Die Bewegungen sind kaum wahrnehmbar, aber sie sind da: Im geologischen Zeitlupentempo treiben die mächtigen Erdplatten aufeinander zu, um sich Millimeter für Millimeter ineinander zu verkeilen. Ganz langsam bauen sie in den dunklen Tiefen der Ozeane Spannungen auf, die sich irgendwann explosionsartig entladen werden. Wann genau, kann allerdings niemand vorhersagen. Denn die Forschungen der Seismologen folgen dem Takt der Jahreszeiten - und nicht dem Sekundenzeiger ihrer Armbanduhren.
An ihren Routinen hat sich seit Jahrzehnten nichts geändert: Vorausgesetzt das Wetter spielt mit, stechen sie regelmäßig mit ihren Forschungsschiffen in See, lassen auf offenem Meer eine Reihe von Sensoren zu Wasser und kehren Wochen oder gar Monate später zurück, um die aufgezeichneten Daten zu bergen. Das grundlegende Problem dabei: Echtzeit-Analysen können sie auf diese Weise nicht fahren. Vielmehr tappen die Meeresseismologen oft noch im Dunkeln, während sich die nächste Eruption bereits anbahnt.
Allerdings muss das nicht so bleiben: Fortschritte in der Sensortechnologie, bei optischer Kommunikation sowie bei Software zur Koordinierung des gesamten Unterwasser-Instrumentariums machen permanente Beobachtungsstationen in der Tiefsee möglich. Vor den Küsten Japans und der USA sind bereits erste Prototypen in Betrieb.
Mit dem Tsunami, der nach Weihnachten die südasiatischen Küsten verwüstete, ist auch die Arbeit der Ozeanographen und Seismologen in das öffentliche Interesse gerückt. Zwar warnen die Forscher vor zu großen Erwartungen. Die Möglichkeit, Erdbeben und Flutwellen punktgenau vorherzusagen, so betonen sie, bleibe ein sehr langfristiges Ziel. Doch das Sammeln von Echtzeit-Daten am noch weitgehend unerforschten Grund der Tiefsee werde einen Einblick in die seismischen Aktivitäten unterhalb des Meeresspiegels gewähren, den es so umfassend bisher nicht gab.
Der Schub, den die Meeresforschung durch die neuen Informationssysteme erfahren wird, so die Einschätzung, wird riesig sein. "Für die Erkundung der Ozeane werden sie genauso fundamental wichtig werden wie Satelliten für die Erforschung der Erde", sagt Frank Rack, Direktor für ozeanische Bohrprogramme der Joint Oceanographic Institutions (JOI), einem Forschungs-Konsortium in Washington.
JOI wurde im Jahr 1976 gegründet und arbeitet als Non-Profit-Vereinigung von 20 akademischen Einrichtungen, die gemeinsam an Fragen mariner Geologie, Geophysik und Ozeanographie forschen. Noch bis vor kurzem mussten die Wissenschaftler auf die Möglichkeiten verzichten, die ihren an Land arbeitenden Kollegen aufgrund permanenter Beobachtungsstationen zur Verfügung stehen: Schiffsgestützte Beobachtungen sind naturgemäß zeitlich befristet. Doch eines war allen Beteiligten klar: Um die langfristigen physikalischen chemischen und biologischen Veränderungen studieren zu können, führte an einer Beobachtungsbasis unter der Meeresoberfläche kein Weg vorbei.
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