Computerwissenschaftler an der University of Pittsburgh haben eine Methode entwickelt, mit der sich E-Mails, Instant Messaging-Botschaften und Chat-Texte persönlicher gestalten lassen. Ihre Software erlaubt es den Benutzern, Aufnahmen ihres eigenen Gesichts zu verwenden, um ihren Gemütszustand zu kommunizieren – die altbekannten, unpersönlichen Emoticons fallen weg, um Emotionen wie "glücklich", "traurig", "böse" oder "überrascht" darzustellen.
Dazu wird nur ein einziges Fotos einer Person benötigt – am besten mit einem neutralen Gesichtsausdruck, wie Xin Li, Erfinder der Technik, erläutert. Die so genannten "Face Alive Icons" ermöglichen es auch, das Bild von einer Handy-Kamera zu verwenden. Tippt man dann bekannte Emoticons wie ":)" für ein Lächeln ein, wird das Bild des Benutzers automatisch entsprechend verändert.
"Die Leute benutzen in Foren und anderen Internet-Communitys längst Avatare", meint Sheryl Brahnam, Dozentin für computergestützte Informationssysteme an der Missouri State University. Das System von Xin Li überbrücke nun die Lücke zwischen Emoticons und Avataren.
Li, der heute in New York für Google arbeitet, ist nicht der erste, der Fotos dazu verwendet, Online-Plaudereien persönlicher zu gestalten. "Allerdings wurde normalerweise immer das Live-Bild selbst mitgeschickt", erklärt er. Das Problem sei dabei aber, dass die Internet-Bandbreite bei mobilen Geräten wie Handys oder PDAs dafür nicht ausreiche. Auch das Hochladen mehrerer Fotos für jede einzelne Emotion benötige zu viel Geschwindigkeit.
Deshalb wird bei Lis Software das Bild nicht jedesmal neu an den Empfänger geschickt, sondern ein Profil des Fotos vorab auf das Empfangsgerät geladen. Dabei handelt es sich um das Original, das in einzelne Bestandteile zerlegt wurde. Jedes Mal, wenn der Nutzer ein Emoticon verschickt, wird das Bild dann auf dem Empfangsgerät neu zusammengesetzt, sodass der richtige Gesichtsausdruck entsteht.
Dazu entwickelte Li zunächst ein Computermodell jeder einzelnen Emotion. In Zusammenarbeit mit Shi-Kuo Chang, Professor für Informatik an der University of Pittsburgh, sowie Chieh-Chih Chang vom Industrial Technology Research Institute in Taiwan, schuf Li ein Verfahren, das die genauen Details jedes einzelnen Gesichtsausdrucks analysiert und in einer Datenbank ablegt. Jedes dieser Modelle bildet dann eine Sammlung von Instruktionen, mit der das neutrale Originalfoto entsprechend manipuliert und animiert werden kann.
Sobald das Foto erfasst ist, muss der Nutzer allerdings zuvor auf die wichtigsten Bereiche klicken, um der Software diese zu übermitteln. Dann wird das Foto zerlegt – in solche Bildbereiche, die sich verändern – und solche, die gleich bleiben.
All diese Teile bilden schließlich das Profil. Es wird dann an die Chat-Partner des Benutzers verschickt – und zwar jeweils nur einmal. So lassen sich beliebig viele Ausdrücke darstellen, ohne dass das System die Dateigrößen erhöhen oder das Bild neu anfordern müsste.
Li hat sein System mit hunderten Gesichtsausdrücken von einer acht Personen starken Testergruppe prüfen lassen. Dabei ließen sich die automatisch veränderten Bilder nahezu immer korrekt identifizieren.
Face Alive Icons wurde inzwischen in eine Anwendung für die Fernlehre integriert. "Die Lehrer sehen die Gesichtsausdrücke ihrer Schüler gerne", erklärt Li. Dank der Bilder wüssten die Lehrer nun auf einen Blick, wie sich ihre virtuelle Klasse fühle.
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