Etwa 230 Millionen Menschen weltweit leiden heute unter Diabetes, für die kommenden 20 Jahre wird ein steiler Anstieg auf 350 Millionen vorausgesagt. Bei vielen Betroffenen ließe sich der Ausbruch der Krankheit verzögern oder gar verhindern. Als hilfreich gelten eine Ernährungsumstellung und mehr Bewegung, doch bislang ist den Bemühungen von Ärzten und öffentlichen Stellen für mehr Vorsorge wenig Erfolg beschieden gewesen.
In diesem Jahr aber ist ein potenziell mächtiges neues Werkzeug zur Diabetes-Prävention auf den Markt gekommen: Mit einem Test, entwickelt vom isländischen Unternehmen deCode Genetics und vermarktet von DNA Direct aus San Francisco, lässt sich überprüfen, ob eine Person eine bestimmte Gen-variante in sich trägt, die das Risiko für die Typ-2-Diabetes deutlich erhöht. Der Tests kann für 300 Dollar über eine Website bestellt werden.
Diabetes ist das Ergebnis einer komplexen Mischung aus genetischen und Umgebungsfaktoren. Neuere Studien haben allerdings mehrere Genvarianten identifiziert, die stark zum Auftreten der Krankheit beitragen. Diejenige mit dem offenbar größten Einfluss steckt in einem Gen mit der Bezeichnung TCF7L2: Liegt es einfach mutiert vor, bedeutet das ein leicht erhöhtes Diabetes-Risiko, zwei mutierte Gene verdoppeln die Wahrscheinlichkeit.
Die naheliegendsten Kunden für einen Test sind laut DNA-Direct-Chef Ryan Phelan Menschen, in deren Familie viele Diabetes-Fälle auftreten oder bei denen es frühe Warnzeichen wie hohe Blutzucker-werte gibt. Sogar Leute, die schon krank sind, könnten davon profitieren: Bei Patienten mit dem Risiko-Gen besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit dafür, dass häufig verschriebene Medikamente keine Wirkung zeigten. Gesunden Menschen allerdings würden Ärzte immer dasselbe raten, egal ob ihr Test negativ oder positiv ausfällt: Abspecken und Sport machen. Was also soll das Testen bringen? „Wenn Sie wissen, dass das Risiko bei Ihnen höher ist, werden Sie zu härteren Maßnahmen motiviert sein, sei es Abnehmen oder das Rauchen aufgeben“, sagt Phelan.
Manche sehen das anders. David Altshuler, Genetiker am Broad Institute und Diabetes-Arzt in Boston, würde Patienten den Test nach eigener Aussage nicht empfehlen ...
Neugierig geworden? Der vollständige Artikel erschien in der Print-Ausgabe 12/2007 von Technology Review und steht als kostenpflichtiges pdf im Heise Kiosk zum Download bereit.
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