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Nichts als die Wahrheit

Ernst Corinth 27.09.1999

Ein deutscher Flop

Viel Lärm wirklich um nichts? Zwar hat kein deutscher Film der letzten zehn Jahre so heftige Kontroversen und leidenschaftliche Diskussionen ausgelöst wie [extern] Nichts als die Wahrheit - und dennoch geht kaum ein Zuschauer ins Kino, um sich dort die fiktive Geschichte um den leider realen KZ-Arzt Josef Mengele (Götz George) anzuschauen.

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Dabei tobte der Streit schon Wochen vor dem Kinostart am 23. September: Während Michel Friedman vom Zentralrat der Juden in Deutschland Roland Suso Richters Film für gut gemeint, aber gescheitert hielt, und Henryk M. Broder ihn im "Spiegel" als "prätentiöse Kolportage" enttarnte, antwortete der zuständige Verleih gleich via Presseagentur mit zustimmenden Äußerungen einer ganzen Reihe von Prominenten, vom ehemaligen österreichischen Kanzler Franz Vranitzky über Filmemacherin Doris Dörrie bis Moishe Waks, stellvertretender Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Berlin.

Aber nicht nur in Deutschland wurde gestritten. Auch bei den 47. Filmfestspielen in San Sebastian, wo "Nichts als die Wahrheit" kürzlich schon zu sehen war, spaltete er die Kritiker: "Das Publikum blieb wie angenagelt in den Sitzen", schrieb begeistert "La Vanguardia". Eine "gewaltige Verurteilung des Nazismus", hieß es in "El Mundo". Ein "nichtiger Schwindel", ein "spektakulärer kommerzieller Streich" urteilt hingegen "El Pais".

Der Film, der die Frage aufwirft, was hätte passieren können, wenn sich KZ-Arzt Josef Mengele der deutschen Justiz gestellt hätte, lässt also offenbar keinen kalt. Nur eben das deutsche Kinopublikum! So landete er an seinem Startwochenende gerade einmal auf dem extrem enttäuschenden neunten Rang der Kinocharts - nach Streifen wie dem aktuellen Spitzenreiter "Werner - Volles Rooää", "Star Wars" oder "Der 13. Krieger". (Quelle: Cinemaxx/Flebbe Filmtheaterbetriebe)

Ein gewaltiger Flop zeichnet sich jetzt also ab, der uns schon ein bisschen nachdenklich stimmen sollte. Beispielsweise über den mentalen Zustand der Bewohner unseres Landes. Oder ist das Desinteresse bei einem ja vorwiegend noch recht jungen Kinopublikum an einer filmischen Auseinandersetzung mit Themen wie Massenmord und KZ in Wirklichkeit doch nur: Voll Normaaal?

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