Wird es in einer wärmeren Welt schlimmere Wirbelstürme geben? Diese Frage wurde unter Klimaforschern in den letzten Jahren heftig diskutiert. "Es ist höchst unwahrscheinlich, dass die globale Erwärmung drastische Veränderungen bei der Zahl oder der Intensität von Hurrikans hervorgerufen hat oder hervorrufen wird", schreibt etwa Chris Landsea von der Abteilung für Hurrikanforschung der US-Klimabehörde National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) auf seiner Homepage. Die renommierten Klimaforscher Stefan Rahmstorf, Michael Mann, Gavin Schmidt und weitere Kollegen halten auf ihrer Diskussionsseite realclimate.org dagegen: "Die derzeitige Beweislage spricht sehr dafür, dass Hurrikans zerstörerischer werden, wenn die Meeresoberflächentemperaturen steigen."
Genau das bestätigt eine heute in der Zeitschrift Science veröffentlichte Studie: In den letzten 30 Jahren, so berichten Forscher um Paul Webster vom Georgia Institute of Technology, erwärmte sich das Oberflächenwasser der Meere weltweit um durchschnittlich 0,5 Grad Celsius. Gleichzeitig verdoppelte sich die Zahl der stärksten tropischen Wirbelstürme nahezu: Während es in den Siebzigerjahren pro Jahr weltweit im Schnitt zehn Hurrikans der Kategorien 4 und 5 gab, stieg ihre Zahl zwischen 1995 und 2004 auf durchschnittlich 18 pro Jahr.
Bislang gibt es zwar keinerlei Anzeichen dafür, dass weltweit mehr Stürme auftreten. Dem Bericht von Webster zufolge sank ihre Häufigkeit seit Mitte der Neunzigerjahre sogar. Wie viele Hurrikans jedes Jahr in der Karibik und im Pazifik heraufziehen, ist großen Schwankungen unterworfen, berichtete auch Kevin Trenberth vom US-amerikanischen National Center for Atmospheric Research im Juni 2005 in Science. Die allgemeine Großwetterlage, aber auch Klimazyklen wie El Nino haben darauf einen großen Einfluss. Bei den stärksten Stürmen erkennen die Forscher um Webster allerdings einen deutlich ansteigenden Trend, der eng mit den steigenden Temperaturen des Meerwassers zusammenhängt: Die absolute Zahl der Unwetter, die eine Windgeschwindigkeit von mehr als 210 Kilometer pro Stunde erreichten und damit in die Kategorien vier und fünf fielen, verdoppelte sich fast. Ihr Anteil an den Hurrikanen insgesamt nahm von 20 auf 35 Prozent zu.
"Die Arbeit bestaetigt im Wesentlichen, was schon von Kerry Emanuel beschrieben worden ist", sagt der Klimaforscher Mojib Latif vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel. Emanuel, ein Hurrikanforscher vom Massachusetts Institute of Technology, kam Anfang August zu ganz ähnlichen Ergebnissen wie jetzt Webster und Kollegen. Der Forscher berichtete in der Zeitschrift Nature, dass die von Hurrikans im Nordatlantik und Nordpazifik insgesamt freigesetzte Energie seit den Siebzigerjahren etwa um mehr als die Hälfte zugenommen hat. Emanuel untersuchte die durchschnittliche Dauer der Stürme, den freigesetzten Niederschlag und die Spitzen-Windgeschwindigkeit und stellte überall starke Zunahmen fest. "Meine Studie liefert zum ersten Mal den Beweis, dass globale Erwärmung und Hurrikan-Aktivität zusammenhängen", kommentierte der Forscher damals.
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