Pokemon unterstützt die Evolutionstheorie
Florian Rötzer 01.04.2001
Saudi-Arabiens Regierung verbietet das Spiel
Nachdem schon letzte Woche Scheich Abdul Aziz bin Abdullah, der Mufti Saudi Arabiens, als höchste religiöse Autorität des Landes das Pokemon-Spiel verboten hatte (
Pokemon als zionistische Propaganda), zog am Samstag auch das saudiarbische Wirtschaftsministerium nach. Verboten ist damit jetzt auch staatlicherseits der Handel mit allen Pokemon-Produkten.
Der Mufti hatte sein Verbot damit begründet, dass bei den Pokemon-Karten und beim Spiel Symbole wie der Davidsstern verwendet werden, "der, wie jeder weiß, mit dem internationalen Zionismus verbunden ist und ein nationales Wahrzeichen von Israel darstellt". Viele der Karten enthielten darüber hinaus auch noch Symbole wie "Kreuze, die für Christen geheiligt sind, und Dreiecke, die für Freimaurer wichtig sind". Zudem würden die Kinder beim Kartentauschen sich so verhalten, als würden sie um Geld spielen.
Angeblich sollen mit dem Verbot die im Land befindlichen Spiele und das Zubehör eingesammelt werden, Importe sind nicht mehr möglich. In erster Linie wird das Verbot dadurch begründet, dass das Kartenspiel eine Art Wettspiel um Geld sei, was in Saudi-Arabien verboten ist. Aber zu den Begründungen, die der Mufti vorgegeben hat, kommt noch eine weitere interessante hinzu: das Spiel würde auch den islamischen Lehren zuwiderlaufen, in dem es die darwinistische Theorie der Evolution unterstütze. Den Davidsstern sieht man natürlich auch nicht gerne, weil er mit dem Zionismus, Israel und der Freimaurerei verbunden sei.
Jetzt also dürfen die saudiarabischen Kinder nicht mehr an einer Form der Weltkultur teilhaben, wie auch die erwachsenen Bürger nicht frei im Web surfen können, weil die Regierung eifrig über die vorgeschalteten Proxy-Server den Zugang zu anstößigen, die Kultur, Moral, Religion und Politik des Landes untergrabenden Webseiten sperrt. Man kann davon ausgehen, dass noch viele abzulehnenden Symbole gefunden werden können - und auch den Webwächtern wird die Arbeit nicht ausgehen. Erst 1999 hatte die Regierung die ersten Provider zugelassen. Letztes Jahr wurde der Zugang zu allen Yahoo-Clubs gesperrt, weil dort Pornographie getauscht worden sei und man die einzelnen Clubs kaum kontrollieren könne (
Saudi Arabien sperrt wegen Pornographie Zugang zu den Yahoo-Clubs). Im April 2000 wurde in Mekka ein Internetcafe für Frauen geschlossen, da diese den Internetzugang für "unmoralische Zwecke" benutzt hätten. Die Reporters Sans Frontières zählen Saudi Arabien wegen der Internetzensur zu den
Feinden des Internet. Ganz offiziell wird das Netz als "schädliche verwestlichende Kraft" betrachtet.