Das Fest der Grippeviren
Florian Rötzer 05.11.2009
2-3 Millionen Gläubige werden sich demnächst zum Hadsch, zur Pilgerfahrt nach Mekka, aufmachen und dadurch möglicherweise die Schweinegrippe weltweit verbreiten
Eigentlich heißt es in den Hinweisen, wie man der Grippe vorbeugen kann, immer gerne, dass man Massenveranstaltungen und engen Kontakt mit anderen Menschen meiden soll. Zum Auftakt der zweiten Welle der Neuen Grippe in der nördlichen Hemisphäre findet ab Ende November der Hadsch, die Pilgerfahrt nach Mekka statt, die jeder Muslim wenigstens einmal in seinem Leben gemacht haben sollte.
Mindestens 2 Millionen, möglicherweise bis zu 3 Millionen Menschen werden sich wie jedes Jahr aus 160 Ländern nach Saudi-Arabien aufmachen, um dann dicht gedrängt die Kaaba zu umkreisen und den Felsen von Aqaba sowie die 3 Steinfelsen mit Steinen zu bewerfen. Für ein großes Experiment mit der Pandemie sind das gute Voraussetzungen. Zwar werden sich die Menschen vor Ort anstecken, aber dann, sollte eine Grippewelle über die Pilger hereinschlagen, weltweit verbreiten.
Gerade noch rechtzeitig hat am Dienstag die dafür zuständige saudische Behörde den Impfstoff Pandemrix von GlaxoSmithKline
zugelassen. Gekauft wurden bislang 10 Millionen Impfdosen. Ab Samstag soll dann eine Massenimpfung beginnen. Pilger aus Saudi-Arabien und Angehörige des Gesundheitssystems sollen primär geimpft werden. Man tue alles, um eine Ausbreitung der Grippe zu verhindern, heißt es von saudischer Seite. Ängste vor möglichen Nebenwirkungen des Impfstoffs will man besänftigen, indem man sagt, dass sie auch nicht anders sind als diejenigen, die bei Impfungen gegen die saisonale Grippe auftreten.
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Wissenschaftler hatten vor kurzem in
Science auf das Risiko der Verbreitung durch den Hadsch aufmerksam gemacht. Die Neue Grippe, so warnen sie, könne sich durch die zurückkehrenden Pilger weltweit verbreiten und die Gesundheitssysteme belasten. Zudem würden die Pilger aus den USA und Europa große Flugdrehscheiben benutzen, was die internationale Verbreitung weiter begünstige. Gefährlich sei auch, dass die meisten Pilger aus armen Ländern kämen. Ganz allgemein sei der Hadsch ein idealer Nährboden für die Grippe:
"Die Grippe wird durch große Tröpfchen, kleine Tröpfchenteile und Berührung übertragen. Die Dichte der Pilger, die Art der Rituale und der Schulter-zu-Schulter-Kontakt, der während der Gebete empfohlen wird, bieten eine perfekte Übertragungsatmosphäre. Böden oder Teppiche und Gegenstände von religiöser Bedeutung werden immer wieder berührt. Normale soziale Distanzierungsmaßnahmen werden nicht praktikabel sein."
Das klingt nun schon fast so, als würde der biologische Virus über ein religiöses Mem die Menschen als Wirte unter den besten Infektionsbedingungen zusammentreiben oder als würde statt des Heiligen Geistes das böse Virus in die Massen einfahren. Immerhin, so die Autoren, sei für die Rituale das Waschen der Hände, des Gesichts und der Nase vorgeschrieben. Ein Problem sei auch die Kontrolle der einreisenden Pilger – und die große Wahrscheinlichkeit, dass nur ein Bruchteil geimpft sein wird. Es gäbe nicht nur viele Routen, sondern auch dann, wenn wie in den Flughäfen Wärmebildkameras fiebrige Personen identifizieren, könne man nicht alle Infizierten herausfischen. Jeder Flughafen muss einen Quarantänebereich für 200-300 Erkrankte bereitstellen, wo diese auch behandelt werden können.