Bild: Marcelo Coelho und Amit Zoran
MIT-Forscher arbeiten an einem Gerät, mit dem Nahrungsmittel schichtweise nach einem computergesteuerten Bauplan produziert werden können.
Rapid Prototyping (RP) gilt als eine der Technologien, die die Zukunft der industriellen Fertigung radikal verändern könnten: Relativ kompakte Geräte, die sich nahezu jeder leisten kann, sollen in einigen Jahren vollständige Produkte aus Kunststoff, Glas oder Metall ausspucken, deren Baupläne ganz einfach aus dem Internet heruntergeladen werden. Bei den bereits verfügbaren Maschinen, die heute im Produktdesign, zur Prototypenherstellung oder zur Fertigung von Kleinserien Verwendung finden, kommen spezielle Druckverfahren, Spritzgusssysteme oder auch laserbearbeitete Polymerblöcke zum Einsatz, die das Herausarbeiten feinster Details erlauben.
Forscher am Media Lab des Massachusetts Institute of Technology (MIT) im amerikanischen Cambridge wollen RP-Technologien nun auf die Essensfertigung übertragen. Sie haben das Konzept eines sogenannten 3D Food Printers entwickelt, der dem Hausmann (oder der Hausfrau) von Morgen beim Kochen zur Hand gehen soll. "Cornucopia" (zu Deutsch: Füllhorn) genannt. Das von den Forschern Marcelo Coelho und Amit Zoran erdachte Gerät speist sich aus insgesamt 12 austauschbaren Containern, die vorher mit den wichtigsten Zutaten befüllt werden, die sich der Nutzer auswählen darf. Sie werden automatisch gekühlt und frisch gehalten. Die Steuerung erfolgt über einen außen angebrachten Touchscreen, der in Echtzeit eine Manipulation der Nährwerte zulässt. "Cornucopia ist eine persönliche Nahrungsmittelfabrik, die die Vielseitigkeit der digitalen Welt in das Reich des Kochens holt", schreiben Coelho und Zoran in ihrer Projektbeschreibung.
Im Inneren der kastenförmigen Maschine erfolgt der Aufbau der gewünschten Speisen nach dem Tintenstrahlprinzip: Dreidimensional bauen Spezialdüsen das Gericht Schicht um Schicht zusammen. Sie können, falls nötig, die Zutaten in einem Aufwasch auch schneiden, schaumig schlagen oder vor dem Auftragen kombinieren. Der Koch- oder Backvorgang lässt sich aufs Genaueste regeln: Einzeln erhitz- oder abkühlbare thermoelektrische Plättchen auf Boden und Wand des Gerätes sorgen für das gewünschte Ergebnis. Auch die Düsen können vorgeheizt oder gefrostet werden – sogar per Laser. Gesteuert wird Cornucopia über einen vorher definierten, dreidimensionalen Bauplan. Dessen Erstellung erfolgt über eine Spezialsoftware – Internet-Anbindung zum Austausch unter Nutzergruppen in sozialen Netzwerken inklusive. "Durch die enge Web-Integration könnten Ärzte überwachen, was ihre Patienten essen und Nutzer ihre Cornucopia-Rezepte mit anderen Nutzern teilen oder sie verkaufen."
Noch ist der "Futterdrucker" allerdings nur ein (wenn auch durchgearbeitetes) Konzept, das optisch leidlich futuristisch wirkt. Eine Umsetzbarkeit halten Zoran und Coelho aber durchaus mit heutiger Technik für möglich. Sie erwägen derzeit den Bau von Prototypen, allerdings dürften die futuristische Komponenten auch ihren Preis haben. Doch allein das Gedankenexperiment reizt sie: Besonders spannend finden die MIT-Forscher, dass ein System wie Cornucopia Nahrungsmittel erzeugen könnte, die es in dieser Form noch nicht gibt. Hervé This, Chmemiker und Pionier der so genannten "molekularen Küche" hatte gemeinsam mit Volker Hessel vom Mainzer Institut für Mikrotechnik bereits 2003 einen frühen Vorläufer dieses Systems gefertigt. Die "Pianocktail" genannte Maschine, die computergesteuert Schäume oder Dispersionen herstellen kann, sollte über 100 Millionen "neue Rezepte" ausprobieren. Doch über einen ersten Demonstrator, der an der Bar ein paar exotische Drinks mixte, ist die Idee nicht hinausgekommen, weil sich kein Industriepartner fand, der das Projekt weiter vorantreiben wollte.
Das soll diesmal anders werden: "Der Herstellungsprozess erlaubt die Schaffung ganz neuer Geschmacksrichtungen und Texturen, die mit anderen Kochtechniken unmöglich wären." Durch das "hyperlokale" Erhitzen einzelner Bereiche einer Speise und die Möglichkeit schneller Temperaturwechsel, die auf einem Herd nie möglich wären, ergeben sich ganz neue Kochtechniken. Außerdem könnte der Benutzer künftig Qualität, Herkunft der Zutaten und Nährstoffgehalt auf das Genaueste kontrollieren, hoffen Coelho und Zoran. Man nehme nie mehr zu viel Kalorien zu sich, wenn man das nicht wünsche. Dass ihr Projekt ein bisschen an den Replikator aus "Raumschiff Enterprise" erinnert ("Computer – Tee, Earl Grey, heiß") – um so besser, meinen die Forscher.
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