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Natürlich muss man bei Zukunftsvorhersagen immer ganz genau aufpassen, von wem sie stammen. TeleGeography, ein auf Netzwerkinfrastrukturtechnik spezialisiertes Beratungsunternehmen, hat dahingehend einen ordentlichen Ruf: Das Unternehmen gilt in der Branche als neutrale Instanz. Entsprechend stark beachtet wurde deshalb ein Report der Firma, der Ende Juni herauskam.
In dem schlicht mit "Katzenjammer bei der transatlantischen Bandbreite" betitelten Papier beschrieben die Internet-Experten, dass der Datenverkehr zwischen Europa und den USA zwischen 2008 und 2015 zwar um jährlich gut ein Drittel zunehmen werde, bereits 2014 aber die aktuelle Kapazität der transatlantischen Kabel aufgebraucht sei – trotz moderner optischer Verfahren, die seit vielen Jahren ständig mehr aus den verlegten Glasfasern herausholen. "Diese neue Kapazität wird ganz klar gebraucht. Weniger klar ist nur, wer sie aufbauen soll."
Das heißt: Die Provider sind sich bewusst, dass in den nächsten fünf Jahren etwas geschehen muss, es handelt sich um eine Art Crash in Zeitlupe. Doch im Gegensatz zu früheren Zeiten schreien, auch aufgrund der Wirtschaftskrise, die großen Telekommunikationskonzerne nicht mehr laut "hier" – die Investitionskosten schrecken sie ab.
Der Bedarf ist allemal da – vor allem aufgrund der gigantischen Multimedia-Sucht der Nutzer, dank YouTube, iTunes und Co., dank immer mehr Downloads und auch Uploads mit eigenen Inhalten, Bildern, Videos und Sounds, dank immer mehr Datenpaket-Hin-und-Her zwischen Europa und den USA. Im letzten Jahr flossen 10 Terabit pro Sekunde durch die transatlantischen Leitungen. Das entspricht 500.000 komplett genutzten ADSL-2+-Leitungen im Downstream. Schon dieses Jahr sollen es 14 Terabit sein. Bis maximal 39 Terabit sehen Experten die bestehende Infrastruktur noch ausreizbar, was etwa 2013 passieren könnte – doch dann ist wirklich Oberkante Unterlippe.
Der Kater, den die Branche spürt, kommt nicht von ungefähr. Sie hat in der Boom-Ära der Dotcom-Zeit Anfang des Jahrtausends massiv investiert, sowohl bei der transatlantischen Kapazität als auch beim Verlegen von Glasfasern innerhalb und zwischen den westlichen Ländern. Diese "dark fiber" genannten Kabel – allein zwischen 2000 und 2003 gingen sechs Transatlantik-Verbindungen online – wurden erst nach und nach beleuchtet. Für das Verlegen groß angelegter neuer Infrastruktur bestand aufgrund der Überkapazitäten kein Bedarf. Im Gegenteil ging eine gigantische Konsolidierungswelle um, die diverse Internet-Provider der ersten Stunde hinwegfegte – an Namen wie PSINet oder UUnet erinnert sich heute fast niemand mehr, neue Riesen wie Cogent griffen beherzt zu.
Fährt man den Zoom zurück auf Deutschland, könnten auch hier vereinzelte Kapazitätseinschränkungen stattfinden. Das glaubt man zumindest bei der weltweiten Nummer eins der Netzwerkausrüster, Cisco Systems. Sein "Visual Networking Index" (VNI) prognostiziert für Deutschland von 2008 bis 2013 einen Anstieg des Internet-Protokoll-Datenverkehrs von rund 0,5 Exabyte im Monat auf satte 2,5 Exabyte. 1 Exabyte entspricht dabei einem Elffachen des geschätzten Dateninhalts des gesamten "tiefen" World Wide Web.
Da kann, glaubt man bei Cisco, die Vernetzung ländlicher Räume, die die Bundesregierung nun endlich verstärkt angehen will, nur der Anfang sein. Die 800 Kommunen in Deutschland, denen laut dem Branchenverband Bitkom breitbandiges Internet zu vernünftigen Konditionen noch fehlen, werden den Gesamtbedarf der Backbone-Infrastruktur weiter erhöhen. "Der Datenverkehr überholt die Breitband-Versorgung", warnt Michael Ganser, Senior Vice President und Vorsitzender der Geschäftsleitung Cisco Deutschland.
Zusätzlichen Druck auf den Infrastruktur-Ausbau übt vor allem das Nutzerverhalten aus. War es in den letzten Jahren vor allem das Filesharing relativ weniger Nutzer, das die Provider belastete, sind es nun Videoinhalte, die der Mainstream-User anfordert. Hinzu kommen die Hochlade-Aktivitäten, was Cisco als "Hyperkonnektivität" betitelt – Nutzer, die gleichzeitig aktiv und passiv Web-2.0-Angebote verwenden. Bei Vodafone nennt man diese Menschen in einer aktuellen Imagekampagne stolz "Generation Upload". Fragt sich nur, wie viel diese noch hochladen kann, wenn die Infrastruktur nicht bald einen neuerlichen Ausbauschub erfährt.
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