Die Kauffman-Stiftung ist vom Provinzmäzen zum weltweiten Förderer des freien Unternehmertums aufgestiegen. Das Erfolgsgeheimnis liegt in punktueller Förderung von unternehmerischem Denken und Innovationsfreude.
Studenten der Arizona State University (ASU) in Phoenix kommen am Thema Unternehmertum und Kommerzialisierung beim besten Willen nicht mehr vorbei. Die öffentliche Hochschule hat der Starthilfe für Gründer in den vergangenen Jahren eine zentrale Stellung in jedem Fachbereich und jedem Lehrplan eingeräumt. Rund 10000 Erstsemester beginnen seitdem ihre Ausbildung regelmäßig mit einem Grundkurs, der ihnen die Universität als Wissensfabrik nahebringt. Forschungsergebnisse, so die Botschaft, sind dazu da, schnellstens in Produkte und Dienstleistungen umgesetzt zu werden, um Arbeitsplätze zu schaffen und die Volkswirtschaft voranzubringen. Fragt man ASU-Managerin Kimberly Loui nach dem Anstoß für diesen Wandel, muss sie nicht lange nachdenken: „Die Kauffman-Stiftung hat uns dabei maßgeblich beeinflusst“ – unter anderem durch einen Zuschuss von fünf Millionen Dollar.
Die Kauffman-Stiftung? In Europa ruft die Erwähnung dieser Institution meist ratlose Gesichter hervor. Dabei ist die Ewing Marion Kauffman Foundation mit Sitz in Kansas City eine weltweit einzigartige Einrichtung, die mittlerweile auch weit über die USA hinaus Wellen schlägt. Ihr Daseinszweck ist die Förderung unternehmerischen Denkens und Handelns von Kindesbeinen an. Die Kunde vom guten Kapitalismus verbreitet eine Institution von gerade einmal 90 Botschaftern, die fast alle aus dem Wirtschaftsleben kommen. Durch ihren guten Ruf hat die Kauffman Foundation eine Hebelwirkung entwickelt, die ihr relativ bescheidenes Jahresbudget von 90 Millionen Dollar weit übersteigt.
Arizona State ist eine von 19 Vorzeige-Unis in den USA, an denen die Foundation beispielhaft demonstriert, wie mit wenig Fördergeld eine umfassende Reform möglich ist. Die Zusammenarbeit begann im Januar 2007, berichtet ASU-Managerin Loui, und hat den gesamten Kontext verändert, in dem ihre Hochschule das Thema Unternehmertum angeht. „Was vorher Teil der Business School war, ist jetzt zum Bestandteil unserer akademischen Kultur geworden – quer durch alle Fachbereiche.“ So gibt es in Phoenix seit Neuestem als Teil der Krankenpfleger-Schule ein Zentrum für Innovation im Gesundheitswesen und klinische Studien; die Journalistenschule besitzt ein Zentrum für Unternehmertum in digitalen Medien sowie ein Innovationslabor; der Fachbereich darstellende Künste hat ein Programm für „Venture Experience“, in dem Studenten Geschäftsmodelle und Software für Film, Theater und Ausstellungen entwickeln. Die juristische Fakultät schließlich hat einen eigenen Dienstleistungs-Inkubator, der Technologiefirmen berät. Zudem wurde gemeinsam mit der Kommune Phoenix, Wagniskapitalgebern und Technologie-Unternehmen das Innovationszentrum SkySong aus dem Wüstensand gestampft.
Das Gründerfieber an der ASU ist Ansporn für andere Universitäten, sagt Lesa Mitchell, die bei der Kauffman-Stiftung das Thema Innovation leitet. „Ein interdisziplinärer Campus besitzt Signalwirkung. Genau das ist das Geheimnis unserer Hebelwirkung.“ Arizona State hat in den vergangenen drei Jahren 22 Fachbereiche in Kurse und Forschung rund ums Unternehmertum eingebunden, 91 Studentenfirmen ausgegründet, ist Partnerschaften mit 42 Unternehmen eingegangen und hat mehr als 1000 freiwillige Mentoren und Berater aus dem Wirtschaftsleben gewonnen, die den Weg in die Selbstständigkeit weisen. „So bekommen auch Dozenten und Studenten, die sonst nie über die Möglichkeit der Kommerzialisierung nachdenken würden, bei jeder sich bietenden Gelegenheit einen Fingerzeig, was machbar ist“, beschreibt Mitchell den Effekt.
Hilfe zur Selbsthilfe – genau das schwebte dem ehemaligen Pharmavertreter Ewing Marion Kauffman vor, als er 1966 eine gemeinnützige Einrichtung gründete, um die Ausbildung benachteiligter Kinder und Jugendlicher zu fördern. Kauffmans Leben ist selbst eine Verwirklichung des amerikanischen Traums vom „Tellerwäscher zum Millionär“: 1950 gründete er mit 5000 Dollar Startkapital die Marion Laboratories im Keller seines Hauses in Kansas City. Als er das Unternehmen 1990 an Merrell Dow verkaufte, konnte es eine Milliarde Dollar Umsatz und mehr als 3000 Mitarbeiter vorweisen. Der Gedanke, dass sich jeder durch gute Ideen und harte Arbeit nach oben kämpfen kann, wenn man ihm nur eine faire Chance gibt, lebt in der Stiftung fort, denn sie propagiert Privatunternehmer als die treibende, wenn nicht einzige wirksame Kraft für Innovation, Wirtschaftswachstum und gesellschaftliches Wohlergehen.
Die Kauffman-Stiftung kann zur Propagierung des freien Marktes die Erträge aus einem Vermögen von rund 1,6 Milliarden Dollar einsetzen. Kauffman stattete seine Stiftung 1990 mit einem Kapitalstock von 700 Millionen Dollar aus, der sich bis 2007 dank guter Investitionen und allgemeiner Börsenhausse auf 2,4 Milliarden vermehrt hatte. Daraus speist sich ein jährliches Budget von rund 90 Millionen Dollar an Fördermitteln und laufenden Kosten – im Vergleich zu anderen US-Stiftungen reicher Industrieller ein Klacks. Die Bill und Melinda Gates Stiftung etwa hatte Ende 2007 rund 38 Milliarden Dollar auf der Bank.
Seit der Jurist und Unternehmer Carl Schramm 2002 die Leitung der Kauffman-Stiftung übernahm, lebt sie auch selbst Erfindergeist vor. Davor gehörten ihre Betriebskosten unter anderem wegen eines übermäßig aufgeblähten Wasserkopfs prozentual zu den höchsten aller Stiftungen, was nicht gerade von Unternehmertum zeugte und eine entsprechend schlechte Presse verursachte. Schramm kappte die Hälfte der Belegschaft sowie viele der bestehenden Stipendien. Da von den radikalen Einschnitten überwiegend örtliche Einrichtungen rund um den Heimatsitz Kansas City betroffen waren, ermittelte zeitweilig sogar der Justizminister im unmittelbar benachbarten US-Staat Missouri, ob die schlankere und verjüngte Stiftung ihre Vereinssatzung verletzte. Die Untersuchung fiel negativ aus – und Schramms Team ist seitdem dabei, zu breit angelegte Bildungsprogramme zurechtzustutzen....
Neugierig geworden? Der vollständige Artikel erschien in der Print-Ausgabe 07/2009 von Technology Review und steht als kostenpflichtiges pdf im Heise Kiosk zum Download bereit.
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