Tim Plowman, Design-Anthropologe bei der Consulting-Firma Cheskin aus Palo Alto, berichtet, dass sein Unternehmen bei Beratungen von den Kunden inzwischen nahezu immer nach einer ethnographischen Komponente gefragt wird. So sollen innovative Produkte entwickelt werden, die aus dem bestehenden Markt herausragen.
Plowman, der selbst auf der EPIC sprach, meint, dass viele erfolgreiche Produkte den Kunden ein Bild von Bedeutung mit auf den Weg geben. "Die Firmen wollen herausfinden, wie sich diese Bedeutung im Leben der Menschen manifestiert. Die Ethnographie kann hier helfen."
Ken Anderson, einer der Konferenz-Organisatoren und selbst Design-Anthropologe bei Intel Research, sieht in der Ethnographie einen Weg, Marktbedürfnisse vorab zu erkennen. Daraus ergäben sich dann Produktinnovationen, so der Experte, der das Feld seit mehr als zehn Jahren beackert.
Tracey Lovejoy, Andersons Gegenstück bei Microsoft, wusste laut eigenen Angaben noch vor vier Jahren wenig über Konzern-Ethnographie. Damals schloss sie ihren Master in Anthropologie ab. Heute dagegen sei Ethnographie im geschäftlichen Bereich "sexy". Lovejoy arbeitet als Ethnographin an Microsofts nächstem Windows-Betriebssystem "Vista".
Für Marietta L. Baba, eine Ethnographin an der Michigan State University, war die EPIC-Konferenz hingegen eine "Coming-Out-Party" für das Fachgebiet, wie sie in einer Abschlussrede sagte. Im Anschluss zeigte sie sich allerdings reservierter. So habe es immer wieder Wellen in diesem Bereich gegeben. In den Achtzigerjahren halfen Ethnographen so beispielsweise Unternehmen beim Reengineering. In den Neunzigern war "Knowledge Management" hingegen ein Hypebegriff. Die aktuelle Welle unterscheide sich allerdings von früheren, meint Baba. Derzeit arbeiteten wesentlich mehr Ethnographen direkt in den Konzernen. Früher seien es vor allem Berater von außen gewesen.
Jeannette Blomberg, die ebenfalls zu den Pionieren der Konzern-Ethnographie gehört, ist vorsichtig optimistisch für ihr Feld. Die Forscherin am IBM Almaden Research Center arbeitet seit 25 Jahren ohne Unterbrechung an dem Thema: "Wir werden nicht mehr so marginalisiert wie früher", sagt sie. Ihr Gefühl nach der Konferenz: Eine kritische Masse an Menschen, die im Bereich der Konzern-Ethnographie arbeiten, sei erreicht. Dieser Schwung genügt mindestens für eine zweite EPIC-Konferenz. Diese soll bereits im nächsten Jahr in Portland, Oregon, stattfinden.
Von Michael Fitzgerald; Übersetzung: Ben Schwan.
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