Online das Embargo brechen
Andrea Naica-Loebell 11.08.2001
Während die USA langsam beginnen, über ein Ende des Embargos gegen Kuba nachzudenken, kann sich längst jeder US-Bürger online kubanische Produkte bestellen
Kuba ist immer noch ein Schurkenstaat, aber nach 40 Jahren Boykott gegen den Inselstaat sehen viele US-Bürger keinen Sinn mehr in dem Embargo, denn Fidel Castro ist immer noch an der Macht. Es ist ihnen nur noch schwer begreiflich zu machen, warum sie nicht nach Kuba reisen und keine kubanischen Waren kaufen dürfen.
Mit Sicherheit ist Kuba kein demokratischer, sondern ein autoritärer Staat. Politische Opposition ist nicht erwünscht und nach wie vor ist die Informationsfreiheit beschränkt (Vgl.
Lässt sich das Internet wirksam von autoritären Staaten kontrollieren?), aber die Jahrzehnte alten Sanktionen der USA haben keine politische Veränderung gebracht. Der Bevölkerung geht es schlecht, die Isolation hat die Leute eklatant verarmen lassen. Die Maßnahmen, deren Zielsetzung eigentlich schon lange nicht mehr realistisch ist, haben nicht das Regime, sondern nur die Kubaner getroffen.
Kuba hat seine Lobbyisten nach wie vor international unter den jungen Linken, aber zunehmend öffnet sich Europa und seine Wirtschaft, die lange in blinder Bündnistreue zu den USA erstarrt waren (Vgl.
Zwischen Fundraising und Wirtschaftsförderung).
Die US-Politik kommt seit neuestem zögerlich in Bewegung (Vgl.
Kino gegen Beziehungsprobleme?), denn obwohl Kuba nach heftigen Diskussionen nicht Teil der neuen amerikanischen Freihandelszone "Free Trade Area of the Americas" (
FTAA) sein wird, ist es ein potenziell interessanter Absatzmarkt direkt vor der Haustür der USA.
Kürzlich hat das Repräsentantenhaus einen Vorstoß gewagt und für eine Aufhebung der Reisebeschränkungen votiert. Es ist noch unklar, ob die Vorlage im demokratisch dominierten Senat verabschiedet werden wird. Ankündigungen der Demokraten lassen vermuten, dass sie dazu tendieren, das Embargo zumindest zu lockern. Der Präsident George W. Bush wird dann unter Druck geraten, denn die Exil-Kubaner sind eine wichtige und auf dem Embargo bestehende Wählergruppe, die in Florida, wo der Bruder des Präsidenten (Jeb Bush) regiert, den Ausgang der nächsten Wahl entscheiden könnten. Jeder, der mit Fidel Castro spricht, hat es sich mit ihnen verscherzt. Die Exil-Kubaner wählen als geschlossene Gruppe und sind deshalb im Zweifelsfall ausschlaggebend für den Wahlausgang. Florida war der Staat, der bei der letzten Präsidentenwahl die entscheidenden Stimmen brachte, um George W. Bushs zum Präsiden zu machen, und von Florida könnte seine politische Zukunft bei der nächsten Wahl wieder abhängen.
Bisher können US-Bürger offiziell nur mit einer Ausnahmegenehmigung, die sie beantragen müssen, nach Kuba reisen. Wie
CNN berichtete, fanden dennoch vergangenes Jahr bereits ca. 120.000 US-Amerikaner das Loch im eisernen Vorhang um Kuba, denn sie nahmen Schleichwege über Drittstaaten, um den Inselstaat zu besuchen. Die Kubaner haben kein Problem damit, wenn US-Touristen kommen, ganz im Gegenteil, sie hätten gerne mehr zahlungskräftige Nordamerikaner, die ihre Dollars im Lande lassen.
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Ihre Dollars können die Amerikaner aber auch über das Internet nach Kuba transferieren. E-Commerce hat inzwischen Einzug in das Reich Fidel Castros gehalten. Unter der Adresse des
kubanischen Online-Shops können auch US-Bürger Waren bestellen. Damit ihnen der Staat nicht drauf kommt, dass sie das Embargo brechen, werden die Waren über eine kanadische Partner-Agentur ausgeliefert. Auf der Site, die von
Cubanacan, einer staatlichen Tourismus-Firma betrieben wird, werden die Waren in Spanisch angepriesen und vordergründig nur an Kubaner in der Region Havanna ausgeliefert, d.h. Nicht-Kubaner können dort Waren kaufen, um sie Familie oder Freunden auf Kuba zu schenken.
Per Email-Bestellung kann man sich die Waren zudem per Express und über eine ausländische Partneragentur in die USA schicken lassen, Bezahlung erfolgt per Kreditkarte, Lieferzeit 15 Tage. Das Paket mit den Zigarren, Rum, elektrischen Geräten oder Süßwaren aus kubanischer Produktion kommt dann unauffällig abgestempelt und mit Absenderadresse in Kanada. Zu
CNN sagte der Pressesprecher von Cuba-Shop, dass täglich 15-20 Bestellungen bei ihnen eingehen. "Es gibt eine Menge Leute, die kubanische Produkte mögen und sie auch bekommen wollen, nachdem sie in ihre Heimatländer zurück gekehrt sind." Bisher sind es vor allem Exil-Kubaner, die ihre Bestellung dort online aufgeben. Das könnte sich aber nach der Berichterstattung bei CNN schon geändert haben.