Projekt Gorgonenblick gegen Guerillas
Thomas Pany 02.11.2009
USA: Das Blickfeld der Drohnen soll deutlich ausgeweitet werden
Als die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton vergangene Woche Pakistan besuchte, sah sich bei Treffen mit Politikern, Journalisten und Studenten vielen unbequemen Fragen zu den Drohenangriffen ausgesetzt – seit 2006 sollen etwa 1000 Menschen, darunter zahlreiche Zivilisten, durch Drohnenangriffe auf pakistanisches Territorium getötet worden sein; unter der Präsidentschaft Obamas nahmen die Angriffe zu (siehe
Kazaamm! Shazzakk! Zwzzwadddaaarkraakkk!). Eine zufriedenstellende Antwort Clintons blieb aus. "Ich kann die Frage nicht beantworten",
beschied die Außenministerin. "Dies ist eine Angelegenheit unter Militärs." Von Seiten der Militärs, wie man das etwa heute in einem größeren US-Medium
nachlesen kann, gibt es tatsächlich wenig Hemmung, mit der Begeisterung über die revolutionäre Waffe hinter den Berg zu halten.
In dem
Artikel der Los Angeles-Times geht es um neue Aufklärungskapazitäten der Drohnen. "Die nächsten Sensoren, merken Sie sich meine Worte, werden revolutionär sein", wird ein ranghoher Offizier zitiert. Über den coolen Namen des neuen Sensors - "Gorgon Stare" (der Blick der Gorgonen, der den Angeblickten in Stein verwandelt; die Analogie stimmt freilich nicht ganz, in diesem Fall werden die angeblickten "Objekte" erst nach einem zusätzlichen "Klick" zu Stein und Asche, Einf. d.V.) - freute sich
Flugbeobachter-Blogger Stephen Trimble schon Ende Januar. Bis dato hieß das Drohnenaufrüstungsprogramm noch amtlich "wide area airborne surveillance" (WAAS).
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| Mit Gorgon Stare ausgerüstete MQ-9 Reaper-Drohne. Bild: US-Airforce |
Bislang sind nach Informationen der Zeitung Reaper-Drohnen nur mit einer "primären Video-Kamera" bestückt, künftig sollen es 12 sein, später bis zu 65. Laut Wired gibt es ein zusätzliches
Pentagon-Projekt, das 92 Kameras vorsieht. Damit sollen die Drohnen mehr erfassen können als nur ein Haus oder ein Fahrzeug, wie das bislang üblich sei. Mit den zusätzlichen Augen soll der Gorgonenblick künftig mindestens 4 Quadratkilometer in allen Einzelheiten überwachen können (vgl. dazu sehr anschaulich
hier).
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Die Bilder aus den verschiedenen Blickwinkeln werden von Computern im Einsatzzentrum zu einer Art Mosaik zusammengesetzt, aus der noch nie dagewesenen Fülle an Bildmaterial, das das "Alles-Sehende-Auge" liefert, würden die Bildauswerter dann theoretisch ersehen können, wie die Hierarchie von überwachten Guerilla-Verbänden aussieht, wer sie unterstützt, wer ihre Freunde sind, etc. Das, so der von der LA-Times interviewte Offizier, würde "die Möglichkeit eröffnen, einzelne Personen zu verhaften, mit ausgesuchten Personen zu reden...oder abzuwarten bis die Leute einen abgelegeneren Straßenabschnitt entlangfahren, um sie dann mit einer Hellfire-Rakete aus dem Bild zu nehmen (i.O. 'take them out')".
Auch die Zahl der Drohnen, die man gleichzeitig operieren läßt, hat sich vergrößert. 2006 konnte die Air Force sechs Drohnen zur gleich Zeit fliegen lassen, jetzt sind es 38, in zwei Jahren sollen es 50 werden. Die Bildauswerter bekommen ebenfalls mehr zu tun: Aus den 38 Aufzeichnungen pro Tag, die sie derzeit analysieren, sollen bis 2013 3 000 werden.