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Hans-Arthur Marsiske 06.06.2001

RoboCup GermanOpen: Werden Roboter eines Tages besser Fußball spielen als Menschen?

Wenn vom 8. bis 10. Juni in Paderborn bei den ersten [extern] RoboCup GermanOpen Roboter um die deutsche Fußballmeisterschaft kämpfen, wird es sicherlich auch wieder viel zu lachen geben: Putzige Roboterhündchen, die sich aufs Hinterteil setzen und zuschauen, wie der Ball an ihnen vorbei rollt, und Torwarte, die den gegnerischen Stürmern höflich Platz machen, sorgen für gute Unterhaltung, machen es aber schwer, in den unbeholfenen Maschinen eine ernsthafte Bedrohung der menschlichen Oberhoheit über den grünen Rasen zu sehen. Wer die rasanten Fortschritte im Roboterfußball von Jahr zu Jahr verfolgt, kann das jedoch ganz anders sehen.

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Rover the Robot

Im Jahr 1997 besiegte ein Computer den amtierenden Schachweltmeister. Das sorgte vorübergehend für einige Schlagzeilen, konnte das menschliche Selbstbewusstsein aber offenbar nicht nachhaltig erschüttern. Dafür sind die Anforderungen, die das Schachspiel an die Spieler stellt, wohl zu weit vom Alltag der Menschen entfernt. Ein guter Schachspieler mag mit einem Computer vergleichbar sein, aber ein Schachcomputer hat wenig Menschliches an sich.

Der [extern] Robocup dagegen zielt viel direkter in die Kernbereiche der menschlichen Identität: In fünfzig Jahren, so lautet die ehrgeizige Vorgabe, sollen humanoide Roboter nach den offiziellen Regeln der FIFA gegen den amtierenden menschlichen Fußballweltmeister antreten und gewinnen. "Unmöglich!" lautet häufig die spontane Reaktion von Menschen, die erstmals von diesem Vorhaben erfahren. Darin scheint sich jedoch zumeist eher eine Hoffnung als eine fundierte Einschätzung auszudrücken. Roboter, die uns beim Fußballspiel ebenbürtig sind, könnten uns schließlich auch in vielen anderen Lebensbereichen den Platz streitig machen.

Der grüne Rasen ist eine weitaus bessere Schule des Lebens als das Schachbrett. Es steht also beim Finale der Fußball-WM im Jahr 2050 viel mehr auf dem Spiel als bei der Begegnung von Schachweltmeister Gary Kasparov und dem Computer "Deep Blue" vor vier Jahren. Dennoch ist es gut möglich, dass dieses Endspiel gar nicht mehr als die Sensation wahrgenommen wird, als die es heute noch erscheint. Schließlich werden wir bis dahin viel Gelegenheit gehabt haben, unsere digitalen und mechanischen Geschwister besser kennen zu lernen.

Der Durchbruch der Robotik, insbesondere der mobilen Robotik, in unseren Alltag steht unmittelbar bevor. Eine [extern] Analyse der Firma ActivMedia Research prognostiziert bis zum Jahr 2005 weltweit einen Absatz von 866.000 mobilen Robotern im Wert von 17 Milliarden Dollar. Der gleichen Quelle zufolge waren Anfang 2000 etwa 11.000 mobile Roboter im Einsatz, die zusammen etwa 1,2 Milliarden Dollar wert waren.

"Rolland" - Der Bremer Autonome Rollstuhl

Neben Anwendungen in der Industrie wie [extern] Reinigungsroboter, programmierbare [extern] Erntemaschinen oder auch automatischen [extern] Viehtreibern sind es vor allem die Bereiche des Entertainments und des Spielzeugs, die das Wachstum dieses Marktes tragen werden. Das bestätigte auch der frühere Entwickler von Waffensystemen und heutige Spielzeugdesigner Ralph Osterhout im Interview mit [extern] New Scientist. Auf die Frage, woran er zur Zeit gerade arbeite, antwortete er: "Wenn ich Ihnen das verraten würde, würden die Spielzeugfirmen mich umbringen. Aber lassen Sie mich so viel sagen: Denken Sie an Robotik und Kommunikation. Sie werden gewaltigen Einfluss haben."

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Roboter werden wahrscheinlich ähnlich schnell wie Walkmen, Laptops und Mobiltelefone zu einem selbstverständlichen Bestandteil unseres Alltags werden: Kinder (natürlich auch ihre Väter und vielleicht sogar die Mütter) erleben sie dann als vielseitige Spielgefährten. Websurfer begegnen ihnen als virtuellen Agenten. In Flughäfen, Supermärkten und auch Privatwohnungen dürften autonome [extern] Staubsauger schon in wenigen Jahren ein ganz gewöhnlicher Anblick sein. Und vielleicht dauert es keine 50 Jahre, bis [extern] Robotikprothesen einen Menschen nach Verlust eines Körperteils sogar leistungsfähiger machen als vorher.

Für autonome [extern] Rollstühle, die ihre Benutzer bei der Navigation unterstützen, sieht die Marktstudie von ActiveMedia Research schon in den kommenden Jahren attraktive, kommerzielle Möglichkeiten. Unterdessen wird bereits an der Entwicklung [extern] künstlicher Muskeln gearbeitet, die zukünftig noch bessere Prothesen ermöglichen sollen ([local] Robotfisch mit Froschmuskeln).

Shawn Brown, [extern] Goldmedaillengewinner im Diskuswerfen bei den Paralympics in Sydney, sagt heute schon, dass er mit Unterschenkelprothese weiter wirft als früher, als er noch sein Bein hatte. Das mag in diesem Fall eher ein Trainingseffekt sein. Aber eines Tages werden wir vielleicht wirklich darüber diskutieren müssen, ob solche Prothesen als eine Form des Dopings betrachtet werden müssen. Oder würde das eine ungerechtfertigte Ausgrenzung von Behinderten aus dem Sportleben bedeuten?

Vielleicht kommt es gar nicht zum Entscheidungsspiel zwischen Robotern und Menschen, weil die Grenze zwischen beiden bis dahin zu stark verwischt ist? Die Roboter, die den menschlichen Fußball-Weltmeister herausfordern, werden mit den heutigen [extern] Ungetümen jedenfalls keine Ähnlichkeit mehr haben. Ihre Bewegungen werden sie nicht mit Elektromotoren steuern, sondern mit künstlichen Muskeln. Statt mit Silizium-Prozessoren werden sie ihre Sensordaten vielleicht mit organischen Transistoren verarbeiten, die sich zu neuronalen Netzen zusammen schalten. Man wird bei diesen Robotern weniger von Programmierung als von Training reden müssen.

Roboter DB von Sarcos

Umgekehrt werden die Menschen sich bei sportlichen Wettkämpfen verstärkt der Unterstützung durch Computer bedienen. Die Agentenprogramme, die beim RoboCup zum Einsatz kommen, bieten sich schon heute zur Analyse und Erprobung verschiedener Strategien an. Über kurz oder lang wird wahrscheinlich keine Spitzenelf auf derartige digitale Spielvorbereitungen verzichten können.

Wenn es dennoch im Fußball-WM-Finale 2050 zur entscheidenden Begegnung zwischen Menschen und Robotern kommt und die Roboter womöglich den Titel gewinnen, muss das also nicht unbedingt höhere Wellen schlagen als das Mensch-Maschine-Duell im Schach. Es wird vielleicht keine größere Sensation sein als heute der Sieg eines krassen Außenseiters. Hiroaki Kitano, Vorsitzender der Internationalen RoboCup Federation, [extern] sagte bei der Roboter-Fußball-WM 1999: "In Japan wird über die Frage diskutiert, wer wohl zuerst den Weltmeistertitel gewinnen wird: die Roboter oder die japanische Nationalmannschaft. Manche glauben, dass die Roboter es eher schaffen werden."

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