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Dem Phantom Bin Laden auf der Spur

Marcus Klöckner 09.02.2010

Das ZDF geht in einer Dokumentation der Frage nach, wo Osama bin Laden steckt

Folgt man den offiziellen Angaben, dann ist Osama bin Laden der wohl meistgesuchte Mann der Welt. Doch gut achteinhalb Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA hat noch immer niemand den angeblichen Terrorchef gefasst. Warum?

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Möglicherweise deshalb, weil die in den Medien propagierte Jagd nach Osama bin Laden nichts weiter als ein Mythos ist? Benutzen gerissene US-amerikanische Strategen die Figur Bin Ladens, um den so genannten Krieg gegen den Terror aus geostrategischen Gründen zu rechtfertigen? Was wurde nicht schon alles über bin Laden geschrieben. Mal ist er schon seit Jahren tot, mal erfreut er sich bester Gesundheit, mal ist er schwer nierenkrank, mal bereitet er den nächsten Terroranschlag vor. Das eine Mal tritt er mit grauem Bart auf, das andere Mal mit schwarzem. Auf dem einen Video sieht er jung aus, dann plötzlich alt, dann ist er Linkshänder, das andere Mal Rechtshänder. Und manchmal, so scheint es zumindest, wenn man die veröffentlichten Videoaufnahmen sich anschaut, kann er auch noch sein Gesicht verändern.

Osama bin Laden: Ein Mensch, ein Name, ein Mythos? Das ZDF geht in einer durchaus differenzierten [extern] Dokumentation den Merkwürdigkeiten um die Person Osama bin Laden nach und beleuchtet einige der vielen offenen Fragen, was die angebliche Jagd nach ihm angeht. Erfreulich: Die Doku gibt nicht vor, die ultimative Antwort zu kennen, stattdessen lässt sie Fachleute und Kritiker in sachlicher Umrahmung zu Wort kommen.

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"Warum fangen sie ihn nicht? Lebt er überhaupt noch? Ist die Jagd nach ihm nur eine Show? Suchen die Soldaten am Hindukusch ein Phantom? Will man ihn überhaupt finden?" Es sind Fragen wie diese, die in der Dokumentation von Michael Renz und Michael Rudin immer wieder gestellt werden - und damit die Fragen aufwerfen, die schon seit Jahren im Internet diskutiert werden.


Historisch betrachtet brauchte man oft eine Personifizierung des Bösen. Nach dem 11. September war dies eben Osama bin Laden. Es macht den Krieg gegen den Terror leichter, wenn der Oberbösewicht noch am Leben ist. Schauen sie, es gibt keine Indizien, dass Osama bin Laden noch am Leben ist, aber eine Menge Anhaltspunkte, dass er bereits 2001 starb. Wir haben Berichte darüber, dass Osama bin Laden nierenkrank ist und zur Dialyse muss.
David Ray Griffin, ein US-amerikanischer Professor für Philosophie

[extern] Griffin, der eine zentrale Position innerhalb des 9/11 Truth Movement einnimmt, also jenem losen weltweiten Zusammenschluss von Personen, die glauben, dass die Öffentlichkeit in Bezug auf die wahren Hintergründe der Terroranschläge in den USA getäuscht wird, hat im vergangenen Jahr ein [extern] Buch publiziert, in dem er die These aufstellt, dass Osama bin Laden längst gestorben ist und die publizierten Video- und Audiobotschaften eine Fälschung sind.

Der emeritierte Professor erklärt in der ZDF-Dokumentation, dass die wechselnde Farbe von Osama bin Ladens Bart, also von grau zu schwarz, sowie die Tatsache, dass Osama bin Laden, obwohl Linkshänder, auf einem Video mit der rechten Hand schreibt, auf eine Fälschung der Videos hindeuten. Und für die These, dass die Videos wahrscheinlich ein "Produkt aus der Fälscherwerkstatt westlicher Geheimdienste" sind, wie es in der Doku heißt, hat Griffin auch eine Erklärung: "Die Kriege im Irak und Afghanistan kosten auf der einen Seite Unsummen an Steuergeldern und machen auf der anderen Seite den militärisch-wirtschaftlichen Komplex sehr reich. Es gibt also genug Gründe, diesen so genanten War-on-Terror am Laufen zu halten."

Der ehemalige CIA-Agent Robert Baer gesteht ein, dass viel möglich ist, was das Fälschen von Videos angeht, doch eine Fälschung durch die CIA hält er für nicht wahrscheinlich: "Sie können Stimmen digital fälschen, man kann jeden alles sagen lassen. Sie können Monats- und Jahresangaben fälschen, einfach alles", aber für ihn, so sagt die Doku, sitzen die Fälscher am Hindukusch, schließlich bestünde von Seiten Al-Qaidas ein großes Interesse daran, bin Laden am Leben zu halten.

Ist Bin Laden todkrank?

Asif Ali Zardari, der Präsident von Pakistan, unterstützt Griffins These: "Ich nehme an, dass bin Laden tot ist. Der Grund ist seine schlechte Gesundheit und die Tatsache, dass wir schon so lange nichts mehr von ihm gehört haben." Ist der "Chef von Al-Qaida schwer krank, abhängig von regelmäßiger Blutwäsche?", fragen die Macher der Doku. Bereits 1996 habe der saudische Geheimdienst über ein angebliches Nierenleiden bin Ladens berichtet.

Michael Scheuer, ein Mitglied der ehemaligen "Bin Laden-Einheit" der CIA, sagt dazu: "Man muss immer vorsichtig sein, was andere Geheimdienste einem sagen, aber die Saudis waren eindeutig: Macht euch keine Sorgen, der stirbt sowieso bald."

Oberst Iman, der nach Angaben der Doku mehr als 10 Jahre die Ausbildungslager des pakistanischen Geheimdienstes geleitet hat, sagt: "Osama Bin Laden hatte Probleme mit den Nieren, sehr ernste Probleme mit den Nieren. In seinem Zustand ist es schwierig, wenn nicht gar unmöglich, in dieser Umgebung zu überleben." Bin Laden sei so krank gewesen, berichtet der Imam weiter, dass man ihn habe auf einem Esel festbinden müssen, damit er nicht runterfallen würde.

Und so offenbaren die Aussagen der Interviewpartner den Zuschauern des medialen Mainstreams, dass es auch andere Lesarten zur Person bin Ladens gibt. Doch auch die Gegenstimmen werden angeführt. So interviewten die Macher der Doku auch [extern] Noman Benotman, der als ehemaliger Kampfgefährte bin Ladens gilt und in London im Exil lebt. Benotman glaubt nicht an die These eines kranken Bin Ladens: "Ich habe ihn im Jahr 2000 getroffen und er war bei bester Gesundheit. Osama krank? Glauben Sie doch so etwas nicht. Darüber müssen wir gar nicht erst reden."

Aber war bin Laden nicht noch vor den Anschlägen des 11. Septembers zur Behandlung im US-amerikanischen Krankenhaus in Dubai, wie es von diversen Medien [extern] behauptet wurde? Das ZDF stellt die Frage öffentlich. Benotman meint dazu: "Osama wurde nicht in einem Krankenhaus behandelt, schon gar nicht in einem amerikanischen in Dubai. Er ist sehr gesund und stark."

Robert Baer erklärt: "Und im Nachbarbett liegt Elvis Presley. Machen Sie mal halblang, das ließe sich in Dubai niemals geheim halten." Allerdings weiß auch Baer nicht, was es wirklich mit der Jagd nach Bin Laden auf sich hat: "Ich habe mit den Leuten bei der CIA gesprochen, ich habe sie gefragt, lebt er noch oder nicht? Normalerweise hätte die Antwort lauten müssen: Ja, er lebt noch, aber ich sage dir nicht, woher wir das wissen. Stattdessen sagte die eine Hälfte, nein er ist tot, die andere Hälfte, ja er lebt noch."

Hätte Bin Laden gefasst werden können?

Richtig interessant wird es in der Doku, wenn die Macher die Frage aufwerfen, wie nahe die USA eigentlich an bin Laden dran waren. Hätte die US-Regierung, wie immer wieder im Internet aufgezeigt, schon längst die Möglichkeit gehabt, bin Laden zu fangen? Das Ergebnis, zu dem die Autoren der Doku kommen ist eindeutig: Ja, bin Laden hätte gefasst werden können, und das nicht nur einmal, sondern mindestens zehnmal.

Wie in alternativen Publikationen schon seit Jahren dargelegt, zeigt auch das ZDF nun, dass es 1999 und 2000 Bestrebungen aus Kabul gab, Osama bin Laden loszuwerden und an den Westen auszuliefern. Das ZDF lässt den afghanisch-amerikanischen "Geschäftsmann" Kabir Mohabbat zu Wort kommen, der angibt, als Unterhändler des afghanischen Regimes tätig geworden zu sein, um mit dem Westen über eine Auslieferung bin Ladens zu verhandeln.

Nach Angaben von Mohabbat haben die Taliban gewusst, dass bin Ladens Anwesenheit für Schwierigkeiten sorgt, als Unterhändler hat sich Mohabbat dann an den Europaparlamentarier Elmar Grob gewandt. Bei einem Treffen zwischen Grob und Mohabbat 1999 in Dortmund besprachen die beiden Einzelheiten des Deals. Die Taliban seien bereit gewesen, bin Laden auszuliefern, solange es sich bei dem Auslieferungsland nicht um die USA handelt. Man einigte sich auf eine Überstellung bin Ladens an den Internationalen Gerichtshof in Den Haag.

Im Jahr 2000, so zeigt es die Doku auf, gab es dann ein Treffen hochrangiger US-Vertreter in einem Hotel in Frankfurt mit einer Delegation aus Kabul. Grob berichtet, die Amerikaner seien von dem Angebot angetan gewesen. Doch, wie bekannt, ist es zur Auslieferung bin Ladens nie gekommen. Die Amerikaner, so sagt die Doku, streiten bis heute ab, dass es dieses Angebot jemals gab.

Und auch Ende 2001, als die Schlacht um Tora Bora ihren Höhepunkt erreichte, bestand die Chance, bin Laden zu fassen. Die US-amerikanische Spezialeinheit Delta Force war nahe dran an bin Laden, um genau zu sein: 800 Meter nah. Darüber weiß der Ex-Delta Force Mann Dalton Fury zu berichten: "Am Anfang wussten wir gar nicht, ob er (bin Laden) es wirklich ist, aber als wir seine Stimme über das Funkgerät hörten, war uns klar, das ist Osama bin Laden. Unsere verbündeten afghanischen Kämpfer hielten das Funkgerät in die Luft, alle scharten sich darum, es war genauso, wie wenn ein Popstar im Fernsehen auftritt. Auch unser Mann von der CIA war sich sicher, er ist es."

Doch mysteriöserweise lehnte Washington den Zugriff ab: "Zu gefährlich", wie es hieß. Stattdessen überließ man den befreundeten afghanischen Truppen die Jagd nach bin Laden. Diese, so heißt es in der Doku, hätten sich aber von bin Laden schmieren lassen. Aber das war nicht das erste Mal, dass man Osama bin Laden davon kommen ließ. Insgesamt, so sagt der Ex-CIA-Agent Michael Scheuer, habe es alleine zwischen Mai 1998 und Mai 1999 10 Gelegenheiten gegeben, bin Laden gefangen zu nehmen.

Scheuer erzählt vor der Kamera, dass es an einem Sonntag vor Weihnachten war, als die CIA bin Laden während seiner Fahrt von Kandahar zu seiner Farm im Visier hatte: "...Wir wussten sogar, in welchem Zimmer er übernachtete", sagt Scheuer. Allerdings habe das Weiße Haus es abgelehnt, Bin Laden durch eine Rakete auszuschalten, angeblich weil sich 300 Meter von seinem Haus entfernt eine Moschee befunden habe.

Doch Scheuer glaubt, genau wie andere Geheimdienstleute, die in der Doku zu Wort kommen, nicht an eine Verschwörung innerhalb des US-Regierungsapparates, mit der man die Auffälligkeiten bei der Jagd nach bin Laden erklären könnte. Und Baer sagt: "Völliger Blödsinn. Es gibt keine Verschwörung des Präsidenten der USA in Sachen bin Laden. Was die Menschen nicht verstehen ist, dass unsere gesamten Geheimdienste unfähig sind."

Die Autoren der Doku haken aber nach, stellen die rhetorische Frage: "Oder unfähig sein sollen?" Und schließlich fragen sie, ob es wirklich sein kann, dass nur die angeführten "widrigen Umstände" ausreichen, um "Militär und Geheimdienste jahrelang an der Nase herumzuführen."

Die letzten Beweise fehlen

Eine abschließende, definitive Antwort gibt die Doku jedoch nicht. Und das ist gut so. Darin liegt ihre Stärke. Zwar gibt sie einem Vertreter der offiziellen Version das Schlusswort, aber die wenigen kommentierenden Darstellungen der Autoren in der Doku verdeutlichen, manchmal auch nur zwischen den Zeilen, dass die Autoren keine einfachen, vorschnellen Antworten geben wollen. Hinsichtlich der Frage aber, ob es sich bei den bin Laden-Videos um Fälschungen handeln kann, erlauben sich die Autoren ein Fazit: "Der letzte Beweis, ob echt oder nicht, fehlt." Und mit dieser Feststellung wagen sich die Autoren nach allem, was der Zuschauer von den öffentlich-rechtlichen Medien an unkritischer Berichterstattung zu Osama Bin Laden, Al Quaida und den Anschlägen vom 11. September gewohnt ist, weit vor.

Bereits 2007 und 2008 hat das ZDF zwei Dokus produziert, die sich den alternativen Lesarten zum 11. September angenommen haben. In den Dokus [extern] Der 11. September 2001 – Mythos und Wahrheit und [extern] Das Geheimnis des dritten Turms beziehen die Autoren jedoch klar Stellung und geben vor, mit ihren Recherchen letztlich die Wahrheit herausgefunden zu haben. Beide Dokumentationen wurden aufgrund diverser Mängel von alternativen Webseiten heftig [extern] kritisiert.

Obwohl die aktuelle ZDF-Doku journalistisch weit ausgewogener und differenzierter ist, als die beiden vorangegangenen Produktionen, werden allerdings bestimmte zentrale Gesichtspunkte nicht angesprochen. So hätte man zum Beispiel aufzeigen können, dass nicht die USA, sondern Libyen den [extern] internationalen Haftbefehl gegen bin Laden erwirkt hat, oder es wäre zu hinterfragen gewesen, was es mit der Verbindung zwischen der Familie bin Laden und der Familie Bush auf sich hat.

Doch mag das Auslassen dieser Gesichtspunkte auf das Format der Doku zurückzuführen sein, das mit einer vorgegebenen Länge von 45 Minuten kaum dazu geeignet ist, die ganze Komplexität des Falls darzustellen. Schon vor der Ausstrahlung am heutigen Abend, haben sich im Internet Kritiker mit der aktuellen Dokumentation auseinandergesetzt. Allerdings beziehen die Kritiker sich auf die bereits ausgestrahlte BBC-Version, die sich möglicherweise von der ZDF-Version [extern] unterscheidet-

Gut achteinhalb Jahre nach dem 11. September 2001 ist jedoch festzustellen, dass langsam auch große Medien den alternativen Lesarten zu 9/11 mit der notwendigen journalistischen Professionalität begegnen und unverblümt über den "anderen 11. September" sprechen. Erst kürzlich gab es in dem Magazin Focus-Money einen mehrseitigen [extern] Artikel, der diverse Ansätze aus dem 9/11 Truth Movement besprach.

Die Autoren der ZDF-Doku haben es fertig gebracht, einen David Ray Griffin sprechen zu lassen, ohne auch nur einmal in der gesamten Produktion das Wort Verschwörungstheorie zu gebrauchen (lediglich zwei Gesprächspartner verweisen darauf). Zu Osama bin Laden heißt es gar, er sei "angeblich für den schlimmsten Terroranschlag" verantwortlich. Ein Schritt in die richtige Richtung.

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Ernst Stavro Blofeld (André Linoge 11.2.2010 10:56)
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