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Black Friday

Rainer Sommer 28.11.2009

Die Wall Street blickt gebannt auf die Kauflust der Konsumenten am Anfang der "Christmas Shopping Season" - allerdings dürfte selbst ein überraschend großer Zuwachs nichts an den schlechten Aussichten für die US-Konjunktur ändern

Der "Black Friday" nach Thanksgiving ist meistens der umsatzstärkste Tag im US-Einzelhandel. An diesem Tag schreiben viele Handelsbetriebe erstmals schwarze Zahlen – daher der Name – und die Weihnachtssaison gilt offiziell als eröffnet. Traditionell geben sich die Amerikaner nun bis Weihnachten einer Konsumorgie hin, die bislang selbst die hohen europäischen Maßstäbe durchwegs gesprengt hat.

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Angesichts der großen Hoffnungen auf einen kräftigen Konjunkturaufschwung, dem sich insbesondere die Wall Street derzeit hingibt, fragen sich Medien und Analysten gespannt, wie es heuer laufen werde, immerhin waren bislang die US-Konsumenten für gut 70 Prozent des US-BIP verantwortlich. Dementsprechend werden die Warteschlangen der Schnäppchenjäger mit dem Vorjahr verglichen, die sich etwa bei Target eine Nikon CoolPix Digital Camera für $88 oder um $59 ein TomTom GPS bei Wal Mart besorgen wollen, und spätestens am Montag werden die größten Handelsgruppen ihre mit Spannung erwarteten Ergebnisse bekanntgeben.

Um Krawalle vor den Toren der Läden zu verhindern, die im letzten Jahr zu Verletzten und Toten geführt hatten, haben etliche Märkte die ganze Nacht über geöffnet oder mussten konkrete Krisenpläne ausarbeiten. Um ihr wirtschaftliches Überleben sicherzustellen haben zudem praktisch alle Händler ihre Lagerhaltung drastisch zurückgefahren und angeblich untereinander vereinbart, mit dem Abverkauf überschüssiger Waren zu Schleuderpreisen bis nach Weihnachten zu warten. Im Vorjahr hatten die übervollen Lager indes dazu geführt, dass die Läden bereits in den letzten Adventwochen die Hosen runterließen, was die Profite der ganzen Branche noch weiter erodiert hatte.

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Jetzt finden Teile der Handelsbranche Hoffnung in der Vermutung, dass viele Konsumenten das Sparen inzwischen satt hätten. Dafür blicken andere sorgenvoll auf die deutlich höhere Sparneigung und befürchten eine auch über Weihnachten anhaltende Konsumflaute, der sie mit schon von Anfang an extrem niedrigen Lockangeboten begegnen wollen. Die Bandbreite der Analystenerwartungen ist diesmal folglich so breit wie selten zuvor und erstreckt sich von einem Rückgang von zwei Prozent bis zu einem Zuwachs von fünf Prozent.

Positiv auf die Spendierfreudigkeit der Konsumenten könnte sich erweisen, dass gerade rechtzeitig vor den US-Feiertagen durchwegs positive Daten zur Konjunkturlage veröffentlicht wurden und ihren Weg in die Abendnachrichten fanden: So hatten die Verkäufe neuer Häuser im Oktober gegenüber dem Vorjahr um 6,2 Prozent zugelegt und sowohl die Konsumausgaben wie die verfügbaren Einkommen waren stärker als erwartet angestiegen. Am wichtigsten für die Märkte war aber wohl die Schlagzeile, dass auch das Konsumentenvertrauen überraschend stark zugelegt hatte.

An der Wall Street führte das allerdings nur zu einem sehr kurzen Aufschwung, denn immerhin erfolgten die jeweiligen Aufschwünge gegenüber dem Vorjahresmonat, als der Schock der Lehman-Pleite Hausverkäufe und Konsum auf erschütternd niedrige Niveaus hatte abrutschen lassen, so dass der geringfügige Aufschwung nur einen "Basiseffekt" darstellt und in absoluten Zahlen kaum viel Hoffnung auf eine rasche Rückkehr zu den Niveaus vor der Krise bietet, was die Kursgewinne, als diese Erkenntnisse in die Marktdiskussion einsickerten, rasch wieder eingrenzte.

Wie der Finanzblogger Rim Duy in einem lesenswerten [extern] Aufsatz verdeutlicht, verheißt ein Blick auf die Entwicklungen der letzten Jahre tatsächlich nichts Gutes. Denn rechnet man die durch das "Cash for Clunkers"-Programm der Regierung aufgeblasenen Neuwagenverkäufe aus der Statistik heraus, zeige die Entwicklung der Einzelhandelsumsätze im Sommer des Vorjahres einen klaren Bruch des bis dahin doch sehr steilen Aufwärtstrends. Das ursprüngliche Trendwachstum, auf dem wohl die Businesspläne der meisten Händler und Lieferanten bis zur Krise basiert hatten, hat sich seitdem sehr deutlich verlangsam, was Duy vermuten lässt, dass sich die Schere zwischen den Pre- und den Post-Krisenumsätzen langfristig weiter öffnen werde.

Grafik: Oregon Economic Forum/Duy

Duy begründet das mit dem nach wie vor desaströsen Konsumentenvertrauen, dass ebenfalls nur aufgrund des Basiseffektes einen Zuwachs gezeigt habe. So ist der Vertrauensindex des "Conference Board" zuletzt zwar von 48,7 auf 49,5 angestiegen, war im Schnitt der letzten 30 Jahre aber bei 95 gelegen und hatte auch im Vorjahresschnitt immerhin 58 Zähler erreicht, nach 103,4 im Jahr 2007.

Da die hohen Konsumzuwächse bis zum Ausbruch der Krise vor allem durch die steigende private Verschuldung finanziert wurden, die nun nicht mehr aufrechterhalten werden könne, schließt Duy, dass sich eine Mehrzahl der US-Amerikaner – sofern sie nicht bei Goldman Sachs etc beschäftigt sind, wie Duy ironisch anmerkt - sich auf ein permanent niedrigeres Konsumniveau einstellen müsse.

Bild: Oregon Economic Forum/Duy

Dafür spreche vor allem der enge Zusammenhang zwischen Konsumentenvertrauen und Konsumausgaben, der keinerlei Hoffnung aufkommen lasse, dass die US-Konsumenten in absehbarer Zeit zu ihren alten Konsumgewohnheiten zurückkehren würden.

Bild: Oregon Economic Forum/Duy

Duys Kosequenz ist nun, dass die Regierung noch auf Jahre für den daraus resultierenden privaten Nachfrageausfall werde aufkommen müssen, will sie einen starken Konjunkturrückschlag vermeiden. Folglich fordert er weitere schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme, die noch größer ausfallen sollten, als das 787-Milliarden Dollar-Programm, dass die Regierung diesen Februar beschlossen hatte.

Daran ändere sich auch nichts, wenn das diesjährige Weihnachtsgeschäft tatsächlich um ein Paar Prozentpunkte zulegen würde. Viel mehr sei die Kluft zwischen den früheren Konsumgewohnheiten und der neuen Realität so groß, dass es angesichts der Entwicklung der Einkommen und der mangelnden Verfügbarkeit von Privatkrediten kaum denkbar sei, dass die US-Wirtschaft den erhofften selbsttragenden Aufschwung durch steigenden Konsum erreichen könne.

Tatsächlich zeigten sich am Freitag schon in der Früh die üblichen Warteschlangen vor den Läden, die Parkplätze der Shopping-Malls waren überfüllt und wie gewohnt stauten sich landesweit die Autos in den Zufahrtsstraßen. Skeptiker merken jedoch an, dass diesmal mehr als jemals zuvor Schnäppchenjäger für Umsätze sorgen würden, so hatten in Umfragen der Unternehmensberatung Accenture 86 Prozent der Black-Friday-Shopper angegeben, nichts zu kaufen, was nicht um mindestens 20 Prozent herabgesetzt sei, und rund ein Viertel der Befragten würde sich erst von einer mindestens 50prozentigen Preisreduktion zu Käufen animieren lassen. Sollte jedoch bereits der Black-Friday enttäuschen, bleibt noch immer die Hoffnung auf den kommenden "Cyber Monday", an dem traditionell die weihnachtlichen Online-Bestellungen ihren ersten Höhepunkt erreichen.

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Kommentare lesen (1 Beiträge)
Werden (Ottokar Domma 28.11.2009 20:31)
 
   
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