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"Access to Bandwidth: Proposals for Action"

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Am Vorabend des Breitbandkriegs in Großbritannien.

Jamie J.King 29.07.1999

Kupfer versus Kabel versus Satellit.

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Letzten Monat hatte ich in [local] Doing Time Online auf Telepolis dargelegt, daß sich hinter den zusammengeschusterten freien Einwahlangeboten von kleinen Firmen wie etwa Localtel und Tempo massive tektonische Verschiebungen in der Welt der Online-Provider ankündigen: Große Unternehmen planten zwar unbegrenzte Zugänge mit hohen Bandbreiten zu Pauschaltarifen, konnten sich aber nicht dazu durchringen, sie vor dem Hintergrund unsicherer Wettbewerbsverhältnisse und Marktbedingungen auch anzubieten. In Großbritannien basiert der Zugang zur Telekommunikation bisher auf einem Modell der spezifischen Abrechnung von Zeiteinheiten, wobei für jede Minute bezahlt wird.

Inzwischen konnten britische Konsumenten aber zumindest den praktikablen und robusten 0800-Dienst der British Telecom nutzen, der Abonnenten am Wochenende freien Zugang zum Internet verschafft. Kleinere Anbieter wie Claranet haben ähnliche Angebote gestartet und einige andere Internetprovider zogen nach. Viele dieser Provider sind junge Unternehmen, die zweifellos ihre Probleme damit haben werden, den Verkehr auch zu bewältigen, den ihre Angebote generieren.

Solche Services stellen für die britische Internetcommunity aber nur die Spitze des Eisbergs dar. Der Zugang über 0800 wird über kurz oder lang nicht der primäre oder gar einzige sein, um ohne Zeitbeschränkung im Netz zu surfen. Tatsächlich fungiert der 0800 Service als das Opfer, das gebracht wird, damit der Übergang zu den Diensten der nächsten Generation glatt verläuft: Die neuen Services sind charakterisiert durch Bandbreiten von 500k bis 2Mbit oder höher in Verbindung mit einem Niedrigkostenmodell. Die durch billige oder freie Zugänge entstandenen Verluste sollen durch die Inhalte ausgeglichen werden, für die dann entsprechend bezahlt werden muß. Mit seinem eigenen 0800-Angebot wird BT Internet vermutlich wenig mehr erreichen, als eine Stammkundschaft an sich zu binden, die später als early adopters für die Dienste der nächsten Generation infrage kommen, und die ohne dieses Angebot womöglich zu anderen Unternehmen gewechselt hätten. Jetzt, da die Breitbanddienste der British Telecom vor der Tür stehen, wird diese Stammkundschaft eine wertvolle Ressource für die nächsten Monate darstellen.

Wird der Breitband-Mythos wahr?

Wie kann mit solcher Gewißheit vorhergesagt werden, daß der Breitbandzugang zum Netz nach Jahren restriktiver Preispolitik der Telekommunikationsbranche endlich in greifbare Nähe gerückt ist? Ganz einfach weil das Freibeutertum, das die Providerszene bis dato charakterisiert hat, in den letzten vierzehn Tagen klaren Postionsbestimmungen der Big Players Platz gemacht hat. Obwohl bis jetzt keine soliden Aussagen bezüglich der Details der Serviceangebote und der Preisstruktur getroffen wurden, läßt sich langsam ausmachen, wer die großen Mitspieler im Breitbandmarkt vermutlich sein werden.

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Zum einen hat Rupert Murdochs Ankündigung, den Fokus seiner Medienunternehmen in Richtung der digitalen Welt zu verschieben, den Anspruch von Sky verfestigt, zum interaktiven Content-Provider zu werden. (Obwohl der Erfolg der interaktiven Serie von Sky auf lange Sicht gesehen davon abhängen wird, ob das Unternehmen einen geeigneten Partner findet, der entsprechende Zwei-Wege-Verbindungen zum Unternehmen organisieren kann, da Satelliten nur die Kommunikation in Richtung Nutzer bedienen.)

Inzwischen hat die Ankündigung von BT, demnächst ADSL anzubieten und bis März nächsten Jahres bereits 250.000 Haushalte damit zu bedienen, den anderen digitalen Anbietern signalisiert, daß auch der Telekomriese Pläne für interaktive digitale Angebote in der Hinterhand hält. Laut Dorian Spackman von der Content-Firma Terranova Media hat die British Telecom bereits CEC-Pro Equipment der Fantastic Corporation in ihrer zentralen Schaltstelle installiert, das die Programmierung, das Editieren und das Management von Inhalten ermöglicht. Diese Technologie wird benutzt werden, um interaktive Inhalte ausgewählter Zulieferer über Breitband auszuliefern, sobald die nötige Infrastruktur vorhanden ist.

ADSL sorgt für Angst und Schrecken unter Kabelanbietern

Genau das ist der Grund, warum NTL und Cable and Wireless Communications, zwei der großen Kabelanbieter Großbritanniens, jetzt eine Partnerschaft eingegangen sind. Quellen aus der Industrie zufolge herrscht seit der ADSL-Verlautbarung der BT eine gewisse Nervosität in der Kabelbranche: Das Telekom-Unternehmen hält 80 Prozent der Kupferkabel in Großbritannien, die potentiell schon innerhalb weniger Monate für DSL-Dienste geöffnet werden könnten. Im Unterschied dazu erreichen Kabelverbindungen insgesamt nur 16 Prozent der Kunden. Das sind beängstigende Zahlen für die Kabelanbieter. Daher ist die Partnerschaft von NTL und CWC als Konsolidierungsmaßnahme größtenteils der dringenden Notwendigkeit geschuldet, ein Unternehmen zu formieren, das auch groß genug ist. Nur dann kann es einen digitalen Service aufbauen, der konkurrenzfähig gegenüber der British Telecom und ihren ADSL-Diensten ist.

Die Zusammenballung der Kräfte wird damit wahrscheinlich noch nicht aufhören: Telewest, die wegen ihres Zauderns bezüglich der Einschätzung von Firmenwerten im Augenblick vom NTL/CWC Deal ausgeschlossen sind, stehen nun unter beträchtlichem Druck, die Bedingungen einer Dreier-Fusion auszuhandeln. Experten aus der Industrie erwarten größtenteils, daß sich die Firma der Fusion anschließt und sich so an der Entstehung der 'Kommunikations-Supermacht' beteiligt, wie man die Fusion in Großbritannien bereits betitelt hat. Die Kartellbehörde wird sich generös gegenüber einer solchen Supermacht verhalten, so wird im Hinblick auf die Existenz ähnlicher Konglomerate wie BskyB und BT zumindest angenommen: Soviel zur Farce eines 'Wettbewerbs' im Kabelmarkt, wie er sich bis jetzt darstellt. (Ein wichtiger Punkt ist hierbei, daß Microsoft mit der Beteiligung an Telewest bei dieser Fusion zum ersten Mal einen Fuß in der Tür zum britischen Breitband-Markt hat, da die Amerikaner bereits 30 Prozent Anteile an Telewest halten und bei jedem Deal zwischen den drei Firmen in Zukunft ein gewichtiges Wort mitzureden haben.)

Die Kräfte werden zum Kampf zusammengezogen

Hinzu kommt, daß die Regierung gerade dabei ist, Teile der hochfrequenten Radio-Bandbreiten, die für mobile und fixe Netzzugänge genutzt werden sollen, an den Meistbietenden zu verkaufen. So beginnt das Vereinigte Königreich schon wie der am meisten vernetzte Platz der Welt auszusehen - zumindest potentiell. Nach der Formierung der relevanten Kräfte, die man Anfang des Monats beobachten konnte, werden bald nur noch die drei großen Players der Infrastruktur - Satellit, Kupfer und Kabel - übrig bleiben. Hinter ihnen werden zweifellos resolute Unternehmen mit vollen Kriegskassen stehen, die dann zum großen Kampf auf dem britischen Markt bereit sind. Dann bleibt nur noch offen, wer den Kampf aufgeben muß, und welche sinnvollen Dienste am Ende dabei für den Konsumenten herauskommen werden.

Der Oftel Report: Zugang zu Bandbreite.

Das von Oftel, einer Organisation des Ministerium für Telekommunikation, vor kurzem veröffentlichte Papier [extern] "Access to Bandwidth: Proposals for Action" fordert, daß die BT ihre DSL-fähige Infrastruktur für Dritte öffnen soll, die Dienste mit hohen Bandbreiten anbieten wollen. Damit soll der einzige Anbieter reguliert werden, auf den man überhaupt einen juristischen Zugriff hat. Während die Regierung löblicherweise entschieden hat, daß es höchste Zeit sei, daß in Großbritannien Zugänge zum Netz zu vernünftigen Preisen zur Verfügung stehen, will ihre Telekommunikationsbehörde der British Telecom mit ihren offensichtlichen Wettbewerbsvorteilen nicht weiter erlauben, als Monopol Dienste über DSL-Verbindungen anzubieten. Per Dekret soll die DSL-Infrastruktur der BT für andere Service-Anbieter geöffnet werden.

Die Entscheidung Oftels, Dritten diesen Zugang zu ermöglichen, wird Effekte haben, die noch nicht abzuschätzen sind. Wie viele Kommentare nahegelegt haben, wird dies die Einführung von ADSL-Technologien in Großbritannien beschleunigen, weil die BT damit genötigt wird, schneller ihre Dienste bereitzustellen. Die Drohung der British Telecom, die Einbeziehung Dritter werde die Einführung von ADSL generell verlangsamen oder gar stoppen (was nichts anderes heißt als: Wenn wir nicht alleine weiterspielen dürfen, dann werden wir das Netzwerk gar nicht erst aufbauen, und dann spielt gar keiner), läßt an ein anderes Szenario denken. Die BT könnte auf Zeit spielen und künstlich die Implementierung von ADSL bremsen, um ihre Verstimmung über die Oftel-Entscheidung deutlich zu machen. Die Ängste des Unternehmens sind klar: Ein Haushalt mit einem pauschalen ADSL-Zugang ohne zusätzliche Verbindungsraten könnte auf einen Standard-Telefonanschluß verzichten, wenn lokale E-Mail, ICQ, Internet-Telephonie und ähnliche Dienste an seine Stelle treten.

Man kann aufgrund von Gerüchten in der Industrie ziemlich sicher annehmen, daß die BT solche durch das Wegfallen von Einkünften entstehenden kritischen Verluste kompensieren will, indem sie digitales Bezahl-Video streamen will, und weitere interaktive Informationsdienste über ihre 2Mbit Kupferleitungen anbieten wird: Kurz gesagt würde die BT also zu einem Medienunternehmen an der Seite der Kabel- und Satellitenfirmen werden. Der Anreiz, ein solches Netzwerk anzubieten, würde also ernsthaft ausgebremst, wenn Dritte ebenfalls über dieses Netz Dienste anbieten dürften. Und tatsächlich stellt sich die Frage, warum die BT Dritten Zugang zu ihrem Netz verschaffen sollte, während Unternehmen wie Sky oder das Kabelkonglomerat ihre Netze als Monopolisten bewirtschaften?

Breitband steht in Großbritannien tatsächlich vor der Tür.

In der abschließenden Analyse hatte Oftel wahrscheinlich mit ihrer Vermutung recht, daß die British Telecom trotz aller Klagen über die Öffnung ihres DSL-Monopols am Ende doch die Infrastruktur errichten wird - und das relativ zügig, um rechtzeitig damit fertig zu werden. Es gibt gewichtige Gründe dafür, dies anzunehmen. Zum einen hat Oftel selbst richtig angemerkt, daß im Falle eines Zögerns der BT die neuformierte Kabel-Supermacht einen großen Teil des zu erwartenden Geschäfts schlucken würde. Zweitens hat die BT bereits in das Equipment investiert, um die lokalen Verbindungen anzupassen, und Verträge mit Fujitsu und Alcatel abgeschlossen, um ADSL-Equipment für 400 lokale Schaltstellen anzupassen. Davon abgesehen, daß sie bereits die partielle Bereitstellung des Dienstes für Ende 1999 angekündigt hat. Drittens, und dies ist am wichtigsten, könnte die BT durch einen schnellen Start des Dienstes der Konkurrenz um einige Monate voraus sein. So könnte sie aus der Tatsache Kapital schlagen, daß heute 80 Prozent der Haushalte und mittelständischen Unternehmen in Großbritannien ihre Telephoniedienste über die Kupferkabel des Unternehmens erhalten. Neue Anbieter müssten also entweder diese Dienste verbessern, indem sie ihre eigenen Verbindungen aufrüsten, oder bessere Inhalte und Zugangsdienste anbieten. Die Notwendigkeit, Innovationen zu bieten, würde dann also bei diesen Anbietern liegen, und nicht bei der BT. Jene würde davon profitieren, ein etabliertes, von den Kunden anerkanntes Angebot zu liefern.

Wie auch immer die Details aussehen werden: Die Zukunft des Zugangs zu den Netzen sieht für Konsumenten in Großbritannien mehr als rosig aus. Sie können niedrige Kosten für hohe Bandbreiten und entsprechende Dienste erwarten, die sowohl das Kabelkonglomerat als auch die BT in den nächsten Monaten anbieten werden. Darüber hinaus hört man, daß Oftel im Augenblick daran arbeitet, die Universal Service Statutory Obligation zu überarbeiten (ein [extern] Consultation Paper hierzu wurde inzwischen veröffentlicht). Das Ergebnis könnte eine Verpflichtung für alle Anbieter sein, auch sozial schwache Schichten mit Hochgeschwindigkeitsdiensten und Internetzugängen zu versorgen. Auch dies sollte all jene, die digitale Dienste planen, davon überzeugen, die Grundgebühren niedrig zu halten und Profite über Zusatzangebote zu realisieren. Denn Oftel hat schließlich doch verstanden, daß "Dienste mit hohen Bandbreiten vital für die digitale Zukunft Großbritanniens sind." Und insofern Oftels letztes Papier die Entwicklung von Breitband ermutigt hat, können die Aktivitäten der Gruppe nur begrüßt werden. Da viele Details immer noch entschieden werden müssen, wird der Rest Europas - ganz abgesehen von den USA - mit Interesse die Entwicklung von DSL in Großbritannien verfolgen.

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