Serie Technische Bildung - Teil 3: Schon heute können viele Technikfirmen nicht mehr alle Lehrstellen besetzen. In Zukunft wird sich das Problem noch verschärfen. Das Dortmunder Unternehmen Wilo zeigt, wie sich dennoch genügend Auszubildende rekrutieren und schulen lassen.
Klagen aus den Technikbranchen begleiten die Bildungsdiskussion mit der gleichen Regelmäßigkeit wie Grippewellen den Herbst: Der Nachwuchs interessiere sich nicht mehr für Technik; Schulen bildeten zu praxisfern aus; Universitäten vergraulten die Studenten durch enormen Prüfungsdruck. Fazit: Deutschland fehlten die Ingenieure. Erstaunlich nur: Die Bundesrepublik ist nach wie vor eine in vielen Bereichen führende Technologie-Nation, trotz aller beklagten Defizite im Bildungssystem. Wie ist das nur möglich?
Der Bildungsforscher Professor Ernst Hartmann von der VDI/VDE Innovation und Technik GmbH (iit) in Berlin weiß eine Antwort darauf: „Das liegt zum Teil an unserer sehr guten technischen Berufsausbildung im Rahmen des Dualen Systems aus Berufsschule und Betrieb“ (siehe TR 5/2009). In einer vom iit herausgegebenen Studie ergänzen die Bildungsforscher Ulrich Blötz, Heinrich Tillmann und Bärbel Bertram: „Die deutsche Berufsbildung ist eine wesentliche Grundlage der deutschen Innovationsfähigkeit und hat auch im internationalen Vergleich erhebliche Leistungen erbracht, darunter einen Teil der Leistungen, die in anderen Ländern von Hochschulabsolventen erbracht werden.“
Die gute betriebliche Ausbildung im Dualen System (siehe Kasten Seite 40 ) konnte bisher in gewissem Maße den Akademiker-Mangel kompensieren. Doch zwei demografische Entwicklungen lassen das Potenzial an geeigneten Lehrlingen schrumpfen: Zum einen wird es künftig insgesamt weniger Schulabgänger geben – die Kultusministerkonferenz rechnet mit einem Rückgang von einem Sechstel bis 2020. Zum anderen verschieben sich auch innerhalb dieser schrumpfenden Gruppe die Gewichte: Erstmals wird Bildungsforschern zufolge die Zahl der Abiturienten die der Hauptschüler übersteigen (siehe Grafik Seite 41). Das Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn rechnet damit, dass im Jahr 2020 ein Drittel weniger Schulabgänger Interesse an einer klassischen Lehre haben werden als heute. Eine alarmierende Botschaft für die Industrie – denn schon 2008 konnte jeder fünfte Betrieb nicht alle Ausbildungsplätze besetzen.
Neue Wege bei der Suche nach Lehrlingen sind also gefragt. Eine Firma, die dabei eine beachtliche Kreativität entfaltet hat, sitzt im Dortmunder Süden: der Pumpenhersteller Wilo SE. Dass Auszubildende hier einen hohen Stellenwert genießen, zeigt sich schon am Empfang. Statt vom Pressesprecher wird der Reporter gleich von einem Azubi begrüßt – vom 22-jährigen Denis Kias, künftiger Maschinen- und Anlagenführer im zweiten Lehrjahr. Er bringt den Gast zur Lehrwerkstatt.
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Neugierig geworden? Der vollständige Artikel erschien in der Print-Ausgabe 12/2009 von Technology Review und steht als kostenpflichtiges pdf im Heise Kiosk zum Download bereit.
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