Obwohl die Nanotechnologie noch in einer sehr frühen Phase steckt, schätzen Experten, dass sich mit Nano-Methoden erzeugte Materialien bereits in bis zu 700 Produkten finden. Die wachsende Präsenz der neuen Technik führt zum Bedürfnis seitens der Behörden, Umwelt- und Gesundheitseffekte dieser neuen Materialien zu überwachen – und sie entsprechend zu regulieren. Von der Dosierung dieser Regulierungsbemühungen dürften bald ganze US-Industriezweige abhängen. Derzeit sieht es allerdings danach aus, dass es in den Vereinigten Staaten an Ressourcen fehlt, das stark wachsende Feld zu überwachen.
Anfang Dezember veröffentlichte die US-Umweltbehörde EPA ein Entwurfspapier, dass die Umwelt- und Gesundheitsaspekte der Nanotechnologie erfassen sollte. Laut Andrew Maynard, Senior Science Advisor beim überparteilichen Woodrow Wilson Institute in Washington, ist es die bislang breiteste Faktensammlung wissenschaftlicher Bedenken zum Thema, enthält aber zum Ausgleich auch eine starke Analyse, wie die Nanotechnologie Umweltschutz und den Gesundheitsbereich vorantreiben könnte.
Dennoch: Die möglichen Probleme sind so breit, dass sie wohl über die Kompetenzen einer einzigen Regierungsbehörde hinausgehen, wie Maynard sagt. Die EPA hat sich noch nicht genau entschieden, wie sie Nano- Materialien regulieren will. Die Substanzen dürften jedoch wohl unter das bestehende Umweltrecht fallen – was bedeutet, dass die EPA Mittel aus bisherigen Programmen verwenden müsste, was viele Kritiker für nicht ausreichend halten.
Das Thema dürfte auch deshalb bei der EPA landen, weil es dem "Office of Pollution Prevention and Toxics", einer weiteren möglicherweise zuständigen US-Behörde, an Geldern und Personal fehlt, die Nanoherstellung direkt zu überwachen, wie Mark Greenwood meint, der bei der EPA im Bereich Toxikologie arbeitete, bevor er Partner in einer Washingtoner Anwaltskanzlei wurde, die sich auf Umweltrecht spezialisiert hat.
Wenn die EPA nicht richtig reguliert, könnte es vorkommen, dass Nano- Produkte in den Handel kommen, die sich später als unsicher erweisen. Die Angst der Nanotech-Befürworter: Sollte es nur ein solches gesundheitsschädliches Produkt geben, könnte das schnell zu einem negativen Image der Technik beim Konsumenten führen. Dann müssten womöglich Milliarden Dollar an Profiten und Forschungsgelder abgeschrieben werden – ebenso wie weitere Nanotech-Produkte, die womöglich große Vorteile für Gesundheit und Umwelt gehabt hätten – etwa in der Krebsbekämpfung oder bei der Entsorgung schädlicher Materialien.
Die Nanotechnologie ist definitiv eine regulatorische Herausforderung. Viele Nanopartikel basieren auf den gleichen chemischen Grundstoffen wie heutige Produkte, die bereits reguliert werden. Allerdings ergeben sich aus ihrer veränderten physischen Struktur, die sie für neue Anwendungen überhaupt erst interessant macht, völlig andere Eigenschaften.
Aus reinem Kohlenstoff, wie man ihn beispielsweise im Graphit eines Bleistiftes verwendet, kann durch die Veränderung seiner Gitterstruktur ein Diamant gemacht werden. In der Nanotechnologie wird Kohlenstoff gerne in Fußball-förmige Fullerene verwandelt – oder aber in ihre nahen Verwandten, die Nanoröhrchen. Die Eigenschaften dieser Röhrchen machen sie für die verschiedensten Anwendungsformen interessant – sei es nun High-Performance-Computing, Fotovoltaik oder Medikamentendosierung. Gleichzeitig können diese Eigenschaften (und ihre geringe Größe) Nanoröhrchen auch gefährlich machen, wenn sie an die Luft oder ins Wasser gelangen.
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