Neue Mikrokopter mit acht Rotoren lassen Modellflieger-Herzen höherschlagen. Aber auch Polizei und Militär interessieren sich zunehmend für die wendigen Geräte als Aufklärungshilfe.
Nach einigen Tagen Werkstatt-Arbeit kam der ersehnte Moment, in dem „Kopter“ sein erworbenes Modell-Fluggerät abheben ließ. Das Ergebnis war verblüffend, wie der Bastlerneuling im Internetforum beeindruckt schildert: „Als die Motoren das erste Mal angelassen wurden, hielt ich ihn sicherheitshalber in der Hand, um alle Funktionen zu überprüfen. Nachdem alles in Ordnung war, startete er vom Boden aus. Einfach genial, der Mikrokopter stand wie angenagelt in der Luft, reagierte dennoch sehr gut und direkt auf meine Steuerbefehle.“ Nur von einem angenehmen Sirren begleitet, hält sich das insektenartige Gerät minutenlang in seiner Position: zwei über Kreuz montierte Aluminium-Stäbe, an deren insgesamt vier Enden sich jeweils ein Plastikpropeller horizontal um seine Achse dreht. Holger Buss würde sie eher als Rotoren bezeichnen, und die ganze Flugmaschine nennt er schlicht einen Mikrokopter.
Zusammen mit seinem Kollegen Ingo Busker hat der Ingenieur vor drei Jahren in der Modellflugszene eine neue Bewegung in Gang gesetzt. Zwar experimentierte schon der französische Luftfahrtpionier Étienne Oehmichen in den 1920er-Jahren mit dem vierrotorigen Flugprinzip und baute eine große Maschine, deren Propeller sich horizontal drehten und mit der er 1922 sogar zu einem bemannten Flug startete. Doch diese Art des Fliegens setzte sich in der Folgezeit nicht durch. Erst im Jahr 2006 holten die beiden deutschen Ingenieure das Bauprinzip wieder hervor und setzten es in verkleinerter Form bei Modellfliegern um. Mitte 2007 schwebte dann der erste viermotorige Mikrokopter neuer Bauart – ein Quadrokopter – über dem Boden. Seither tauchen immer mehr dieser kleinen Drehflügler am deutschen Himmel auf. Dank raffinierter Elektronik und feinster Sensoren fliegen die wendigen Geräte immer besser und erfreuen sich wachsender Beliebtheit unter Modellfliegern.
Im Mai dieses Jahr brachten Buss und Busker mit ihrem Unternehmen HiSystems den ersten Mikrokopter mit acht Motoren auf den Markt – einen sogenannten Oktokopter. Der Clou: Er bleibt sogar noch dann in der Luft, wenn vier Rotoren ausfallen – es sollten allerdings höchstens zwei pro Gerätehälfte und maximal zwei nebeneinander sein. So kann der Oktokopter zum Beispiel trotz einer Kollision mit einem Baum noch sicher landen, während beim Quadrokopter besser keiner der Antriebe ausfällt. Darüber hinaus kann der Oktokopter größere, bis zu 1,5 Kilogramm schwere Lasten transportieren und in speziellen, nachrüstbaren Halterungen zum Beispiel nicht nur ganz leichte, sondern auch größere Digitalkameras für Luftaufnahmen mitnehmen. Beide Wünsche hatte die Bastlergemeinde an Buss und Busker herangetragen...
Neugierig geworden? Der vollständige Artikel erschien in der Print-Ausgabe 12/2009 von Technology Review und steht als kostenpflichtiges pdf im Heise Kiosk zum Download bereit.
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