28.09.04
Verkehr | Auto

"Eine Art Endpunkt"

Von Markus Honsig

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Um über die Zukunft des Sportwagens zu sprechen, empfiehlt sich eine Reise in den Süden Deutschlands. Dort, tief im Bayerischen Wald, ist der schnellste lebende Porsche-Fahrer zu Hause. Und um dem Gespräch den richtigen Rückhalt zu geben, ließ Walter Röhrl einen Carrera GT kommen, schließlich sollte man wissen, wovon man redet.

Auto fahren ist für Walter Röhrl in erster Linie Porsche fahren. Sein erstes selbst gekauftes Auto war ein 356er, damals war er 21, und seither stand, unabhängig von den jeweiligen Dienstautos, immer ein Porsche in der Garage, mit einer einzigen Unterbrechung Mitte der Achtziger, als der zweifache Rallyeweltmeister bei Audi nachhaltig vom Allrad-Virus infiziert wurde und Porsche noch kein entsprechendes Auto anbieten konnte. Seit 1982, als der damalige Porsche-Entwicklungschef Helmuth Bott den frisch gekürten Monte-Carlo-Sieger auf die Turracher Höhe nach Österreich einlud, um den ersten Prototypen eines Neunelfers mit Allradantrieb Probe zu fahren, hat sich zwischen Porsche und Röhrl eine feste und dauerhafte Zusammenarbeit entwickelt: Röhrl ist Porsches erster und nach wie vor schnellster Versuchsfahrer, die Entwicklung des Carrera GT war ein einmaliger Höhepunkt dieser Zusammenarbeit.

Technology Review: Wie viele Kilometer sind Sie im Carrera GT gefahren?

Walter Röhrl: Ich bin drei Jahre alle wichtigen Tests gefahren, 25000 Kilometer inklusive Alltagserprobung. Es ging darum, das Auto für jeden fahrbar zu machen, der ausreichend sittliche Reife mitbringt, aber das Auto gleichzeitig nicht zu kastrieren, was seine sportlichen Qualitäten betrifft, herauszuarbeiten, was den Kunden zumutbar ist, wie stark das Rennauto durchkommen darf.

Was war die größte Herausforderung? Ein Schlüssel waren sicher die Reifen. Letztlich entscheidet der Reifen, wie viel Kraft du auf die Straße bringst. Das große Problem war, bedingt schon durch die Größe, dass solche Reifen sehr lange halten, aber dann sehr scharf abreißen können. Am Anfang hatten wir brutale Situationen: Wenn das Auto, 250, bergauf, Regen, von einem auf den anderen Moment quer kommt, als ob hinten wer lenken würde. Da bleibt nicht mehr viel Zeit zu korrigieren. Wir haben mindestens fünfzehn unterschiedliche Reifenkonstruktionen erprobt, und am Ende entstand daraus die Konstruktion mit zwei unterschiedlichen Gummimischungen.

Ist das nun der endgültige Sportwagen?

Ja, ich glaube schon. Der Carrera GT ist das beste Auto, das ich je auf der Straße gefahren habe. Deshalb freue ich mich wirklich, dieses Auto mitentwickelt zu haben, der Höhepunkt in meinem automobilen Leben.

[Inzwischen ist der ursprünglich für einen Le-Mans-Einsatz entwickelte Zehnzylinder hinter den Schalensitzen warm gelaufen. Röhrl ist ein sehr angenehmer Chauffeur, weiß das Tempo gut zu dosieren, wenn er im GT durch den Bayerischen Wald reitet. Zwischendurch lässt er die Zügel immer wieder einmal los. Doch selbst sehr schnelles Fahren wirkt selbstverständlich, nicht Furcht einflößend. Für den Beifahrer schwer zu unterscheiden, ob das mehr am Fahrer oder am Auto liegt. "Du gibst ein paar Sekunden Gas", sagt Röhrl, "und bist auf 200." Deshalb habe er auch keinen GT als Dienstauto, weil er in spätestens vier Wochen zu Fuß gehen würde.]

Apropos Geschwindigkeit: Ihre aktuelle Nordschleifen-Runde am Nürburgring?

7:33, 7:32, handgestoppt, aber wir sind nie auf Zeit gefahren. Wir haben darüber diskutiert und uns entschieden, dass man damit einmal aufhören muss. Ich habe 30 Jahre Motorsport überlebt, jetzt muss ich nicht mehr wissen, ob ich 7:26 oder 7:27 fahre. Früher hätte ich es gekonnt, heute brauche ich es nicht mehr. Wenn ein Röhrl zögert, kann man das als Indiz interpretieren, dass es jetzt genug ist?

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