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Die amerikanische National Science Foundation (NSF), die zu den Gründervätern des Internet gehört, will viel Geld in neue Forschungsprojekte stecken, die das Netz sicherer und innovationsfreundlicher machen sollen. Erste Ansätze existieren bereits – beispielsweise PlanetLab, ein Gemeinschaftsprojekt von rund 1000 Forschern an 300 Institutionen auf der ganzen Welt, die an einem neuen "Overlay"-Netz arbeiten. Die dabei verwendete Routing-Technologie soll es Internet-Anbietern leichter machen, den Datenverkehr besser zu verteilen und Datenschädlinge schneller zu erkennen.
Direktor von PlanetLab ist Larry Peterson, Informatiker an der Princeton University. Im Gespräch mit Technology Review erklärt er die Hintergründe der von der NSF geförderten PlanetLab-Entwicklung "Global Environment for Networking Investigations", kurz "GENI".
Technology Review: Die Probleme des Internets sind weitläufig bekannt. Welche grundlegenden Sichtweisen gibt es, sie auf der technischen Ebene zu beheben?
Larry Peterson: Die Schaffung eines Internet der Zukunft, das die Anforderungen des 21. Jahrhunderts erfüllt, wird allgemein als nationale Priorität wie auch als Chance und Herausforderung für die Forschung begriffen. Allerdings gibt es zwei Denkschulen, wie dies zu erreichen ist.
Eine Sicht der Dinge ist, dass wir uns derzeit an einem Wendepunkt befinden, was die gesellschaftliche Nützlichkeit des Internet anbetrifft: Das Vertrauen in das Netz lässt nach, die Innovation verlangsamt sich und Neuentwicklungen finden seltener statt als früher. Wer das so sieht, meint, dass die heutzutage bereits 30 Jahre alte Architektur des Netzes nicht mehr ausreicht, mit neuen Problemen und Herausforderungen fertig zu werden. Demnach wäre es also Zeit für einen vollständigen Neuanfang bei der Internet-Architektur – einen "clean slate"-Ansatz.
Die andere Sicht der Dinge nimmt das heutige Internet als gegeben hin. Zukünftige Innovationen kommen demnach nur in Form neuer Dienste und Anwendungen vor, die auf dem aktuellen Netz aufsetzen. Diese Neuerungen führen schließlich nach einiger Zeit zu Veränderungen im gesamten Internet. Wer die Lage so sieht, meint jedoch nicht, dass es praktikabel wäre, die gesamte heutige Infrastruktur zu ersetzen.
TR: Wenn man "clean slate"-Ansatz liest, könnte man meinen, dass Sie für die Ersetzung der heutigen Internet-Infrastruktur sind. Ist dem so?
Peterson: Nein. Ich interpretiere das Internet der Zukunft sehr breit – es wird Neuerungen auf allen Ebenen der Architektur geben. Neue Forschungsergebnisse werden sowohl zu alternativen Protokollen als auch zu neuen Strukturen führen, die im bestehenden Netzwerk laufen. Neue Anwendungen und Dienste könnten außerdem auf dem heutigen Internet aufsetzen. All diese Ebenen formen das Internet der Zukunft.
Ich bin durchaus dafür, dass Wissenschaftler ihren "Clean Slate"- Ansatz nicht vom bestehenden Internet verwässern lassen, doch das heißt nicht, dass das Ergebnis tatsächlich ein vollständig neues Internet wäre. Mit anderen Worten: Der "Clean Slate"-Ansatz ist ein Prozess, nicht das Endergebnis.
Verschiedene Forscher werden verschiedene Aspekte des heutigen Internet nutzen und gleichzeitig Alternativen zu anderen Elementen suchen. Es wird sicher interessante Möglichkeiten an der Grenze dieser beiden Perspektiven geben. Wir werden feststellen, wie sich die heutige Architektur am besten mit der Zeit weiterentwickeln muss, um neue "Overlay"-Dienste besser zu unterstützen.
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