Bild: Douglas Muth (cc-by-sa 2.0)
Seit Sommer 2009 haben es Telekommunikationskonzerne und Bundesregierung schriftlich: Bei der Versorgung mit Glasfaser-Zugängen gehört Deutschland in Europa zu den Schlusslichtern. Das geht aus einer Untersuchung des Lobby-Verbandes FTTH Council Europe hervor, der Telekomausrüster und andere Glasfaser-Zulieferer in Brüssel vertritt. Fiber-to-the-Home, also die Versorgung einzelner Häuser mit den schnellen Leitungen, wird demnach vor allem von kleineren Ländern vorangetrieben. In der Top 10 Europas liegen Schweden und Norwegen mit mehr als 10 Prozent der Haushalte vorn. Dann folgen Länder, denen man bislang nicht unbedingt Technologieführerschaft zugestanden hätte: Slowenien, Andorra, Dänemark, Island, Litauen, die Niederlande, die Slowakei und Finnland. Die bevölkerungsreichsten Länder Deutschland, England und Frankreich sind in der Top 10 überhaupt nicht vertreten.
Was ist der Grund für diese peinliche Tatsache? Die großen Telekommunikationskonzerne wie die Deutsche Telekom setzen, sagen Experten, seit Jahren lieber auf die Optimierung bestehender Infrastrukturen, statt den radikalen Wechsel mit Glasfaser-Hausanschlüssen vorzunehmen. Zwar wurden die schnellen Leitungen im Zuge des VDSL-Ausbaus in deutschen Großstädten näher an den Endkunden herangerückt – nun liegen sie in der Straße. Doch werden sie von dort auf Kupfer umgesetzt, das die letzten Hundert Meter überbrückt. Diese Strecke wird jedoch mehr und mehr zum Flaschenhals, kann sie mit aktueller VDSL-Technik doch nur maximal 50 Megabit pro Sekunde übertragen. Glasfaser-Leitungen böten direkt 100 Megabit, später sogar Gigabits. Peinlicher noch: Selbst wenn zufällig Glasfaser der Telekom bis ins Haus gelegt wurde, was beim Netzausbau im Osten Deutschlands gar nicht so selten vorkam, kann die Technik nicht für schnelles Internet genutzt werden – es gibt schlicht kein entsprechendes Angebot, das auch vermarktet würde.
Wer Glasfaser will, muss schon zu einem der kleineren Anbieter wechseln, die es zudem nicht in jeder Stadt gibt. Als Innovationstreiber erweisen sich Energieversorger, Verkehrsbetriebe und Kommunen, die bereits in den frühen Neunzigerjahren damit begonnen haben, ihre eigenen Netze aufzubauen. So kann man sich etwa in Köln im Versorgungsgebiet von NetCologne zu durchaus fairen Preisen bis zu 100 Megabit pro Sekunde per Fiber-to-the-Home ins Haus legen lassen. NetCologne selbst gehört der RheinEnergie AG, die sich wiederum zu 80 Prozent im Besitz der Stadt Köln befindet. In München wiederum hat haben sich die Stadtwerke als moderner Internet-Provider etabliert, der ein eigenes Glasfaser-Hochgeschwindigkeitsnetz besitzt.
Der Hauptvorteil der Glasfaser-Technik ist schnell erklärt: Sie ist zukunftsfähig. Liegt das Kabel erst einmal im Haus, lassen sich dank neuer Modulationsverfahren noch in vielen Jahren höhere Bandbreiten erzielen – bereits jetzt sind Gigabit pro Sekunde möglich, die man sich beispielsweise in Japan sogar vereinzelt schon kaufen kann. Beim Kupfer ist dagegen bald schon rein physikalisch Schluss, aktuelle VDSL-Netze erreichen maximal 100 Megabit. (Die Telekom bietet derzeit die Hälfte davon an.)
Bislang hört man vor allem das Kostenargument als Grund, warum der flächendeckende Glasfaserausbau für Endkunden nicht vorankommt. Schließlich müssten viele Straßen und Hauseingänge aufgerissen werden. Doch wenn die Telekommunikationskonzerne wollten, die Bundesregierung zudem noch eine entsprechende Förderung drauflegen würde, wäre die direkte Glasfaser-Anbindung der Haushalte womöglich weniger teuer, als bislang gedacht. Inzwischen gibt es interessante Technologien, die es erlauben, ältere Kupferkabel-Schächte wieder zu verwenden. Der österreichische Leitungsbauer Alois Pichler hat mit der Firma Kabel-X ein System entwickelt, das bis zu 400 Meter lange Altröhren vom Kupfer befreit, in dem ein biologisch abbaubares Gleitmittel verwendet wird. Anschließend werden nur noch Mini-Leerrohre eingeführt, in die sich Glasfasern einblasen lassen, fertig. Bagger sind damit gar nicht mehr notwendig. Nun muss nur noch der Wille her, damit aus dem Glasfaser-Kriechgang ein Sprint wird.
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