Fliegen mit Teamgeist
30.01.13 – Wolfgang Stieler
Zwei Kilogramm Last über zehn Kilometer, das klingt technisch durchaus realistisch. Das auch bei schwierigen Wetterbedingungen hinzubekommen, sei zwar noch ein Problem – "aber absolut lösbar", meint Raptopoulos. Aber ist der Aufwand nicht enorm hoch und das System damit enorm teuer? Können sich am Ende also genau jene Menschen, die den Service am nötigsten haben, ihn überhaupt leisten?
"Wir planen zwei Arten von Anwendungen", sagt Raptopoulos. Die sogenannten "High Dollar Applications" sind Transportdienste in dicht bebauten Städten wie Los Angeles oder New York. "High Impact Applications" dagegen sind Dienste, die gesellschaftlich besonders wertvoll sind. Die profitablen Transportdienste sollen die gesellschaftlich wichtigen Dienste querfinanzieren, sagt Raptopoulos: "Es ist nicht notwendig, dass die Leute, denen unsere Technologie am meisten hilft, auch diejenigen sind, die am meisten dafür bezahlen müssen." "In Südafrika beispielsweise gibt es rund fünf Million Aids-Infizierte. Die müssen mehrmals im Jahr einen Bluttest machen. Es gibt 6000 Kliniken im Land, die Proben nehmen, und nur 250 Labore, die dann die Proben untersuchen. Das ist ein riesiges Transportproblem. Und es sieht so aus, als ob wir genau die Richtigen wären, um ihnen zu helfen", sagt Raptopoulos stolz.
Die Mikrokopter sollen in 400 Fuß Höhe (rund 122 Meter) fliegen – das soll potenziellen Räubern den Abschuss erschweren. "Wir liefern die Basisstationen, die unbemannten Transportvehikel, die Software und kümmern uns um die Genehmigungen", sagt Raptopoulos. "Aber der lokale Betreiber muss sicherstellen, dass die Technologie nicht illegal verwendet wird und der Betrieb sicher und geordnet abläuft."
Mehr technische und unternehmerische Einzelheiten will das Unternehmen vorerst nicht verraten. Nur der grobe Zeitplan wird kommuniziert: "Innerhalb der nächsten zwölf Monate" will das Unternehmen zeigen, dass seine Technologie tatsächlich funktioniert. Bis 2015 soll dann der kommerzielle Betrieb stehen. Denn bis dahin, das ist seit Februar dieses Jahres geregelt, muss die US-Luftfahrtaufsicht die technischen und administrativen Rahmenbedingungen schaffen, um den kommerziellen Betrieb autonomer Kleinflieger in die nationale Luftsicherheit zu integrieren. Dann, so hoffen nicht nur die Gründer von Matternet, kommt ein Mikrokopter-Boom ins Rollen. "Und wenn die rechtlichen Rahmenbedingungen in den USA geregelt sind und vielleicht Europa nachzieht, wird sich auch der Rest der Welt diesen Entwicklungen anschließen", meint Raptopoulos.
In Deutschland wird der kommerzielle Betrieb von "unbemanntem Luftfahrtgeräten" nun erleichtert. Flieger, die außerhalb der Sichtweite des Steuernden operieren, oder gar vollständig autonome Fluggeräte, die ihre Route vollautomatisch abfliegen, bleiben aber außen vor. "Es gibt derzeit keine Pläne, den Betrieb von autonomen Luftfahrzeugen außerhalb der Sichtweite zu regeln", schreibt das Verkehrsministerium auf Anfrage. Bis die ersten Bringdienste ihre Pizza-Express-Lieferungen per Mikrokopter ausliefern, könnte es also noch eine Weile dauern.
