17.06.09
Infotech | Telekommunikation

Das Handy für die Frau

Von Wolfgang Stieler

3611 Zeichen

Druck | Leserbrief | Weitermailen | Heft bestellen

Infotech | Telekommunikation

The Latest

Chronologie | Glossar | Grundlagen | Big Picture | Akteure

Links | Literatur | Foren

Forschung & Produkte  | Horizonte | Analyse & Meinung  | Fokus | Interviews

Die Designforscherin Gesche Joost ist auf der Suche nach dem individuell perfekten Mobiltelefon.

TR: Frau Joost, wenn Sie erzählen, dass Sie für die Telekom Designforschung betreiben, wie oft provozieren Sie da ein Stirnrunzeln? Oder gar ein ironisches Lachen?

Gesche Joost: Ironisches Lachen passiert zum Glück wenig. Aber Stirnrunzeln haben wir schon sehr oft als Reaktion erlebt. Das liegt daran, dass Designforschung hier in Deutschland wenig etabliert ist. Es gab zwar Ansätze dazu, etwa im Bauhaus, aber Sie finden das heute eher in den USA oder in Skandinavien.

Aber die Telekom sieht da Nachholbedarf?

Absolut. Weltweit befindet sich dieses Forschungsgebiet im Aufschwung. Das liegt meiner Meinung nach daran, dass technische Entwicklung mittlerweile oft an den Punkt kommt, wo die Übersetzung in Produkte sehr schwierig wird. Genau diese Leerstelle kann Design füllen. Design ist der Faktor, der oft fehlt, um technische Innovationen so zu übersetzen, dass sie wirklich nutzbar werden. Eben nicht in dem Sinne von: Ich mach das jetzt mal ein bisschen schön, oder ich mache das rosa. Das ist mir persönlich vollkommen egal.

Haben Sie denn tatsächlich Einfluss auf die Produktentwicklung? Ja. Auch wenn unsere Messlatte die wissenschaftlichen Ergebnisse sind. Unser primäres Interesse ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse zu publizieren und auf Konferenzen zu vertreten. Die T-Labs funktionieren nach dem Prinzip der „Open Innovation“ – wir laden Wissenschaftler ein und veröffentlichen unsere Ergebnisse. Und genauso gehen wir auch in die verschiedenen Einheiten der Telekom hinein. Wir schauen, ob das, was wir machen, in die Entwicklungen passt, die dort gerade geplant sind.

Und wie reagieren die Kollegen?

Unsere Arbeit wird sehr ernst genommen. Weil wir meistens nachweisen können, dass die Dinge, die wir entwickeln, auch technisch machbar sind. Mit der konkreten Produktentwicklung haben wir aber dann direkt nichts mehr zu tun. Wir geben nur die Ideen rein. Ergebnisse aus der Forschung werden in der Entwicklung direkt aufgegriffen und werden dann in der Innovationsentwicklung bis zum marktreifen Produkt weitergetrieben – in enger Zusammenarbeit mit dem Konzern und seinen strategischen Geschäftsfeldern. 

Wenn gutes Aussehen nicht wichtig ist, warum hat dann Apple mit dem iPhone so viel Erfolg gehabt?

Ästhetik ist ein wichtiger Faktor. Aber es gibt einen großen Unterschied zwischen einem hübschen Gerät und einem geschlossenen Design-Konzept. An einem geschlossenen Design-Konzept bin ich sehr interessiert. Das bedeutet aber, dass man Hard- und Software als eine Einheit begreift. Da war Apple unglaublich konsequent. Und wir fangen gerade erst an zu begreifen, was das für Nutzungskonzepte bedeutet. Wir haben beim iPhone zum Beispiel eine völlig neue Art der Taktilität – des Fühlens und Begreifens.

Interessantes Stichwort. Ich habe gelesen, Sie forschen an einem Handy mit Herzschlag. Warum das?

Handys sind heute so gemacht, dass man benachrichtigt wird, wenn ein Ereignis eingetreten ist. Wenn mich jemand sprechen will, klingelt das Telefon. Das klappt ja auch ganz gut, hat aber den Nachteil, dass man dauernd nachschaut, ob man irgendwas verpasst hat. Es gibt sogar schon ein Krankheitsbild dazu – das Phantomklingeln: Wenn irgendwo ein Telefon klingelt, meint man, den Vibrationsalarm ...

Neugierig geworden? Weiterlesen in der Print-Ausgabe 7/09 von Technology Review - ab dem 18.06. am Kiosk zu haben. Das Heft kann man aber auch hier online portokostenfrei bestellen.

3611 Zeichen

Druck | Leserbrief | Weitermailen | Heft bestellen