Störche segeln über das reife Roggenfeld, 44 der seltenen Vögel hat Helge Klamke am Tag zuvor gezählt. In der Mittagshitze ziehen zwei Mähdrescher unverdrossen ihre schnurgeraden Bahnen, umhüllt von einer Wolke aus Staub und Stroh. Was vom Feldrand nicht zu sehen ist: Eine kleine GPS-Antenne auf dem Dach der Mähdrescher hält wie eine virtuelle Nabelschnur Verbindung zu Satelliten im All, ein Laser ortet die Schnittkante auf dem Feld, eine Kamera überwacht den Getreideschacht, weitere Sensoren messen im Bauch der stählernen Ungetüme den Zustand von Ernte und Maschine – die Fahrerkabine ist nicht nur gut klimatisiert und gegen Staub geschützt, sie ist geradezu vollgestopft mit Elektronik.
Auf seinem Monitor hat Klamke alles im Blick: Drehzahl der Schneidetrommel, Geschwindigkeit, Häckslerauslastung, Feuchtegrad des Getreides, abgeerntete Mengen und dank GPS die aktuelle Position der Maschine. Klamke sitzt nicht auf dem Bock des Mähdreschers, sondern an seinem gut aufgeräumten Schreibtisch einige Kilometer entfernt. Nur die Geweihe an den Flurwänden und die Strohkränze, die reich geschmückt von der Decke baumeln, lassen erahnen, dass es hier naturnäher zugeht als in irgendeiner Stadtverwaltung. Klamke ist Betriebsleiter bei Wimex, einem landwirtschaftlichen Großbetrieb in Wulfen bei Köthen in Sachsen-Anhalt.
350 Leute arbeiten hier auf 6500 Hektar Ackerland und in der Bruteier-Produktion. Und der Agraringenieur kann überall live dabei sein. Manchmal loggt er sich mit seinem Laptop noch spät abends von zu Hause ins System ein, um sich über den aktuellen Stand der Produktion, über Betriebs- und Pausenzeiten der Maschinen zu informieren und die Einsätze des nächsten Tages zu planen. „Es ist ein bisschen wie Big Brother“, gesteht Klamke, „aber die Leute wissen Bescheid, und sie wissen, worum es geht.“
Um die Zukunft der Landwirtschaft nämlich, konkreter um „Precision Farming“, also eine genauestens auf das Potenzial und den Bedarf von Teilflächen abgestimmte Bewirtschaftung. „Vor zehn Jahren haben wir damit angefangen“, erzählt Klamke, „wir haben hier massive Probleme mit Trockenheit, und die Qualität der Böden variiert schon innerhalb eines Feldes.“ Während die konventionelle Landwirtschaft nach dem Gießkannenprinzip auf jedem Feld einheitlich sät, bewässert, düngt oder spritzt, soll das neue System die Bedürfnisse von Boden und Pflanzen möglichst individuell berücksichtigen. „Damit ist es möglich, ökonomischer und ökologischer zu wirtschaften“, sagt Armin Werner, stellvertretender Direktor des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg bei Berlin. Berechnungen und erste Erfahrungen haben nach seinen Worten ergeben, dass mit Precision Farming bis zu zwanzig Prozent der Düngemittel und fünfzig Prozent der Pestizide eingespart...
Neugierig geworden? Der vollständige Artikel erschien in der Print-Ausgabe 09/2008 von Technology Review und steht als kostenpflichtiges pdf im Heise Kiosk zum Download bereit.
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