Das Geheimnis seines Erfolges
15.10.08 – David Talbot
Wenn es nach Joe Trippi geht, war das Rennen spätestens am 4. März 2008 gelaufen. An diesem Tag, dem zweiten sogenannten Super Tuesday im Kampf um die Nominierung als Kandidat bei der US-Präsidentschaftswahl im November, stand bei den Demokraten die Entscheidung in vier Bundesstaaten an. Die meisten Stimmen waren in Texas zu holen, wo die Partei-Anhänger zuerst in Wahllokalen abstimmen und dann ein weiteres Mal bei Versammlungen, den sogenannten Caucuses.
Hillary Clinton hatte in Texas etwa 20000 freiwillige Helfer. 104000 Texaner aber hatten sich über dessen Sozialnetz-Dienst www.my.barackobama.com („MyBO“) als Unterstützer für Barack Obama registriert, sagt Trippi, der 2004 den Wahlkampf des demokratischen Kandidaten Howard Dean geleitet hatte. Schon vorher hatte Obama mithilfe seiner Website Erfolge gefeiert – und unter anderem mit 55 Millionen Dollar in einem Monat einen Rekord im Auftreiben politischer Spenden aufgestellt. Als er per E-Mail von Obamas Freiwilligenzahlen in Texas erfuhr, erinnert sich Trippi, habe er nur noch gedacht „Spiel, Satz und Sieg – es ist vorbei“.
Denn Obamas Team konnte seine vielen Helfer quasi mühelos mobilisieren. Die Datenbanken hinter MyBO gaben bereitwillig Listen der Freiwilligen in Texas aus, sortiert nach kleinsten geografischen Einheiten. So ließen sich die Helfer vor Ort dort einsetzen, wo sie am meisten ausrichten konnten. „Man ging einfach online und hat die Namen, Adressen und Telefonnummern von hundert Leuten in der Nachbarschaft heruntergeladen. Die konnte man dann gezielt auf die Wahl ansprechen. Jeder am heimischen PC war aufgerufen, Broschüren herunterzuladen und auszudrucken“, erklärt Trippi.
Clinton gewann die eigentliche Vorwahl mit 51 zu 47 Prozent. Aber das Kandidaten-Wahlrecht in Texas ist höchst kompliziert – nach der Schließung der Vorwahl-Lokale finden die Caucuses statt, über die etwa ein Drittel der Delegierten für die endgültige Kandidaten-Kür bestimmt wird. Obamas Anhänger, unterstützt von MyBO, dominierten diese oft chaotischen Versammlungen so sehr, dass er Texas letztlich mit 99 zu 94 Stimmen gewann. Dadurch war Clintons Sieg vom selben Tag in Ohio fast neutralisiert – sie hatte ihre letzte große Chance verpasst, Obama zu stoppen. „Bill Clintons Wahlspruch 1992 war: ,Es ist die Wirtschaft, Dummkopf‘. Dieses Mal müsste es heißen: ,Es ist das Netzwerk, Dummkopf‘“, sagt Trippi.
Während der ganzen Vorwahlkampagne hat Obama die neuen Medien dominiert. Dabei half ihm das Zusammenlaufen zweier Trends: 55 Prozent der US-Bürger haben heute einen Breitband-Internetanschluss, doppelt so viele wie noch 2004. Zugleich sind mittlerweile viele Leute mit der Nutzung von sozialen Netzen...
