Das eigene Erbgut testen oder mit Joghurt-Bakterien Schadstoffe aufspüren – immer mehr Hobbyforscher praktizieren Gentechnik daheim. Wird das wie bei Computer-Hackern zu Fortschritt führen, oder droht Gefahr?
Wo andere Leute ihre T-Shirts stapeln, da hat Katherine „Kay“ Aull eine PCR-Maschine stehen, ein Gerät zur Durchführung der Polymerase Chain Reaction, das gewöhnlich nur in professionellen gentechnischen Labors zu finden ist. Auch sonst ist der Kleiderschrank im Schlafzimmer der 23-Jährigen voll gestopft mit Laborbedarf für Gentechnik-Experimente wie Gläsern, Chemikalien und Spritzen, die sie alle privat gekauft hat. „Man bekommt eine ganze Menge toller Sachen über eBay“, sagt Aull. Nur 90 Dollar habe sie für die PCR-Maschine bezahlt, mit der sie zu Hause in ihrem Bostoner Apartment DNA-Proben vervielfältigen kann, um diese anschließend zu untersuchen. Ihre Experimente haben nichts mit Genmanipulation zu tun: Die insgesamt nur 500 Dollar teuren Utensilien ermöglichen ihr, am heimischen Küchentisch ins eigene Erbgut zu schauen – und herauszufinden, ob sie die Erbkrankheit Hämochromatose hat.
Das Leiden war zuvor bei ihrem Vater diagnostiziert worden, aber so spät, dass seine Organe bereits Schaden genommen hatten. Bei Hämochromatose nimmt der Körper zu viel Eisen aus der Nahrung auf, scheidet den Überschuss aber nicht aus, sondern lagert ihn in den Organen ab. Die Erkrankung tritt dann auf, wenn man von beiden Eltern je ein mutiertes Hämochromatose-Gen geerbt hat. Sowohl die gesunden als auch die schadhaften DNA-Sequenzen sind identifizierbar, und Aull will im Heimexperiment prüfen, ob sie wie ihr Vater zwei defekte Genversionen hat. Wäre das der Fall, könnte sie noch rechtzeitig eine Therapie starten, um bei sich Organschäden zu verhindern. Trotz des in diesem Fall ernsten Hintergrunds sieht Aull ihre Forscheraktivität in erster Linie als spannendes Hobby.
Sie gehört zu der Bostoner Gruppe der sogenannten „Do-it-yourself“-Biologen (DIY-bio), die zu Hause in improvisierten Labors experimentieren. Ähnlich wie man mit einem Chemiebaukasten auch in der heimischen Küche Substanzen verrühren und Messungen durchführen kann, arbeiten die Freizeitforscher mit biologischen Zutaten – wie Aull mit den eigenen Genen oder mit der DNA von Bakterien – und mit Gentechnik-Gerätschaften. Allerdings gibt es keine vorgefertigten Gentechnik-Baukästen zu kaufen, deshalb tauschen die DIY-Biologen sich regelmäßig über „Rezepte“ aus: detaillierte Tipps, wie Experimente ohne Profiausrüstung mit einfachen Haushaltsgeräten und -mitteln funktionieren, welche Laborgeräte man günstig selber bauen kann und wo unbedingt benötigte Apparate und Zubehör erhältlich sind. „Wir treffen uns einmal im Monat, ansonsten diskutieren wir per E-Mail“, erzählt Aull. Rund 800 DIY-Biologen weltweit haben sich der Gruppe, die sich vor gut einem Jahr in Boston gründete, über die Website www.diybio.org auf virtuellem Wege angeschlossen.
Aull schabt sich zuerst mit einem ganz gewöhnlichen Wattestäbchen ein paar Zellen von der Mundschleimhaut. Um aus diesen Zellen die DNA herauszulösen, steckt sie den abgeschnittenen Stäbchenkopf mit der Gewebeprobe in einen kleinen, mit Salzlösung gefüllten Einwegbehälter aus Kunststoff, den Forscher statt des vollen Labornamens Eppendorf-Gefäß liebevoll „Eppi“ oder „E-Cup“ nennen. Das klemmt Aull dann in ein Loch ihres Kartoffelstampfers und hält es in einen Topf mit kochendem Wasser auf dem Gasherd, damit die Zellen durch die Hitze platzen und ihre DNA freigeben. Um daraus eine größere Menge der DNA-Fäden....
Neugierig geworden? Der vollständige Artikel erschien in der Print-Ausgabe 11/2009 von Technology Review und steht als kostenpflichtiges pdf im Heise Kiosk zum Download bereit.
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