Auf der Tokyo Motor Show stellt kein Hersteller den Megatrend unter Japans Herstellern besser dar als der Renault-Partner Nissan: Die Suche nach einer vernünftigen Automobilität der Zukunft soll möglichst dennoch Leidenschaft wecken. Als Hersteller braucht man beides, sagt Carlos Ghosn, Chef von Nissan und Renault und lässt daher beide Ideen auf der Nissan-Bühne präsentieren. Rechts lauert Nissans neuer Super-Sportwagen darauf, fachgerecht von Null auf Hundert Stundenkilometer in 3,7 Sekunden beschleunigt zu werden – und das für die Hälfte des Preises eines Porsche. Links lächelt ein Highlight der Zukunftstechnologie, ein knubbeliger Kabinenroller namens Pivo 2, der einen näheren Blick auf die eingesetzten Technologien lohnt.
Der Pivo 2 ist ein vierrädriger Dreisitzer mit einer um 360 Grad drehbaren Fahrgastzelle und um 90 Grad unabhängig drehbaren Rädern, dessen Kabinentür sich nach vorne öffnet. Im Inneren wacht ein Automat über das Wohlbefinden des Fahrers. Mit Abmessungen von 260 mal 200 Zentimetern im parkenden Zustand – beim Fahren verändert sich der Radstand sowohl der Länge als auch der Breite nach – nimmt er wenig Platz weg. Die Idee: Ein emotionaler wie emissionsloser Stadtflitzer, der das Fahren und Einparken zum Kinderspiel macht. Die drehbare Kabine wird dadurch ermöglicht, dass Lenken, Beschleunigen und Bremsen allesamt wie bei Flugzeugen "by-wire" erfolgen. Bei dieser Technik wird die Übertragung nicht mehr über Lenkstangen und Bremsseile, sondern über elektrische Signale erfolgt. "Dadurch konnten wir die Kabine vom Fahrzeugboden trennen", erklärt Go Fujimura, ein Ingenieur aus dem Entwicklungsteam. Einige der hier gezeigten Techniken, schätzt Fujimura, würden bereits in den kommenden Jahren in Nissans Autos zu sehen sein.
Neu sind auch Räder und Antrieb, erzählt Tadayuki Hatsuda, Experte aus dem Nissan-Labor für elektrische Antriebe. In jedem Rad arbeitet ein so genannter 3D-In-Wheel-Motor. Den Unterschied zu einem bisher von anderen Herstellern verwendeten "zweidimensionalem" Motor im Rad erklärt Hatsuda wie folgt: Ein In-Wheel-Motor besteht aus Rotoren und einem Stator, an dem das eigentliche Rad befestigt ist. Die Verschränkung findet durch die Aktivierung eines Magnetfeldes statt. Bei einem "2D-Motor" ist der Rotor um die Radnarbe herum angebracht, während der Stator vereinfacht gesagt unter der Felge sitzt. Bei Nissans "3D-Motor" hingegen sind sowohl die Rotoren als auch der Stator scheibenförmig. Der Stator ist in diesem Fall zwischen den Rotoren im Sandwich-Prinzip angebracht. Diese Konstruktion soll die Effizienz erhöhen und das Gesamtgewicht des In-Wheel-Motors verringern.
Da durch diesen Antrieb Lenk- und Antriebsstangen überflüssig sind, konnten die Räder extrem drehbar, einzeln steuerbar und sowohl nach vorne und hinten als auch seitwärts beweglich angebracht werden. Nissan nennt dies "Metamo-System" – ein Auto mit Metamorphose-Möglichkeit. Dadurch können die Räder ihre Position je nach Fahrsituation ändern, um eine gleichmäßige Gewichtsverteilung zu gewährleisten und das Neigen der Fahrkabine beim Anfahren, Bremsen und der Kurvenfahrt zu vermindern. Beim Beschleunigen bewegen sich die einzeln an Stangen angebrachten Räder nach hinten, beim Bremsen nach vorn, in Kurven nach außen, so dass sich die Kabine wie ein Beifahrer beim Motorradrennen nach außen zu lehnen scheint.
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