Wenn alle Fullerene gleich wären, meinen Forscher, wäre es relativ leicht, ihre Auswirkungen auf Mensch und Umwelt zu untersuchen. Doch dem ist nicht so. Verschiedene Herstellungsmethoden können die unterschiedlichsten Produkte erzeugen, die beispielsweise verschiedene Reinheitsgrade haben. Gleichzeitig verändern Forscher ständig die Oberflächen dieser Partikel, um neue Eigenschaften zu erzielen.
Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Arten von Fullerenen könnten der Grund für sich anscheinend widersprechende Forschungsergebnisse sein, die in jüngster Zeit auftauchten, wie Richard Denison, Seniorwissenschaftler bei der Umweltschutzorganisation Environmental Defense in Washington, sagt. Einige Studien zeigen so, dass Fullerene leistungsfähige Anti- Oxidationsmittel sind, die sich für die Zellgesundheit nutzen lassen, um freie Radikale zu neutralisieren. Andere Forschungsarbeiten besagen hingegen, dass sich Fullerene als Oxidationsmittel erweisen, die sogar in das Gehirn vordringen und Zellwände zerstören können.
Sollte der Regulierer nur auf Forschungsarbeiten setzen, die die potenziell gefährlichen Eigenschaften hervorheben, würden die Kunden wohl nie die positiven Eigenschaften anderer Fullerene kennenlernen. Umgekehrt wäre z.B. die Verwendung falscher Fullerene als Anti- Oxidationsmittel gefährlich.
Genau hier kommt das politische Problem: Sind die Regulierungsbemühungen unterfinanziert, werden diese Unterschiede womöglich nicht wahrgenommen, wie Maynard und andere fürchten. Eine Überregulierung könnte auf der anderen Seite Innovationen beschneiden und neue Produkte verhindern. Dennoch ist ein adäquates Maß an Untersuchungen und Regulierung notwendig, damit Ökosysteme bewahrt werden oder Kundenängste den Fortschritt behindern. "Wir können es uns nicht leisten, hier Fehler zu machen", meint Maynard. Ginge etwas schief, stünden nicht nur Umwelt und Gesundheit auf dem Spiel, sondern ganze Industrien.
Ex-EPA-Mann Greenwood glaubt jedoch daran, dass das "Office of Pollution Prevention and Toxics" wohl die Nanotechnologie kontrollieren dürfte. Die Aufgabe der Behörde ist die Durchsetzung des US-Bundesgesetzes zur Kontrolle giftiger Substanzen. Sie kontrolliert neue Chemikalien, war aber besonders in den letzten Jahren schmerzhaft unterfinanziert, wie Greenwood meint. "Ich glaube nicht, dass der bisherige Ansatz mit der Komplexität, der Verschiedenartigkeit und den Forschungsbedürfnissen der Nanotechnologie umgehen kann, außer es kommt zu einer großen Aufstockung der Mittel", sagt er.
Denison sieht das ähnlich. Seine Umweltschutzgruppe Environmental Defense schlägt daher vor, zehn Prozent des Budgets der Nationalen Nanotechnologie-Initiative der USA zum Studium der Auswirkungen der Nanotechnologie auf Umwelt, Gesundheit und soziale Systeme einzusetzen. (Insgesamt stehen dem Bundesprogramm eine Milliarde Dollar zur Verfügung.) Andere Gruppen meinen, dass die Mittel noch deutlich höher sein müssten. Derzeit werden nicht mehr als vier Prozent der Nanotech-Milliarde für solche Untersuchungen ausgegeben.
Neben einer besseren Finanzierung sei auch eine bessere Koordination der einzelnen Behörden nötig, meint Denison. Die Größe des Problems rufe gar nach internationaler Zusammenarbeit: "Was hier an Forschungsarbeit geleistet werden muss, geht über das hinaus, was ein einzelnes Land leisten kann."
Die beginnende Regulierung dürfte schnell Auswirkungen auf kleinere Nanotech-Startups haben. Materialtests könnten künftig zeitaufwendig und teuer werden. Da die Regulierung jedoch unvermeidlich und auch notwendig ist, müssten sich solch innovative Neugründungen mit anderen, größeren Firmen zusammentun, um die regulatorischen Ansprüche zu erfüllen.
Eine andere Möglichkeit wäre ein von der Regierung (oder der Industrie) aufgelegter Fonds, der den kleineren Marktteilnehmern helfen würde, sich durch das regulatorische Geflecht zu bewegen, bevor sie erste Gewinne schreiben. "Es gibt jetzt die Chance, die Vorteile dieser Technologie zu nutzen, während wir gleichzeitig ein öffentliches Vertrauen in sie aufbauen", sagt Denison. Doch das werde schwierig: "Es wird ein sehr feiner Balanceakt."
Von Kevin Bullis; Übersetzung: Ben Schwan.
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