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Mit seiner Unterstützung für das webbasierte Open-Source-Betriebssystem eyeOS will IBM dem Cloud Computing einen entscheidenden Schub geben.
Das Ende der Desktop-Betriebssysteme ist schon häufig vorausgesagt worden. Deren Datendienste – Programme, Speicher, Dateiverwaltung – könnten effizienter im Internet vorgehalten und über Webbrowser aufgerufen werden. Bislang hat sich aber kein webbasiertes System durchgesetzt. Das soll sich nun ändern: IBM unterstützt ab sofort das Open-Source-System eyeOS und liefert es vorinstalliert auf Mainframe-Rechnern mit. Damit will der IT-Konzern dem so genannten Cloud Computing einen entscheidenen Schub geben.
Im August 2005 mit der Version 0.6.0 gestartet, wird eyeOS inzwischen von der gleichnamigen Firma in Barcelona betreut. Bislang hostete sie das Web-Betriebssystem – aktuelle Version: 1.8.7 – auf verschiedenen Servern allein. Mit dem Schritt von IBM können Nutzer eyeOS nun auch auf eigenen Servern betreiben. Unternehmen können damit ihren Mitarbeitern eine komplett webbasierte Infrastruktur anbieten, auf die diese von diversen Endgeräten zugreifen können.
Im Unterschied zu ähnlichen Projekten wie Chrome OS von Google ist das spanische System so angelegt, dass beliebige Anwendungen auf einem virtuellen Desktop „installiert“ werden können. Jeder, der eyeOS-Server betreibt, kann seinen Nutzern eigene Programme und eigene Datenbestände anbieten. Damit würden all die Kennwörter für verschiedene webbasierte Dienste überflüssig, sagt Projektgründer Pau Garcia-Mila. Zudem seien die Anwendungen untereinander kompatibler als bei anderen Systemen.
IBM unterstützt eyeOS vor allem, weil damit ein "privates Cloud Computing" möglich wird. Cloud Computing bezeichnet die jüngste Weiterentwicklung von Computersystemen, bei denen Daten und Anwendungen auf viele Rechner verteilt und über ein Netzwerk miteinander synchronisiert sind. Weil die Rechenleistung so aus allen beteiligten Computern bezogen wird, können Cloud-Computing-Provider wie Amazon ihre Dienste zu niedrigen Preisen anbieten. Kunden wiederum sparen sich eigene Server und können die Dienste je nach Bedarf einkaufen.
Bislang war das vielen Unternehmen allerdings zu heikel, weil sie Firmendaten einem Cloud-Computing-Provider übergeben müssten. Mit der Möglichkeit, private Datenwolken zu installieren, sollen sich die Sicherheitsbedenken erübrigen und Cloud Computing endlich abheben, hofft man bei IBM. Der IT-Riese hatte bereits früh auf verteilte Rechner-Infrastrukturen als Zukunftsmarkt gesetzt.
„Gerade etablierte, große Unternehmen trauen Cloud-Computing-Diensten noch nicht so recht“, sagt Andrea Greggo, Leiter der Mainframe Cloud Initiative von IBM. Diese Firmen wollten eine solche Datenumgebung hinter einer Firewall betreiben und gleichzeitig von den Vorteilen des Cloud Computing profitieren, so Greggo. Diese Lücke wolle man mit dem auf IBM-Servern vorinstallierten eyeOS schließen.
Forrester-Analyst Frank Gillett ist von dem Ansatz allerdings nicht so recht überzeugt. Allein der Begriff „private Cloud“ sei schon ein Widerspruch in sich. Im Prinzip biete IBM nur eine weitere Variante von so genannten Virtualisierungsdiensten an, wie sie etwa VMWare verkauft werden. Dabei werden in einem Netzwerk oder auf einem einzelnen Computer virtuelle Rechner oder Laufwerke erzeugt, denen keine konkrete Hardware entspricht.
EyeOs sei zwar anders als virtuelle Desktop-Systeme, weil ein Nutzer auf eine Anwendung über den Webbrowser zugreife. Für Gillett ist das Problem aber, dass eyeOS nicht auf einem verbreiteten Betriebssystem wie Windows von Microsoft basiert. Viele Unternehmen würden aber lieber bei Virtualisierungstechnologien bleiben, mit denen sie bekannte Software weiter nutzen können. „Bislang hat es kein Start-up mit einem eigenen webbasierten Betriebssystem in den Mainstream geschafft“, bleibt Gillett skeptisch.
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