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YPS darf nicht sterben!

Janko Röttgers 14.07.2000

Das Heft mit dem Gimmick soll eingestellt werden

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Anfang der Woche gab der Ehapa-Verlag bekannt, dass man das beliebte YPS-Heft einstellen werde. Seitdem formiert sich Protest im Netz. Telepolis macht selbstverständlich mit und spendiert dem kranken Comicheft gleich auch noch eine neue Geschäftsidee.

Internetsticker für YPS

Keine Frage: YPS ist Kult. Jahrelang hat man dafür sein Taschengeld ausgegeben und jeder neuen Ausgabe entgegengefiebert. Nicht gerade wegen der Comics. Die waren immer viel zu brav und konnten nicht mal gegen die Disney-Familie ankommen. Aber die Gimmicks! Seit vor knapp 25 Jahren das erste Heft mit Beilage erschien, ist es aus Kinderzimmern und Kindheitserinnerungen nicht mehr wegzudenken.

Wer erinnert sich nicht an die Urzeitkrebse, den Solar-Zeppelin, das Survival-Set? Wer hat nicht vergeblich versucht, dem Taschenradio Töne zu entlocken, den Humor des Witzbuchs zu verstehen oder mit dem Kartentrickbox seine Freunde zu beeindrucken? Wer hat nicht mit YPS-Gimmicks seine Umwelt (Anti-Fliegen-Pistole), seine Mitmenschen (Detektivset, Fernrohr) und deren soziale Normen (Furzkissen) kennengelernt?

YPS verdanken wir die New Economy

Nun aber soll all das vorbei sein. Der Ehapa-Verlag, der das Heft erst im März gekauft hatte, will es zum 10. Oktober einstellen. Doch im Netz formiert sich bereits der Widerstand erboster Fans. Mit dabei in vorderster Front: Der Medien-Branchendienst [extern] Kress. Dessen Redakteure schmeißen sich besonders rührig ins Zeug. Sie posieren mit dem Heft vor ihrer [extern] Webcam, sammeln [extern] Protest-E-Mails und organisieren eine Umfrage, die es in Sachen subtiler Suggestion durchaus mit österreichischen Volksbegehren aufnehmen kann ("Wer dafür ist, dass "Yps" erhalten bleibt, kann sich [extern] hier beteiligen.")

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Kein Wunder, dass 89 Prozent aller Kress Online-Leser für ein Weiterbestehen des YPS-Heftes sind. Auch sonst zeigt sich die Klientel des Branchendienstes empört bis wehmütig und tauscht in zahlreichen Mails Erinnerungen an ihre Lieblings-Gimmicks aus. Besonders interessant ist die Begründung der Kress-Leserin Silke Burmeister für ihr Engagement:

"Da ich finde, dass man Kinder gar nicht früh genug auf das Wesen des Kapitalismusses vorbereiten kann, bin ich unbedingt für den Fortbestand von Yps."


Abgesehen davon, dass man angesichts solcher Zeilen Kinder vielleicht doch lieber auf des Wesen des Genitivessesses vorbereiten möchte, hat dieser Gedanke durchaus seinen Charme. YPS hat einer ganzen Generation schon in frühen Jahren gelehrt, sich beim Zusammenbasteln von billigem, vorgefertigten Plastikkram furchtbar kreativ zu fühlen. Solche Erfahrungen sind beim Aufbau eines Ikea-Schranks ebenso wichtig wie beim Dotcom-Ideenklau. Genau genommen wäre die ganze New Economy ohne YPS als Vorbild gar nicht möglich gewesen: Verkaufe Tausenden von Kindern eine aufgeschnittene Mülltüte und erzähl ihnen, dies sei ein Abenteuerzelt. Verkaufe deinen Investoren ein paar HTML-Seiten und erkläre ihnen, dies sei eine Community.

Gebt den Kreativen, was sie brauchen!

Nur: Heute können die Kids ganz prima mit den Kräften des Kapitalismus umgehen. Tausende von Gameboys und -girls bauen ihre ersten Finanzimperien auf dem Verdealen von Pokémon-Figuren, raubgebrannten DJ Bobo-CDs und Schummeltips per SMS auf. YPS brauchen sie dazu nicht mehr, wie auch Reinhard Haas, der Vater des Gimmicks, im [extern] Kress-Interview zugeben muss. Außerdem stellt er fest, "dass es in Deutschland immer weniger Kinder gibt."

Was also tun? Vielleicht sollte sich der Ehapa-Verlag einfach eine neuen Zielgruppe suchen, wenn die Kids aussterben beziehungsweise -wachsen. Die eigentlich auch die alte sein könnte. Wie die Resonanz auf die Kress-Initiative gezeigt hat, sitzen die wahren YPS-Fans heute in den Startups, Redaktionsbüros und Werbeagenturen dieses Landes. Sie haben mehr Geld als früher, ihre Gimmicks nennen sie jetzt Gadgets, aber sonst ist doch alles fast wie damals.

Warum also nicht eine alte Heftidee für die neue Mitte aufwärmen? Selbst an den Gimmicks müsste man kaum etwas ändern: Das Furzkissen lockert garantiert jedes Business-Meeting auf, die Urzeitkrebse könnten als Palm Pilot-Variante wiederauferstehen, und zum Zauberspiegel muss eigentlich nur noch eine Rasierklinge dazugelegt werden.

Wenn Ehapa aber partout nicht will, bleibt nur eine Variante übrig: Kress springt selbst ein. Übernimmt die Beilagen-Tüftler, entsorgt die Comiczeichner und beglückt uns demnächst auf Papier mit dem Titel: "Kress Report - Jetzt mit Gimmick!" Mein Abo wär ihnen garantiert sicher.

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