertritt, wie schon Jahre zuvor sein Vater, den Kanton Neuilly-sur-Seine-Sud, wo viel Geld wohnt. Sarkozy junior hat in der Partei seines Vaters, der UMP, Karriere gemacht. Seit Juni 2008 ist er Vorsitzender der UMP-Fraktion im Départementsrat, ein politisches Sprungbrett, das ihn ganz oben an die Spitze der staatlichen Betriebsgesellschaft des Geschäftsviertels "La Defense" im Westen von Paris[1] zu befördern soll.

La Defense. Bild: Wikimedia Commons

"La Defense" ist ein [extern] spektakuläres Hochhausbüroviertel, Banken und Versicherungen siedeln dort in Türmen; Gesellschaften wie Areva, Total Fina, die Société Générale; 150 000 Menschen arbeiten und 20 000 leben dort. 2009 hatte die staatliche Betriebsgesellschaft der "Defense", die [extern] Epad, laut Angaben der FAZ 115 Millionen Euro zu verwalten. Im Dezember soll der bisherige Verwaltungsdirektor der Betriebsgesellschaft, Patrick Devedijan, seinen Abschied nehmen, weil er ins Pensionsalter kommt. Zwar hat Devedijan eine Verlängerung über das 65te Lebensjahr hinaus beantragt, aus dem Amtssitz Sarkozys kam jedoch ein negativer Bescheid, obwohl Premierminister Fillon schon Bewilligung zugesagt hatte.

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Als neuer und – bislang – aussichtsreichster Bewerber für den Posten gilt nun jener Jüngling, dem Devedijan im letzten Jahr [extern] beschied: "Wenn ihn die kleinen Schweine nicht aufessen, wird er sehr, sehr weit gehen". Jetzt will Jean Sarkozy genau dahin gehen, wo Devedijan seinen Platz nur ungern räumt. Dass er es mit amtlicher Unterstützung des Vaters Sarkozy tut, ist nun der Skandal, der dem öffentlichen Leben in Frankreich neben dem Stichworten [extern] "chemische Kastration für Wiederholungssexualstraftäter", [local] "ministerieller Sextourismus", [extern] "französischer Atomabfall in Sibirien" ein neues, aber altbekanntes, hinzufügt "Nepotismus" (siehe dazu [local] Wenn Dynastien Demokratien schlucken).

Der überaktive Präsident, der in manchen seiner Auftritte an den großen Komiker Louis de Funés erinnert, hat momentan alle Hände voll zu tun, um sich der Entrüstung von allen Seiten zu erwehren. Der Protest kommt nicht nur auf klassischem Wege vom politischen Gegner - etwa [extern] sehr pointiert vom früheren Premierminister Laurent Fabius: "Wir brauchen an der Spitze der Epad einen herausragenden Juristen und Jean Sarkozy ist schon im zweiten Studienjahr" -, sondern von der neuen Öffentlichkeit, über die sich Sarkozys Regierungsmitglieder und politische Mitstreiter schon oft genug aufregten (siehe [local] Das Ende der "unmoralischen Zone Internet"): aus Internet-Veröffentlichungen.

Jean Sarkozy. Bild: Wikimedia Commons

So widmet sich eine ganze [extern] Webseite dem Phänomen des "allgegenwärtigen Jean Sarkozy" und [extern] präsentiert einen amüsanten Vogerlsalat aus Vorschlägen, die dem Mikrobloggingdiskurs entstammen, z.B. dass die Banque de France Jean Sarkozy ausgewählt habe, um als Gesicht auf künftigen 1000 Euro-Scheinen zu prangen, oder dass es drei Länder gebe, wo die Herrschfat vom Vater auf den Sohn übertragen werde: Gabon, Nordkorea und Hauts de Seine. Ein Blogger titelt sein [extern] Posting mit der Schlagzeile: "Der Hund von Nicolas Sarkozy ist als Vorsitzender der Tierschutzorganisation S.P. A nominiert".

Am entschiedensten geht der Blogger Christophe Grébart vor, ein ehemaliger "Bürgermeisterschreck" (siehe dazu [local] Peripherie-Watch) mit großem Durchhaltevermögen, der einen sehr erfolgreichen Lokalblog führt (siehe [local] Eine Stadt, in der sich gut leben läßt), dessen Berühmtheit mitunter sogar die Landesgrenzen überschreitet. Grébart, mittlerweile in einer politischen Partei, berichtet aus Puteaux, das nicht weit entfernt von Jean Sarkozys politischem Wirkungskreis liegt; Grébart [extern] mobilisiert regelrecht gegen den Filius des Staatspräsidenten, [extern] klärt darüber auf, dass es sich um eine schon lange vorbereitete dynastisch untermauerte Nominierung, ohne demokratische Legitimität handelt; eine von Grébert mitintiierte [extern] Petition, die auf seiner Webseite beworben wird, und im Internet unterzeichnet werden kann, dürfte die 100 000 Marke [extern] demnächst überschreiten.

Jean Sarkozy [extern] empfindet sich bei all dem als "Delphin unter Haien" - ein Wortspiel, da das Wort Dauphin für Delfin im französischen früher den Kronprinzen bezeichnete, vieles an der Kritik sei an den Namen gerichtet - "Ich habe verstanden, wenn man Sarkozy heißt, dann sind die Dinge manchmal schwieriger".

Für seinen Vater, der, wie ihm Grébert vorhält, seinen Wahlkampf mit Versprechungen einer meritokratischen Republik führte, in der wichtige Posten nach Qualifikation und Verdienst vergeben werden, wird es auf jeden Fall schwieriger. Die Opposition wird täglich lauter.

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