Gemeinsam sind wir Megawatt
26.09.12 – Boris Hänßler
„Next Kraftwerke“, ein Spin-off der Universität Köln, ist ein Vorreiter auf dem Regelenergiemarkt. Der ist insbesondere für Biogasanlagen attraktiv – sofern sie sich vernetzen.
Der Kölner Stadtteil Ehrenfeld ist von Bürgerhäusern aus der Gründerzeit und von Industriedenkmälern geprägt. Hier hatten einst die Vulkan-Werke ihren Sitz. 1928 erhielt der Gaslaternen-Hersteller von der Stadt Köln den Auftrag, zur Internationalen Presse-Ausstellung die gesamte Stadtskyline hell zu erleuchten – das Spektakel machte weltweit Schlagzeilen. In den oberen beiden Stockwerken des einstigen Vulkan-Kontorhauses sitzt heute die Next Kraftwerke GmbH. Sie will ein zentrales Problem der Energiewende mit marktwirtschaftlichen Mitteln lösen – die unregelmäßige Einspeisung von Wind- und Sonnenstrom.
Der Weg nach oben führt über eine große stählerne Treppe. Im Flur steht ein Kickertisch, etwas weiter hinten ist ein Tresen, an dem junge Mitarbeiter ihr Mittagessen einnehmen. Es herrscht eine typische Start-up-Atmosphäre. Hektik sucht man vergebens – und Großaktionen wie zu Vulkan-Zeiten gehen von hier auch nicht aus. Dennoch könnten Firmen wie Next einen entscheidenden Baustein für das Gelingen der Energiewende liefern.
Das Unternehmen ist eine Ausgründung aus dem Energiewirtschaftlichen Institut der Uni Köln. Die beiden Gründer und Geschäftsführer Hendrik Sämisch und Jochen Schwill erforschten in ihrem Dissertationsprojekt, wie sich der Strommarkt mit dem Umstieg auf erneuerbaren Energien entwickeln wird. Ihnen war schon früh klar, dass damit auch die Bedeutung der sogenannten Regelenergie wächst. „Wenn eine unvorhergesehene Flaute herrscht oder ein Fußballspiel in die Verlängerung geht, kommt es zu kurzfristigen Schwankungen auf dem Strommarkt“, erklärt Sämisch. Für solche Fälle müssen Netzbetreiber zu jeder Stunde Reservekapazitäten vorhalten – die besagte Regelenergie. Sie wird derzeit überwiegend von teuren Gaskraftwerken gestellt (siehe TR 1/2012, S. 48) oder von Pumpspeichern, die sich kaum noch weiter ausbauen lassen (siehe TR 3/2011, S. 58).
