Wie kollegiale Eifersucht schon vor über 150 Jahren den Wettbewerb in der Wissenschaft vergiftete, zeigt das historisches Gespräch mit Michael Faraday.
TR: Professor Faraday, die moderne Welt des 20. und 21. Jahrhunderts verdankt Ihnen unendlich viel. Sie gelten als Urheber der wichtigsten technischen Errungenschaften.
Faraday: Tatsächlich?
Allerdings. Sie haben das Benzol entdeckt, erforscht, wie man Gase unter Druck verflüssigt, oder – ganz wichtig – die elektromagnetische Rotation nachgewiesen. Dort, wo ich herkomme, versorgen Kraftwerke mit vielen Megawatt elektrischer Leistung Städte so groß wie London. Dafür hat Ihre Erfindung des Dynamos die Grundlage geschaffen.
Das klingt unglaublich. Und es erfüllt mich mit tiefer Freude, dass Gott meinem bescheidenen Werk so großen Segen schenkt.
Unglaublich ist, dass Sie all dies geschafft haben, ohne jemals an einer Universität studiert zu haben.
Jawohl, ich habe mir alles selbst beigebracht. Auf der Schule habe ich nur Lesen und Schreiben gelernt.
Und Rechnen, nehme ich an.
Kaum. Und das bedaure ich sehr. Meine wissenschaftliche Arbeit leidet immens darunter, dass ich nichts von Mathematik verstehe. Ich kann nur experimentieren.
Aber darin gelten Sie als Genie. Wie kam es, dass Sie als einfacher Buchbinderlehrling mit der Naturwissenschaft in Berührung kamen?
Über die Bücher in der Werkstatt meines Lehrherrn George Riebau. Ich las alles, was mir neue Einsichten vermittelte, zuallererst ein Buch des Predigers Isaac Watts, eine Art Selbsthilfeanweisung für Geistestraining. So lernte ich systematisches Denken. Und genaues Beobachten. Später besuchte ich regelmäßig öffentliche Vorlesungen.
Öffentliche Vorlesungen?
Ja, sicher, diese Veranstaltungen der Forschungsgesellschaft „Royal Institution“ waren in meiner Jugend sehr beliebt, besonders die von Humphry Davy, dem berühmten Chemiker. Hunderte kamen, um ihm zuzusehen, wenn er Gase knallen ließ und es Funken und Blitze regnete.
Wurde Humphry Davy nicht Ihr Förderer?
In der Tat, ihm verdanke ich alles. Er verschaffte mir eine Stelle als Laborgehilfe in der Royal Institution. Damit war das Recht verknüpft, die Laborgeräte auch für eigene Experimente zu nutzen. Sir Humphry hat meine Entwicklung sehr beflügelt.
Aber später haben Sie sich auseinandergelebt. Und nach Ihrer Aufnahme in die Royal Society, die englische Akademie der Wissenschaften, haben Sie nie mehr ein Wort miteinander gewechselt. Wie kam es dazu?
Es war eine wilde Zeit damals. Einmal hat eine Explosion mir die Hand aufgerissen. Sie war wochenlang taub.
Und Ihr Konflikt mit…
…und abends musste meine liebe Frau Sarah mir oft Glassplitter...
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