TR: Die Freigabe von Solaris stand allerdings am Ende eines Lernprozesses, oder? Sie haben ja auch versucht, Solaris zu verkaufen.
Gage: Sie meinen Solaris für PCs? Ja, das war eine dumme Idee. Das haben wir schließlich erkannt und Open Source daraus gemacht. Deswegen haben wir so viele Downloads. Die meisten Solaris-Systeme laufen nicht auf Sun-Hardware, sondern auf Computern von Dell. Mehr als 300 Computerhersteller weltweit verwenden mittlerweile Solaris. Besonders diese ganzen sehr kostenbewussten chinesischen Hersteller wie Huawei. Wenn etwas kostenlos ist und offen – dann finden die das gut.
TR: Wenn Sie also Ihre Software verschenken, wie machen Sie dann Ihr Geld?
Gage: Oh, das ist im wesentlichen dasselbe wie bei Java. Die meiste Java-Software wird von anderen entwickelt, von Nokia oder IBM oder Siemens. Es ist nicht so, dass wir unser Geld mit Software machen. Es geht mehr um die Programmierumgebung. Wenn das Niveau steigt, wird ein gewisser Prozentsatz der Maschinen, die gekauft werden, aus Sun-Computern bestehen.
Der zweite Pfad - ich kann Ihnen allerdings jetzt keine Zahlen nennen - ist die Offenlegung unserer Hardware vor sechs Monaten. Als Ergebnis haben in diesem Herbst 1000 chinesische Universitäten das Design unserer Multi-Core-Prozessoren in ihre Vorlesungen mit aufgenommen. Sie müssen uns nichts dafür bezahlen. Und Sie können das nehmen und verändern. Wenn Ihnen nicht gefällt, wie Sun in dem neuen Niagra-Chip Fließkommazahlen verarbeitet, dann machen Sie es einfach selbst. Und Sie können einfach einen Dienstleister beauftragen, das dann zu fertigen - Sie brauchen heutzutage keine eigenen Fabs mehr. Sie können spezifische Verbesserungen für spezifische Anwendungen bauen und brauchen uns kein Geld dafür zu bezahlen. Aber das verbreitet unsere Art des Multi-Threadings schneller - also nützt es uns.
Ich kann Ihnen das nicht beweisen, aber vor einigen Jahren galt Sun noch als wichtige Quelle für innovative Ideen. Jeder in der Universität hatte einen Sun-Rechner. Dann kamen die kleinen Linux-Boxen ins Spiel, zu einem Preis, der sehr viel geringer war. Jetzt ist jeder vertraut mit Linux, aber das ändert sich - das zeigen die Download-Zahlen. Es gibt Dinge, die kann man mit Linux nicht machen.
Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Eines unser größten Probleme ist die Verwaltung sehr großer Systeme. Wenn Sie früher etwas speichern wollten, hat das Programm das dem Betriebssystem übermittelt, und die Daten wurden gespeichert. Damals waren die Festplatten direkt mit den Prozessoren verbunden. Dann haben die Leute diese Disk-Controller gebaut, und das Betriebssystem zum Narren gehalten. Das Betriebssystem denkt noch immer, es schreibt auf die Festplatte, aber weil Festplatten nun viel billiger geworden waren, kaufte man viele, verband sie mit dem Controller und virtualisierte sie.
Das Kommando zum Schreiben ging also an die Box und die schaut dann nach, welche Platten da sind, sucht sich eine aus und schreibt die Daten. Aber indem Sie in gewisser Weise eine neue Ebene eingezogen haben, können Sie sich nicht mehr sicher sein – vom Standpunkt des Programmes aus –, was auf der Festplatte ist, und was nicht. Da kann es Stromausfälle geben und all diese Dinge, und es gibt einen Haufen Probleme. Was wir also getan haben – wir haben das vor ein oder zwei Monaten freigegeben – ist eine Möglichkeit zu programmieren, etwas sicher auf die Festplatte zu schreiben. Garantiert. Sie wissen, wann Sie etwas geschrieben haben. Schließlich haben wir endlich ein transaktionsbasiertes Speichersystem. Da haben wir wirklich viel Arbeit reingesteckt.
TR: Sie haben von Multi-Core-Prozessoren gesprochen. Der Zuwachs an Geschwindigkeit, den Sie damit erreichen, muss mit einem Zuwachs an Komplexität bezahlt werden. Es gibt aber Leute, die sagen, dass ein System wie beispielsweise Linux bereits jetzt viel zu komplex geworden ist, um es kontrollieren zu können. Wie sehen Sie das?
Gage: Sie haben absolut recht. Das Problem mit all diesen System ist die Latenz. Sie denken, Ihr System hat irgendetwas getan, aber es ist einfach noch nicht so weit. Das Problem tritt besonders im Supercomputer-Design auf. In einigen Wochen werden wir gemeinsam mit IBM eine Ankündigung machen – Sie müssen es abwarten –: Wir arbeiten am schnellsten Computer der Welt.
TR: Sie sprechen vom Roadrunner-System?
Gage: Nein, nein. Das ist einfach nur ein Haufen Opterons. Das ist einfach. So ähnlich wie Blue Gene. Wir machen so etwas Ähnliches in Tokio. Ich rede aber von etwas anderem. Wenn Sie hundertmal schneller werden wollen als diese Maschinen, dann müssen Sie etwas grundsätzlich verändern. Eines der Probleme mit Blue Gene ist, dass sie immer wieder kaputt geht. Los Alamos berichtet, dass das Ding zweimal am Tag abstürzt.
Sie haben viele Anwendungen, die sehr viel Speicher benötigen, so dass die gesamte Anwendung – beispielsweise eine hydrodynamische Simulation – im wesentlichen im Arbeitsspeicher existiert. Das können Sie nicht mit vielen kleinen Prozessoren machen, die nicht viel Speicher zur Verfügung haben.
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